Karriere Präsidentin ohne Titel

Vera Dominke ist auch ohne höhere akademische Weihen in Oldenburg Hochschulpräsidentin geworden - und in ihrem Job ziemlich allein unter Männern.

Auf dem „21. Oldenburger Rohrleitungsforum“ war Vera Dominke eine der wenigen Frauen. Doch ohne sie wäre die männlich dominierte Veranstaltung gar nicht möglich gewesen: Dominke ist seit dem vergangenen Jahr Hochschulpräsidentin der Fachhochschule Oldenburg-
Ostfriesland-Wilhelmshaven (FH OOW), die das Forum veranstaltete. Und als Hochschulpräsidentin ist Dominke in etwa so ungewöhnlich wie eine Frau in der Rohrleitungsbranche - zumal die 53-jährige Juristin weder promoviert noch habilitiert ist. Nach dem Jura-Studium in Göttingen hätte sich das zwar „gut gemacht“ und sie wäre auch gerne der erste „Dr.“ in ihrer Familie geworden, aber es ergab sich einfach nicht. „Ich war BAFöG-Studentin und musste nach dem zweiten Staatsexamen schnellstens Geld verdienen."

Eine Hochschulpräsidentin, zumal ohne Doktortitel, ist in Deutschland ungewöhnlich. Der Weg in die Hochschulleitung führt in den meisten Fällen über eine Professur, Männer bekleiden etwa 85 Prozent der Posten. Zwar sind laut Statistischem Bundesamt inzwischen über 50 Prozent der Hochschulabsolventen in Deutschland weiblich, doch bei der Promotion liegt der Frauenanteil nur noch bei 40, bei der Habilitation gar nur noch bei 23 Prozent. Auch suchten sich Professoren gerne „ihr jüngeres Selbst“ wenn es darum geht, Nachwuchskräfte zu fördern, sagt Andrea Löther, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Wissenschaft und Frauen in Bonn. Selten scheinen sie dies in einer Frau zu finden.

Mit männlichen Netzwerken hat auch Vera Dominke ihre Erfahrungen gemacht. Seit Ende des Studiums arbeitet sie überwiegend in männlich dominierten Bereichen. Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst bei der Bezirksregierung Hannover, bevor sie 1982 zur Deutschen Bundesbahn wechselte. Zwischen 1985 bis 1998 war sie in der Niedersächsischen Staatskanzlei, im Frauenministerium und am Landesrechnungshof tätig. Von 2002 bis 2005 saß sie für die CDU im Deutschen Bundestag, wo sie sich auch mit dem Thema „Frauen in Führungspositionen in Wissenschaft und Forschung“ beschäftigte.

„Männer grenzen ihre Zirkel deutlicher ab“, sagt sie. „Mal eine Frau dazwischen zu haben, das ertragen sie, aber wenn es zu viele werden, sehen sie Machtpfründe davonschwimmen. Sie schließen sich zusammen und daran scheitern Frauen dann.“ Vera Dominke hat das selbst so erlebt. In den neunziger Jahren war sie schon einmal Präsidentin der Oldenburger Fachhochschule und musste nach weniger als zwei Jahren gehen. 1999 wurde sie als „Sonderbeauftragte“ ins Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur versetzt, dafür macht sie ihre damaligen männlichen Kollegen verantwortlich: "Da hatten im Hintergrund ganz eindeutig auch männliche Kollegen ihre Finger im Spiel." Auch daran, dass sie bei der letzten Wahl nicht wieder für ein Bundestagsmandat nominiert wurde, sind ihrer Auffassung nach männliche Netzwerke schuld: „Einige Männer waren der Meinung, eine Frau reiche erstmal, es müssten wieder Männer ran."

„Aber so etwas stählt“, sagt sie entschlossen. Vera Dominke ist eine Frau, der man anmerkt, dass sie sich immer hat durchsetzen müssen. Ihr Händedruck ist fest, Verzögerungen kann sie nicht leiden und wenn sie von den Rückschlägen in ihrer Karriere spricht, dann wirkt sie nicht etwa enttäuscht oder resigniert, sondern angriffslustig.

Dass sie jetzt, sieben Jahre später, wieder Präsidentin der Hochschule ist, führt sie auch darauf zurück, dass es in der Hochschulleitung stärker auf Verwaltungsqualitäten ankommt, weniger auf wissenschaftliche Fachkompetenz. Sie findet, dass die Hochschullandschaft mehr Frauen in Führungspositionen braucht: „Gerade die Frauen unter den Studierenden brauchen Vorbilder. Außerdem haben Frauen oft ein anderes Hierarchiedenken, mehr Fingerspitzengefühl und sind damit oft erfolgreicher.“

Dominke hingegen hat sich auch ohne höhere akademische Weihen durchgesetzt. Nur ihre heute 23-jährige Tochter, die sie mit Hilfe ihrer Eltern großzog, litt unter der Situation. Bei einer gemeinsamen Kur, als die Tochter sechs Jahre alt war, habe man sich erst aneinander gewöhnen müssen, sagt sie. „Mir hat das immer sehr leid getan, aber ich habe versucht, sie an meinem Beruf teilhaben zu lassen.“ Es gebe eben keine absolute Trennung mehr zwischen Beruf und Familie.

Vom Balkon ihres Büros hat Vera Dominke ihre Hochschule im Blick. Ein bisschen stolz wirkt sie, wenn sie zeigt, wo sich welche Gebäude befinden. „Noch fünf Minuten, dann ist wieder Sitzung. Wir machen Finanzen“, sagt sie, rollt mit den Augen und zieht noch ein letztes Mal an ihrer Zigarette. Auf in den Kampf.

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Leser-Kommentare
  1. Ob die Gründe für die Hürden in der Karriere von Frau Dominke sich aus den patriachalen Machtstrukturen ergeben haben, vermag ich nicht zu beurteilen. Wenn dies so wäre, wäre dem in aller Entschiedenheit entgegenzuwirken. Doch: Dies auch für die Begründung des fehlenden weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs heranzuziehen, ist in meinen Augen absolut unzulässig. Kommt eigentlich jemand auf die Idee, dass dies unter Umständen durchaus andere Gründe haben kann, die nichts mit der dummen Sichtweise zu tun hat, dass die bösen Männer den armen Frauen die Karrieren verstellen? Ein sehr naheliegender fällt mir dabei sofort ein: Die Familienplanung wird gerade dann akut, wenn die wissenschaftliche Karriere (mit einer möglichen Habilitation) in die kritische Phase kommt. Klar, Familienplanung liegt in der Verantwortung beider Elternteile und der Mann kann sich ja auch um die Erziehung kümmern. Dass die Gesellschaft aber bislang noch nicht so weit ist, sieht man ja (auch an der leidlichen Diskussion über den Anspruch auf Kita-Plätze). Dies beweist aber nur, dass es nicht immer die "bösen" (und natürlich männlichen) Professoren sein müssen, die „ihr jüngeres Selbst“ suchen und somit den weiblichen wissenschaftlichen Ambitionen eine Grenze setzen, sondern dass vielmehr Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, die auf die erwähnten Bedürfnisse ein- und über oberflächliche Gendermaßnahmen hinausgehen.

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