Uni Göttingen Friede der Politikwissenschaft

Im vergangenen Jahr stand die Politologie an der Uni Göttingen zur Disposition. Jetzt pumpt die niedersächsische Landesregierung wieder Geld in das ungeliebte Fach. Ist aller Streit nun beigelegt?

An der Universität Göttingen tobte im vergangenen Jahr ein erbitterter Streit um die Zukunft der Politologie. „Krieg der Wissenschaftler“, titelte der Spiegel . Ziel der Universitätsleitung war damals, das Fach Politikwissenschaft abzuwickeln. Das provozierte massive Proteste, auch und gerade außerhalb der Universität: Schriftsteller, Verleger und Journalisten aus der ganzen Republik wandten sich in Resolutionen gegen den Uni-Chef Kurt von Figura. Dieser hatte die missliebigen Politikwissenschaftler „Feuilletonisten“ genannt, die man „ausmerzen“ müsse.

In Göttingen lehren prominente Politologen: etwa der Islamwissenschaftler Bassam Tibi sowie die Parteienforscher Peter Lösche und Franz Walter. Und tatsächlich meldeten sich die drei in den Feuilletons zu Wort. Und so wurde der Göttinger Uni-Streit erbittert über die Gremien und Medien ausgefochten. Auf dem Campus erzählt man sich bis heute, dass die Göttinger Universität wegen dieser harten Auseinandersetzung im Wettbewerb der Exzellenzinitiative unberücksichtigt blieb.

Doch nun scheint endlich Frieden einzukehren. Die Forschungsförderung für Walters Lehrstuhl wurde erheblich ausgeweitet. Insbesondere die niedersächsische Landesregierung bemühte sich darum, den oft provozierenden Wissenschaftler zu halten. Was etwas verwunderlich ist, hatte Walter doch den Protest gegen den Abbau seines Faches angeführt und galt der Forscher, der viele Bücher über die SPD geschrieben hat, nicht gerade als Freund der CDU-Landesregierung. Eine Trennung schien daher absehbar, zumal Walter lukrative Angebote erhielt, um Job oder Universität zu wechseln.

Walter bestätigte ZEIT online , in Göttingen bleiben zu wollen: „Wir haben für das Label der Göttinger Parteienforschung sehr lange gearbeitet. Es wäre blöd gewesen, dieses aufgeben zu müssen.“ Der Entschluss, in sein Institut zu investieren, imponiere ihm: "Wir gelten ja nicht unbedingt als Parteigänger der Koalitionsparteien."

Kommentieren wollte die niedersächsische Landesregierung die Personalie nicht, es hieß aber, Walter könne sich einer hohen Wertschätzung des Ministerpräsidenten sicher sein.

Ob der „Krieg der Wissenschaftler“ jetzt zu Ende ist, bleibt fraglich. „Freunde werden die beiden nicht mehr“, kommentierte ein Göttinger Universitätsangestellter das Verhältnis zwischen dem Universitätspräsidenten und seinem öffentlichkeitswirksamen Politologen.

Wie groß die Verbitterung immer noch ist, sah man in diesen Tagen, als sich Peter Lösche in den Ruhestand begab. Lösche weigerte sich, in den Räumen der Universität eine Abschiedvorlesung zu halten. Stattdessen lud er Freunde, Kollegen und Schüler privat in den Göttinger Theaterkeller. Offizielle Repräsentanten der Universität wollte er bei seiner Emeritierungsparty nicht dabeihaben.

 
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