Studiengebühren Verspieltes Vertrauen

Viele Unis haben Gebührengelder missbraucht. Das darf nicht sein, denn so wird man die Studenten niemals für die Campus-Maut und eine bessere Wissenschaftspolitik gewinnen können.

Imagebroschüren, ein DVD-Player für 842 Euro, Sportgeräte und ein verschönerter Internet-Auftritt - viele Hochschulen meinten, die Gebühren von 500 Euro pro Semester und Student gut investiert zu haben. Doch mit der Verwendung der bereits gezahlten Campus-Maut für steigende Energiekosten, Marketingmaßnahmen und zum Stopfen von Haushaltslöchern begehen Universitäten etwa in Göttingen, Ulm, Dortmund, Aachen oder Osnabrück Betrug an ihrer eigenen Klientel.

Viel wurde den Studenten von Bildungsministern, Hochschulpräsidenten und Gebührenbefürwortern versprochen. Mit überfüllten Vorlesungssälen, spärlich bestückten Bibliotheken und verschlampten Hausarbeiten sollte endlich Schluss sein. Mehr Bücher, mehr Lehrkräfte, mehr Service am Akademikernachwuchs - die Campus-Maut sollte es richten.

Doch davon ist man gegenwärtig weit entfernt. Durch den Missbrauch der Gebühren gefährdet man die wichtigsten Ziele der derzeitigen Wissenschaftspolitik, die mit Studiengebühren, der Exzellenzinitiative und mehr Wettbewerb auch bei der Lehre eine Trendwende an deutschen Hochschulen einzuleiten versuchte. Sie wäre bitter nötig. All der Staub, der auf Universitäten, Professoren und einer arg verkrusteten Hochschulverwaltung liegt, muss mit frischen Ideen und neuen Initiativen hinweggespült werden. Doch das funktioniert nicht ohne die Mithilfe und vor allem das Vertrauen der Studenten. Sie sind unmittelbar betroffen, denn sie zahlen für eine gute Lehre, von der ihre Zukunfts-Chancen abhängen.

Gebührengelder sind keine üblichen Haushaltsmittel, die den Universitäten zur Verfügung stehen, um laufende Kosten zu decken. Sie sind Mittel von Studenten, die allein für Projekte und Anliegen der Studenten verwendet werden dürfen. Mit den Gebühren sollte man also vorsichtig umgehen, die Studierenden, immerhin zahlende Kunden ihrer Alma Mater, über die Verwendung der Mittel gut informieren. Schließlich ist es ihr Geld, das sie zur Verbesserung der Studienbedingungen und der Lehre genutzt wissen wollen.

Dazu gehören etwa zusätzliche Tutorien oder längere Öffnungszeiten von Bibliotheken. Auch DVD-Player oder Beamer können von der studentischen Finanzspritze bezahlt werden - falls damit konkrete Projekte von Studenten oder Seminararbeiten gezielt unterstützt werden. Gebäudeaufstockungen, zusätzliche Verwaltungsmitarbeiter oder Altbestände wie internationale Begegnungszentren, für die Drittmittel wegbrechen, gehören eindeutig nicht dazu.

Längst ist der Eindruck entstanden, dass die Politik und die Hochschulen nur abkassieren wollen, ohne dafür adäquate Gegenleistungen zu erbringen. Das darf nicht sein. Jede Kritik, jeder Protest und jede Verfassungsklage dagegen ist berechtigt. Wie die Studentengelder verwendet werden, muss transparent sein und kontrolliert werden, daran führt kein Weg vorbei. Die Universitäten in Hamburg, Lüneburg und Bochum beispielsweise gehen hier vorbildlich voran. Dort gibt es Gremien und Regelwerke, welche die Verteilung und Verwendung der Gebühren genauestens regeln.

So verbietet etwa die Gebührensatzung der Bochumer Ruhr-Uni, "Bau- und Instandhaltungs- sowie Gebäudesanierungsmaßnahmen, Energie- und Mietkosten" aus den Studienbeiträgen zu finanzieren. Dafür stellt der Staat Extramittel zur Verfügung, und das soll auch so bleiben.

Diese Art rechtlicher Vorgaben sollten maßgeblich sein - nicht nur in einzelnen Bundesländern oder Uni-Städten, sondern bundesweit. Nur so lassen sich die Gebührengegner und -skeptiker überzeugen, nur so können Politik und Hochschulen das Vertrauen ihrer Wähler und Studenten in die Zukunftspläne gewinnen. Der Schaden für den Wissenschaftsstandort Deutschland wäre im Falle ihres Scheiterns zu hoch.

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Leser-Kommentare
  1. Wieso ist es ein Verrat am Kunden, wenn man das Geld für die Errichtung der Räume verwendet, in denen er lernt, statt für deren längere Öffnungszeiten?

    Und wieso soll für Studenten etwas anderes gelten als für Kleinkinder? Die (=deren Eltern) bezahlen meist um die 20% der Kosten eines Kindergartenplatzes selbst, und kein Mensch kommt auf die Idee, daß man dieses Geld zwar in Spielzeug, nicht aber in die Miete investieren darf.

