Promotion Einfach Doktor werden

Eine Promotion dauert drei bis fünf Jahre - wenn alles gut geht. Diese neun Schritte helfen, den Termin- und Thesenplan einzuhalten

01 Fleißig sein
Wer promovieren möchte, muss schon im Studium sehr gut gewesen sein und einen überdurchschnittlichen Universitätsabschluss haben - einen Magister, Diplom, Master oder in Ausnahmefällen auch einen Bachelor.

02 Kontakte knüpfen
Schon vor dem Ende des Studiums sollte man sich um einen guten Draht zum Wunschprofessor bemühen, beispielsweise über die Abschlussarbeit. Frank Stäudner vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft ist überzeugt, dass "die wichtigste Entscheidung für den Erfolg der Promotion am Anfang steht". Bei der Wahl des Doktorvaters oder der Doktormutter könne man gar nicht sorgfältig genug vorgehen. Dabei gelte es, nicht nur die fachliche Seite zu prüfen - die menschliche sei viel entscheidender.

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Auch untereinander sollten Doktoranden sich austauschen. Beispielsweise über Thesis , ein Verein, der Doktoranden und wissenschaftliche Mitarbeiter aller Fachrichtungen ins Gespräch bringen möchte. Das geschieht online in Mailinglisten und Diskussionsforen. Vorsitzende Annette Knaut erklärt: "Hier kann man alles diskutieren oder erfragen, was mit den Themen des wissenschaftlichen Arbeitens oder mit den Rahmenbedingungen der Promotion zu tun hat."

03 Geld besorgen
Die meisten Doktoranden arbeiten als wissenschaftliche Mitarbeiter bei einem Professor. Sie geben eigene Proseminare und verfassen zeitgleich ihre Dissertation. Dabei nehmen die eigentlichen "Nebentätigkeiten" für das Institut, wie beispielsweise das Unterrichten, sehr viel Zeit ein.

Außerdem bieten verschiedene Institute und Stiftungen Stipendien an. Das lässt mehr Freiraum bei der Arbeitsgestaltung, erfordert aber eine noch striktere Einhaltung des Zeitrahmens - meist endet nach drei Jahren das Stipendium, und damit die finanzielle Förderung. Auch für ein Stipendium ist es hilfreich, den betreuenden Professor schon aus dem Studium zu kennen. "Als Betreuer muss ich ja die akademischen Leistungen aus dem Studium für das Stipendium beurteilen und bewerten", sagt Jürgen Kamm, Professor für Englische Literatur und Kultur an der Uni Passau.

04 Exposé schreiben
Am Anfang einer Promotion sollte ein Exposé stehen. Dieses fasst das Forschungsvorhaben zusammen, begründet, warum das Thema ein gutes Thema ist und stellt dar, wie und unter welchen Fragestellungen man sich ihm annehmen möchte.

Denn beim Schreiben werden Promovierende auf Nebenzweige, alternative Lösungsansätze und Ideen treffen. Dann gleich alles zu verwerfen, bringt nichts, sagt die promovierte Mikrometeorologin Claudia Liebethal: "Unerwartete Ergebnisse sind bei einer Promotion eher die Regel als die Ausnahme. Tauchen sie auf, sollte man Ideen entwickeln, wie man seine Arbeit umgestalten kann und dies auch frühzeitig mit dem betreuenden Professor besprechen."

05 Zeitplan erarbeiten
Ein realistischer Zeitplan ist sehr wichtig. Oft gibt es aber unberechenbare Einflüsse wie beispielsweise einen ausbeutenden Doktorvater. Lars Müller* sagt: "Es gibt Professoren, die einen für die eigenen Zwecke einbinden. Man arbeitet dann vor allem für andere und kommt mit dem eigenen Projekt nicht voran." Ist man in solch eine Situation geraten, helfe nur, sich trotzem eisern an den eigenen Zeitplan zu halten: "Sonst nimmt's kein Ende." Auch dabei spielen die Betreuungssituation und die gute Beziehung zum Doktorvater eine entscheidende Rolle. Wenn ein Doktorand fast ganz auf sich allein gestellt ist, können ihm die organisatorischen Probleme leicht über den Kopf wachsen.

06 Ins Kolleg gehen
Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Graduiertenzentren möchten eine bessere Betreuung für Promovierende schaffen. Sie wurden bei der 'Exzellenzinitiative' gelobt und werden an vielen deutschen Unis ausgebaut, um das Promotionsstudium schneller zu reformieren. Hier arbeitet eine kleine Anzahl von Doktoranden. Sie beschäftigen sich mit Themen, die sich alle auf die vom Graduiertenkolleg formulierte Forschungsidee beziehen.

