Um das Arbeitsleben ranken sich zahlreiche Mythen. Wir räumen mit den fünf häufigsten Karriere-Irrtümern auf.

Irrtum Nr. 1: Absolventen sind umkämpft

Demografischer Wandel und Fachkräftemangel, das sind die Schlagworte, die den Arbeitsmarkt der Zukunft beschreiben. Eine ganze Generation, die der Babyboomer, soll in den kommenden Jahren in Rente gehen. Absolventen brauchten sich keine Sorgen zu machen, sie bekämen sofort einen tollen Job, schließlich würden sie dringend gebraucht, lauten gängige Behauptungen. Aber ganz so einfach ist es für Berufseinsteiger nicht. Nur wenige Arbeitgeber umgarnen sie auf Karrieremessen mit Präsentationen oder Spielen, mit denen man sie an das Unternehmen heranführen will. Diese Firmen suchen in der Regel nach Absolventen bestimmter Fächer: nach Ingenieuren oder Informatikern, die auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragt werden. Einige Arbeitgeber inszenieren sich gar als Marke, als wären sie ein Life-Style-Produkt. Wer eine Ingenieurwissenschaft oder Informatik studiert hat, ist als Berufseinsteiger tatsächlich umkämpft, und hat oft die freie Auswahl bei der Entscheidung für oder gegen einen Job. Diesen Luxus haben aber bei Weitem nicht alle Absolventen. Sozial- und Geisteswissenschaftler etwa suchen im Schnitt am längsten nach der ersten Stelle. Wirtschaftswissenschaftler konkurrieren oft mit vielen anderen Bewerbern um wenige Stellen. Häufig muss man erst einmal andere Jobs mit schlechteren Bedingungen annehmen, bevor es mit dem Traumjob klappt. Aber eine gute Nachricht gibt es trotzdem: Langfristig kommen alle Akademiker gut auf dem Arbeitsmarkt unter, das belegen Studien.

Irrtum Nr. 2: Keiner will den Bachelor

Das stimmt nicht, mittlerweile stellen viele Unternehmen gerne Bachelorabsolventen ein. Mit dem Master bewirbt man sich genauso lange auf die erste Stelle wie mit dem Bachelorabschluss, in etwa drei Monate. Statistisch gesehen unterschreiben Berufsanfänger mit Bachelor sogar häufiger einen unbefristeten Arbeitsvertrag als Masterabsolventen. Das mag daran liegen, dass man mit dem ersten Abschluss eher in Routinejobs arbeitet, während man nach dem Aufbaustudium anspruchsvollere Bereiche wie die Wissenschaft wählt, wo es ohnehin mehr befristete Verträge gibt. Unterschiede gibt es auch beim Gehalt, mit Master verdient man von Anfang an mehr Geld. Anders sieht die Situation für Naturwissenschaftler aus. In Fächern wie Chemie oder Physik reicht ein Bachelorabschluss für die meisten Stellen nicht aus, weil es im Bachelor meist um Grundlagen, und erst im Master um das Anwenden geht. Häufig wird sogar noch ein Doktortitel erwartet.

Irrtum Nr. 3: Ein Studienabbruch ist ein Karrierekiller

In Deutschland ist ein abgebrochenes Studium nicht so gern gesehen. Manche Personaler werten ihn als Makel im Lebenslauf, als Misserfolg. Das Karriere-Aus muss der Abbruch aber nicht bedeuten, wenn man danach einen Abschluss in einem anderen Fach gemacht hat. Im Bewerbungsgespräch sollte man den Fokus auf das "Danach" legen, auch wenn ein Personaler stichelt. Wer allzu lange die Gründe für den Abbruch erläutert, begibt sich unbewusst in eine rechtfertigende Haltung, und macht sich damit klein. Lieber betonen, inwiefern der Wechsel im Nachhinein eine gute Entscheidung war. Vielleicht kann man sogar geschickt argumentieren, dass gerade die Kombination der unterschiedlichen Fächer zur Jobanforderung passt. Wer zum Beispiel nach ein paar Semestern BWL ein Studium in Philosophie abgeschlossen hat, könnte ein interessanter Kandidat für eine Unternehmensberatung sein. Auch ein Wirtschaftswissenschaftler, der sich erst nach einigen Maschinenbau-Vorlesungen für BWL entschieden hat, dürfte in einer Schnittstellenposition in einem Industrieunternehmen davon profitieren. Er bringt Grundkenntnisse aus der Fertigungstechnik mit. Generell beweist man mit einem erfolgreichen Fachwechsel, dass man bereits Krisen gemeistert hat und für seine eigenen Interessen eingestanden ist. Diese Erfahrungen festigen die Persönlichkeit, das darf man als Bewerber ruhig betonen. Übrigens, es geht auch ganz ohne: Der Spotify-Gründer Daniel Ek und der Modedesigner Ralph Lauren haben gar kein abgeschlossenes Studium.

