Der Übergang in den Beruf gelingt Hochschulabsolventen deutlich besser als befürchtet. Dennoch hat die sogenannte Such-Arbeitslosigkeit beim Übergang in eine reguläre Beschäftigung zugenommen. Dies beweist eine neue Studie der Berliner Freien Universität (FU) im Auftrag der DGB-Jugend und der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.
Kaffeekocher und Kopierer: Praktika sind Absolventen-Alltag© Katharina Langer für ZEIT Campus online

Dieter Grühn und Heidemarie Hecht, beide Forscher an der FU Berlin, haben insgesamt 500 Absolventen befragt, die im Wintersemester 2002/2003 in Berlin und in Köln ihr Studium abgeschlossen hatten. Damit ist die Untersuchung nicht repräsentativ, erlaubt aber erstmals auf breiter Datenbasis Aussagen darüber, wie oft, wie lange und unter welchen Bedingungen Hochschulabsolventen als Praktikanten arbeiten - und wie ihr Einstieg ins Berufsleben aussieht.

Studieren lohnt sich - irgendwann

Positiv ist, dass 93 Prozent der Befragten innerhalb von zwölf Monaten eine erste Beschäftigung finden. Dreieinhalb Jahre nach dem Abschluss sind nur noch vier Prozent arbeitslos. „Wir haben wieder einmal festgestellt: Studieren lohnt sich“, sagte der Absolventenforscher Dieter Grühn am Donnerstag bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Generell bewertet die überwiegende Mehrheit der Befragten (70 Prozent) ihre berufliche Zukunft als positiv und der Anteil der Pessimisten beträgt gerade einmal 11 Prozent.

Doch durch die Studie bestätigen sich auch negative Trends, etwa die berufliche und damit auch finanzielle Unsicherheit unmittelbar nach dem Abschluss. So habe sich im Vergleich zu früher die Dauer der Übergangsphase verlängert, so Grühn. „Wir haben es hier mit einem neuen Phänomen, einer erhöhten Übergangsarbeitslosigkeit, zu tun.“ 40 Prozent der Befragten hätten nach ihrem Studium noch ein Praktikum absolviert, davon fast die Hälfte unbezahlt.

Nach Informationen der Studie sind Praktikanten vor allem in Medien, Kultur und außerschulischer Bildung anzutreffen, seltener in der Industrie, bei Banken oder im Handel. Und ihre Aufenthalte seien keine Stippvisiten: Die mittlere Dauer eines bezahlten Praktikums beträgt sechs Monate. Unbezahlte Praktika sind mit im Schnitt fünf Monaten kürzer, aber jedes vierte erstreckt sich über mehr als ein halbes Jahr.