    Wieder mal wird die grundlegende Debatte vernebelt, und die heißt nun mal: sollen Studenten einen Teil ihres Studiums selbst bezahlten müssen, und wenn ja, wie groß soll der sein? Dann käme man schnell hinter die eigentlich relevanten Punkte. Etwa, ob es gerecht ist, daß ein Medizinstudent (dessen Studium den Staat eine halbe Million kostet) genausoviel Studiengebühr bezahlt wie ein Jurist (dessen Studium nur ein Zehntel davon frißt). Ob es eine gute Idee ist, Eltern (die Hauptzahler für die Studenten) mit noch weiteren Kosten zu belasten - und ob man, solange dem so ist, nicht für arme Studenten das BaFÖG entsprechend erhöhen müßte.
    Ob ein Studienplatz auch dann unabhängig von der relativen Eignung und Leistung des Studenten auch dann kostenlos sein muß, wenn offensichtlich ist, daß (wie bei den Juristen) weit über jedem Bedarf ausgebildet wird. Wie wäre es, wenn Studienplatz UND Lebensunterhalt vom Staat solange und nur solange bezahlt würden, wie ein Student gute Leistungen bringt - alle anderen müßten selber zahlen?

    Oder wie wäre es, wenn unser Staat seine Bildungsausgaben auf das Niveau anderer Länder erhöhen würde -- und die Kosten dafür denen auferlegen, die es sich - mangels eigener Kinder - leisten können, für fremde Kinder aufzukommen, auf die auch sie schließlich eines Tages angewiesen sind?

  2. ...Kontrolle wurde leider mit den begleitenden Hochschulreformen (HFG; Stärkung des Präsidiums) leider nicht vorhanden. Diese Gremien existieren leider ja nur von Rektors Gnaden, die Vorschläge erarbeiten, und wenns man unangenehme Forderungen geben sollte, verschiebt man wie in Ulm einfach ein zwei Haushaltsposten und der Gebührenetat geht nun in den Aufbau vorher abgebauter Turorien. Aber solche Überlegungen überfordern ja anscheinend sogar die Zeitredaktion. Vertrauen ist gut, auch für ausländische Studenten, die jetzt ihre Aufenthaltsgenehmigung verlieren, die sie an die Immatrikulation gebunden ist. Vertrauen ist gut, auch für Bürger, die nun Konsumenten sind. Was macht man eigentlich mit verbrauchten Staaten, verbrauchter Bildung,verbrauchtem Vertrauen?
    Man entwickelt vielleicht eine menschenverachtende Einstellung wie mein/e Vorgänger/in, die nun die Studierende der Medizin nach dem Tauschwert ihrer Lehrmittel bemisst. Aber das ist ja alles egal, solange der Standort D nicht leidet. Vielleicht wär Heines Wintermärchen angebrachter als das vom Handball.

  3. 3.

    Es ist interessant, dass anscheinend die Presse die Deutungshoheit darüber hat, ob die Studienbeiträge an einer Hochschule sinnvoll eingesetzt werden oder nicht.

    Erstaunt muss ich lesen, dass an der Universität Göttingen die Studiebeiträge zweckentfremdet verwendet werden. Es ist richtig, dass die Uni Göttingen für 3 Mio Euro ein Seminargebäude umbauen wird. Doch warum ist dies Zweckentfremung? Die Studierendenvertreter - zu denen ich auch gehöre -, haben dies sogar angeregt. Wir schaffen aus Studienbeiträgen viel neues Lehrangebot, es fehlt jedoch der Raum, um dieses auch wirklich stattfinden zu lassen. Was liegt da näher, als aus Studienbeiträgen neue, modern ausgestattete Seminarräume zu finanzieren? Warum ist das Zweckentfremdung? Solten nicht die Studierenden das entscheiden?
    In Göttingen sind die Studierenden von Anfang an in höchstem Maße an den Entscheidungen zur Studienbeitragsverwendung beteiligt gewesen, angefangen von der Ausarbeitung der Gebührensatzung bis zu den konkreten Verwendungsentscheidungen, wo die paritätisch mit Studierenden besetzten Studienkommissionen das Vorschlagsrecht genießen. Eine Subsitution von vorher aus Haushaltsmitteln finanzierten Angeboten durch Studienbeiträge schließt unsere Gebührensatzung aus, und das wird auch kontrolliert - und auch daran sind die Studierenden beteiligt.

    Wo bitte schön liegt hier ein Problem?

    Ein Studierendenvertreter aus Göttingen...

  4. Hat der Regelungswahnsinn den kein Ende? Wer weiss besser, als die Hochschule, wo die Gelder eingesetzt werden können?

    Ausserdem denke ich, dass viele Länder jetzt ihre Finanzierung der Hochschulen zurückdrehen wollen. Da drückt der Schuh!

  5. Die Verblendung und Unwissenheit mit der dieser Beitrag geschrieben wurde, spiegelt sich höchstens noch bei Unions-Bildungspolitikern wieder! Da tut die Autorin als die Studenten gegen Studiengebühren demonstrieren, weil die Mittel nicht adäquat eingsetzt werden. Natürlich werden sie das nicht und natürlich kürzt das Land die Zuschüsse pro Student. Wie blauäugig muss diese Autorin sein. Wahrscheinlich sehr, dann was sie hier als wirtschaftlich sinnvoll anpreist, sollte man eher volkswirtschaftlichen Unfug nennen!

  6. 6. edit?

    Liebe Zeit, wo versteckt ihr hier eigentlich die edit-Funktion?

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