Auch an der Philosophischen Fakultät der Universität Passau ist parallel zur neuen Promotionsordnung eine strukturierte Graduiertenausbildung erarbeitet worden. Sie enthält beispielweise ein Hauptseminar im gewählten Fachgebiet, die Teilnahme an einem Forschungskolloquium, wo auch die eigene Arbeit präsentiert wird, oder eine externe Präsentation auf einer wissenschaftlichen Fachtagung.

Laut Annette Knaut von Thesis gibt es unter Promovierenden ganz unterschiedliche Meinungen zu den Graduiertenzentren. Online werde viel diskutiert, ob die "strukturierte Doktorandenausbildung" im Zuge des Bologna-Prozesses einem Paradigmenwechsel gleichkomme: Wird der promovierende Nachwuchsforscher dabei als Auszubildender oder Schüler betrachtet? Gerät der Sinn der Promotion, originäre Forschung hervorzubringen, aus dem Blick? "Wir wenden uns zwar gegen eine Verschulung der Promotionsphase, fordern aber verbindliche, individuell angepasste Promotionsvereinbarungen, die für alle Beteiligten nachvollziehbare Betreuungsinhalte zum Inhalt haben", sagt Knaut.

Weitere Informationen zu den Graduiertenkollegs der Universitäten in Deutschland gibt es bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft

07 Freunde nicht vergessen
"Ich promoviere" - wer das sagt, löst bei seinem Gegenüber oft Anerkennung aus. Bei dem wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Prestige darf aber nicht vergessen werden, dass die Jahre der Promotion auch einsames Schreiben bedeuten. "Viele fühlen sich in der Zeit als Einzelkämpfer, haben wenig Zeit für Freunde und verzichten im Vergleich zu den ehemaligen Kommilitonen, die schon richtig arbeiten, auf ein gesichertes Einkommen", erläutert Hubert Schuler.

Deswegen hat er "docphilol" ins Leben gerufen, eine Anlaufstelle für Doktoranden geisteswissenschaftlicher Fächer der Uni München. Dort können sie sich über alle Facetten des Doktorandendaseins austauschen und ihre sozialen Netzwerke ausbauen. Ein Blick in die Diskussionsforen bei docphilol zeigt, dass dort von "Schreibblockade" bis "Gleichgesinnte in einer fremden Stadt finden" alles besprochen wird. Außerdem gibt es an fast jeder Uni Beratungsstellen.

Jeder angehende Doktor sollte sich auch um genügend persönlichen Ausgleich bemühen und Zeit mit den Freunden verbringen. "Auch die Teilnahme an einer Fachtagung, die Betreuung von Studenten oder die Veröffentlichung eines Artikels können der Doktorarbeit wieder den nötigen Energieschub verleihen", sagt Mikrometeorologin Claudia Liebethal, "und sie haben den angenehmen Nebeneffekt, dass man neue Leute kennen lernt und die eigene Arbeit aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann."

08 Zu Papier bringen
Irgendwann ist man dann fertig. Fast, denn noch steht die Veröffentlichungspflicht zwischen dem Doktoranden und der Doktorurkunde. "Meist ist es nötig, eine dreistellige Anzahl an Belegexemplaren produzieren zu lassen", erläutert Frank Stäudner vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft. "Hat man eine wissenschaftliche Karriere im Sinn, sollte man sich an einen angesehenen Verlag wenden und dort die Arbeit publizieren. Aber man kann die Exemplare auch selbst im Copy-Shop drucken und binden lassen."

Bis die eigene Arbeit als Buch erscheint, kann schnell ein Jahr verstreichen. Auch hier kann man zur finanziellen Unterstützung eine Stiftung bemühen oder bei Verlagen einen Druckkostenzuschuss erfragen. Und dann kann endlich die Visitenkarten mit den lang ersehnten zwei neuen Buchstaben in Druck geben.

09 Stolz sein
Immer wieder stolz auf sich zu sein, ist schon während der Promotion sehr wichtig. Denn Feedback von anderen gibt es selten, sagt Ellen Madeker, die ihren Doktor in Soziologie macht: "Selbstbestätigung muss man sich in diesen Jahren woanders holen. Das durchzuhalten ist meiner Meinung nach eine der größten Leistungen des Doktoranden." Und am Ende sollte man einfach ein paar Tage durchatmen.

*(Name geändert)

 
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