Sparzwang Rettet die Bücher!
Weil Klöster und Orden sparen müssen, verkaufen sie ihre kulturhistorisch wertvollen Büchersammlungen. So manches Exemplar landet bei E-Bay
Die Katholische Universität (KU) Euchstätt-Ingolstadt warf kürzlich sogar über 100.000 wertvolle Bücher in den Müll. Sie gehörten zu einem Bestand von etwa 420.000 Bänden, welche der KU vor Jahren von der Zentralbibliothek der Kapuziner in Altötting überlassen worden waren. Die Eichstätter Bibliothekare sortierten aus - offenbar jedoch ohne die nötige Sorgfalt, denn unter den vernichteten Büchern waren viele von hohem kulturhistorischen Wert. Mittlerweile beschäftigt der Fall sogar die Ingolstädter Staatsanwaltschaft.
Anderswo werden die historisch wertvollen Bände zwar nicht gleich weggeworfen, gelangen aber in den Handel. "Man kann davon ausgehen, dass im Jahr zwei, drei Klosterbibliotheken verkauft werden, ohne dass jemand davon erfährt", sagt Klaus Graf, Geschäftsführer des Aachener Hochschularchivs.
Denn die Klöster und Orden müssen sparen. Aus der Sicht der Arbeitsgemeinschaft Katholisch-Theologischer Bibliotheken ist das eine große Gefahr für ihre wertvollen Büchersammlungen. Altbestände würden allzu schnell abgegeben, zusammenhängende Sammlungen zerschlagen, sagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Jochen Bepler. Die Vereinigung berate zwar Orden, die ihre Bibliotheken auflösen müssten, dringe aber nicht immer zu den Entscheidern durch.
So sollen zum Beispiel auch Bücher aus dem Redemptoristenkloster Geistingen in Hennef (Rhein-Sieg-Kreis) bei E-Bay verkauft worden sein, als das Kloster 2006 aufgelöst wurde - und dies, obwohl die Kölner Universitätsbibliothek den kostbaren und großen Altbestand nach eigenen Angaben gerne übernommen hätte.
Das ebenfalls im Rhein-Sieg-Kreis ansässige Kloster Walberberg hat eine andere Lösung gefunden. Die Dominikanerniederlassung wird zwar Ende des Jahres aufgelöst, ihre wertvolle Büchersammlung aber soll dauerhaft für die Öffentlichkeit erhalten werden. Die rund 156.000 Bände bleiben im Besitz der Dominikaner und werden von der Diözesanbibliothek Köln komplett übernommen.
"So was wie in Eichstätt wird nicht vorkommen", versichert Hans Albert Gunk, Leiter der Dominikanerprovinz Teutonia. Auch in der Nachbarprovinz Süddeutschland/Österreich wird ein Verkauf der Bücherbestände ausgeschlossen. "Das, was da ist, ist unveräußerlicher Dominikanerbesitz", heißt es aus dem zuständigen Provinzialat in Augsburg.
Eine der größten Ordensbibliotheken Deutschlands befindet sich in der Benediktiner-Erzabtei Beuron (Kreis Sigmaringen). Für die Bücher der Benediktiner sieht der Leiter der Beuroner Bibliothek Erzabt Theodor Hogg "keine Gefahr". Sollten Klöster aufgelöst werden, gingen die Bände in die Bibliotheken anderer Ordensniederlassungen über, sagt er.
Die deutschen Jesuiten wiederum bewahren ihre Bestände, die teilweise bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen, in ihrem Archiv in München, der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main oder in ihren Kollegien auf. "Und solange die Häuser, zu denen die Bibliotheken gehören, existieren, werden sie von den Ordensleuten oder durch angestellte Bibliothekare betreut", sagt Clemens Brodkorb, Archivar der deutschen Provinz der Jesuiten. Der Bestand aufgelöster Häuser werde an neu gegründete Ordenshäuser übergeben, sofern diese nicht schon eine andere alte Bibliothek besitzen.
Für Orden, die ihre Bibliothek allein nicht mehr erhalten können, ist nach Einschätzung der Deutschen Ordensobernkonferenz eine Kooperation mit einer Hochschulbibliothek "keine schlechte Lösung". "Vorausgesetzt die Bücher werden dann auch pfleglich behandelt", fügt DOK-Pressesprecher Arnulf Salmen mit Blick auf die Vorgänge in Eichstätt hinzu.
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- Datum 07.03.2007 - 03:47 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa,
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