Hoch Pokern oder besser bescheiden bleiben? Beim Thema Geld sind viele Berufsanfänger unsicher. Hier fünf Tipps für die Gehaltsverhandlung!

Tipp 1: Den passenden Moment abwarten
Die Frage nach dem Gehalt sollte man im Vorstellungsgespräch nicht selbst ansprechen, das gehört zum guten Ton des Bewerbers. In der Regel lenkt der Personaler das Gespräch gegen Ende des Termins darauf. Ist ein zweites Gespräch vorgesehen, wird meistens erst dann die Gehaltsfrage verhandelt. Häufig hat man bereits in der schriftlichen Bewerbung seine Gehaltsvorstellung genannt. Wer daraufhin zum persönlichen Gespräch eingeladen wurde, kann davon ausgehen, dass es grundsätzlich passt und man sich rund um den Betrag einigen wird. Etwa zehn Prozent der genannten Summe gelten als Verhandlungsspielraum, lautet die Faustregel.

Tipp 2: Seinen Marktwert kennen
Woher soll ich bloß wissen, wieviel ich verlangen kann? Über Fragen wie diese grübeln viele Berufsanfänger bei der schriftlichen Bewerbung, wenn sie ihren Gehaltswunsch angeben sollen. Hier stellen sie die Weichen für den Erfolg in der Gehaltsverhandlung. Wer gründlich recherchiert hat, ist später klar im Vorteil. Die Höhe des Gehalts hängt von der Branche und der Position, aber auch der Größe des Unternehmens, der Region und der eigenen Erfahrung ab, das sollte man wissen. Generell verdienen Mitarbeiter in größeren Unternehmen mehr als in kleineren. Über die konkrete Firma kann man sich zum Beispiel bei früheren Kommilitonen erkundigen, die jetzt dort arbeiten oder nach Erfahrungsberichten im Internet suchen. Der Arbeitgeber erwartet, dass sich ein Bewerber vor dem Gespräch über die Gehaltsrange informiert hat. Am besten vergleicht man dazu drei bis fünf Gehaltsportale miteinander, dann bekommt man ein gutes Gefühl für die Zahlen. Auf Basis der Recherche bestimmt man seinen Gehaltswunsch, indem man sich innerhalb der Spanne einordnet. Ein Beispiel: Wer zu den Besten seines Jahrgangs gehört, hervorragend Englisch spricht und ein Auslandssemester sowie einschlägige Praktika gemacht hat, kann sich an der oberen Grenze der Range orientieren. Bringt man hingegen kaum praktische Erfahrung mit und hat im Schnitt länger als die anderen studiert, sollte man eher einen Betrag am unteren Rand wählen.

Tipp 3: Gute Argumente parat haben
Das Gehaltsgespräch wird oft mit der Frage eingeleitet, wie der Bewerber zu seiner Gehaltsvorstellung gekommen ist. Wer jetzt mit privaten Gründen ankommt, wie etwa hohen Mietkosten, schießt sich ins Aus. Bei dieser Frage wollen Arbeitgeber hören, ob und wie ein Bewerber recherchiert hat und wie er sich selbst einschätzt. Man muss seinen Preis durch nachvollziehbare Argumente erklären können. Am besten beschreibt man sein Vorgehen, welche Gehaltsportale man verglichen hat, und inwiefern man mit Blick auf das eigene Profil einen bestimmten Betrag für angemessen hält. Je besser ein Bewerber auf die Stelle passt, umso schneller kann er gewinnbringend eingesetzt werden, und umso eher ist ein Unternehmen bereit, beim Gehalt noch etwas draufzulegen. Wer ausschließlich akademisches Wissen hat, verfügt über einen geringeren Marktwert als Leute, die zusätzlich praktische Erfahrungen gesammelt haben. In der Verhandlung sollte man kompromissbereit sein, der genannte Gehaltswunsch muss also unbedingt über dem persönlichen Ziel liegen. Doch auch seine Schmerzgrenze sollte man kennen und dazu stehen. Ein typischer Ausgang ist eine Mittesituation, bei der beide Seiten aufeinander zugehen. Ist man mit dem Angebot nicht zufrieden, kann man vorschlagen, nach der Probezeit das Gehalt anzuheben. Als Faustregel gilt: Je besser in der Branche gezahlt wird, umso größer sind die Verhandlungsspielräume.

Tipp 4: Nach Extras fragen
Den Moment zu erkennen, wenn wirklich nicht mehr Geld drin ist, zählt auch zu den wichtigen Spielregeln bei der Gehaltsverhandlung. Ein deutliches Signal ist beispielsweise, wenn einem der Arbeitgeber schon zwei Mal entgegenkam. Ist das Budget ausgeschöpft, muss man das auch akzeptieren. Wer nun starr auf seinen Vorstellungen beharrt, wirkt womöglich unverschämt, und riskiert eine Absage. Eine gute Strategie kann es sein, stattdessen nach Extras zu fragen. Mit Sonderzulagen wie einem Bahnticket, Essensgutscheinen oder Zuschüssen für Sport- oder Sprachkurse lässt sich indirekt das Gehalt aufstocken. Auch betriebliche Altersvorsorge, flexible Arbeitszeiten, Home Office-Tage oder zusätzliche Arbeitsmittel wie Laptop oder Diensthandy können neben dem Gehalt Verhandlungssache sein. Bei Fortbildungen geben sich viele Firmen großzügiger, weil die in der Regel aus anderen Töpfen bezahlt werden können. Nicht jeder Betrieb bietet all das von sich aus an, bei anderen zählt es ohnehin zum Gesamtpaket. Das Angebot hängt von der Unternehmenskultur ab. In jedem Fall lohnt es sich, nachzufragen. Über einen Firmenwagen sollten Berufseinsteiger aber nur bei einer Stelle im Außendienst reden, sonst wirken sie überheblich. Bei Ingenieuren und Informatikern sind häufig auch Gewinnbeteiligungen üblich.

Tipp 5: Geld ist nicht alles
Wer mit dem Gehalt nicht einverstanden ist, sollte lieber auf das Angebot verzichten, als unzufrieden in den ersten Job zu starten. Es kann aber gute Gründe geben, beim Berufseinstieg mit einem kleinen Gehaltsverzicht etwas für die eigene Karriere zu tun. Denn gerade bei der ersten Stelle sind die fachliche und die persönliche Weiterentwicklung oft wichtiger als das Gehalt. Mit den neu erworbenen Kenntnissen kann man häufig seinen Marktwert binnen kurzer Zeit stark erhöhen. Das gilt zum Beispiel für Informatiker, die in einem Startup mit neuen Technologien arbeiten, ebenso wie für Kreative, die erst einmal in einer namhaften Agentur arbeiten. Wer sich am Anfang breit aufstellt, hat im nächsten Schritt seiner Karriere einen größeren Entwicklungsspielraum. Kleine Gehaltseinbußen sind später schnell aufgeholt, wenn es um größere Gehaltssprünge geht.


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