Irrtum Nr. 4: Beim Gehalt muss man pokern

Berufseinsteiger können über ihr Gehalt verhandeln, sollten es aber nicht übertreiben. Wer mit überzogenen Vorstellungen hoch pokert, wirkt schnell überheblich und schießt sich damit ins Aus. Vor dem Bewerbungsgespräch sollte man sich gut auf die Frage nach dem Gehaltswunsch vorbereiten. Denn Firmen planen für eine Stelle zwar ein bestimmtes Budget ein, haben aber meist noch etwas Spielraum. Am besten recherchiert man zuerst im Internet oder informiert sich bei Alumni-Vereinen, welche Gehaltsspanne in der Branche und Region üblich sind. Plant die Firma etwa 40.000 Euro für die Stelle ein, sollte man gute Argumente parat haben, wenn man 45.000 Euro fordert. Zum Beispiel, dass man zu den besten seines Jahrgangs zählt, besondere Zusatzqualifikationen mitbringt und passende Praktika gemacht hat. Es ist auch ratsam, die persönliche Schmerzgrenze zu kennen, unter der man nicht arbeiten möchte. Man sollte abwarten, bis das Thema Gehalt von Seiten des Unternehmens angesprochen wird, sonst wirkt man schnell als Bittsteller. Manche Arbeitgeber zahlen nach festen Tarifen, da lässt sich wenig verhandeln. Dafür sind die Gehälter in diesen Unternehmen ohnehin meist besser als etwa bei Start-Ups. Ist beim Geld nicht mehr drin, kann man auch nach Zusatzleistungen fragen, wie etwa einem Handy oder Bahnticket, flexiblen Arbeitszeiten oder betrieblicher Altersvorsorge. Indirekt bekommt man damit auch mehr Geld für seine Arbeit.

Irrtum Nr. 5: Geisteswissenschaftler finden keinen Job

Soziologen fahren Taxi und Pädagogen tanzen ihre Namen, lauten die alten Klischees. Doch all das ist Unsinn. Auch Geisteswissenschaftler haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Im Gegensatz zu Ärzten oder Lehrern tun sich Absolventen der Germanistik oder Philosophie beim Berufseinstieg schwerer, das stimmt schon. Weil es kein klares Berufsbild gibt. Natürlich kann es Angst machen, wenn man kurz vor Studienende noch nicht weiß, wie es weitergehen soll. Aber die Sorge ist unbegründet. Geisteswissenschaftler besetzen viele Nischen. Ihre typischen Fähigkeiten, wie zum Beispiel analytisches Denken und Schreibkompetenz, werden auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragt, auch wenn man das manchmal erst auf den zweiten Blick erkennt. Die Absolventen arbeiten unter anderem in Personalabteilungen oder in der Marktforschung, im Marketing oder in Kommunikationsberufen. Manchmal gestaltet sich die Suche nach dem ersten Job schwierig, man muss befristete Stellen in Kauf nehmen, teilweise erst ein Volontariat machen. Experten sind sich nicht darüber einig, ob man ein Praktikum nach dem Studium grundsätzlich ablehnen sollte. Es kann ein guter Einstig in ein Unternehmen sein, und immerhin wird der Mindestlohn gezahlt. Trotz holprigem Start ins Berufsleben kommen auch Geisteswissenschaftler langfristig gut auf dem Arbeitsmarkt unter. Mehr noch: Studien belegen, dass sie auf Dauer sogar zufriedener mit ihren Jobs sind als Absolventen anderer Fächer.


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