Kooperation Elite aus Vietnam?
Deutsche Unis sind bei vietnamesischen Studenten beliebt - obwohl es kaum Stipendien und Austauschprogramme gibt. Hessen jedoch geht jetzt voran und gründet eine deutsche Universität in Hanoi
Mit ihrer Unterschrift besiegelten Hessens Wissenschaftsminister Udo Corts und der vietnamesische Erziehungsminister Nguyen Thien Nhan eine zukunftsträchtige Zusammenarbeit. In Hanoi unterzeichneten sie eine gemeinsame Absichtserklärung über die Gründung einer deutschen Universität in Vietnam. Dabei verwies Corts auf die traditionell guten Beziehungen seines Bundeslandes zu Vietnam, "das viel von der deutschen Bildung" halte.
Hessen rechnet bei der Gründung auf Unterstützung der Wirtschaft und will die Universität zudem über Studiengebühren finanzieren. Bundespräsident Horst Köhler, der während eines zweitägigen Besuchs in Vietnam bei der Unterzeichnung dabei war, sagte, ein solches Projekt sei eine «langfristige Investition» in die beiderseitigen Beziehungen. Deutschland müsse sich mit «intellektueller Neugier» in Ländern wie Vietnam aufstellen.
Diese Neugier beruht durchaus auf Gegenseitigkeit. Im kommunistischen Vietnam besteht Reisefreiheit, sodass es jährlich 30.000 jungen Menschen möglich ist, im Ausland zu studieren. Die meisten gehen nach Singapur, doch etliche haben den Wunsch, in Deutschland zu studieren. Deutsche Universitäten, zumal technische, sowie die dortige solide Ausbildung genießen immer noch hohes Ansehen in dem südasiatischen Land.
Doch einfach ist die Hochschulkooperation zwischen den beiden Ländern deshalb noch lange nicht. Ein Problem besteht in den strengen Visumsregelungen deutscher Behörden, für die Vietnam nach wie vor ein Migrationsland ist. Bis zur Erteilung der Einreise sind daher erhebliche Hindernisse zu überwinden. Dazu kommt, dass ein Viertel falsche Angaben bei der Visumvergabe machten, heißt es.
Doch Hanoi lässt sich davon nicht beirren und will den Anteil der in Deutschland studierenden Vietnamesen deutlich steigern. "Der globale Kampf um die grauen Zellen, um die klugen Köpfe ist längst im Gange", sagt Franz Xaver Augustin, Leiter des Goethe-Instituts in Hanoi. Die Elite, die Spitzenleute unter den jungen Vietnamesen, die als fleißig, talentiert und wissensdurstig gelten, würden immer häufiger von den Industrienationen abgeworben. Doch auch in dem boomenden Land selbst fehlen Fachkräfte, gesucht werden in erster Linie gut ausgebildete Manager, Techniker oder Ingenieure. Die Gründung der deutschen Universität in Hanoi ist für beide Seiten ein gutes Signal - für die Zukunft Vietnams und den Hochschulstandort Deutschland.
Doch dabei sollte man es nicht bewenden lassen. Der globale Wettbewerb um die besten Köpfe hat längst auch den Bereich der Studienförderung erreicht. Augustin schätzt, dass die Amerikaner jährlich 600 bis 700 Stipendien allein in Vietnam vergeben. Auch die Franzosen lägen nicht schlecht im Rennen: Sie liegen bei 200 bis 250. "Und selbst die Australier kommen auf 150 Stipendien pro Jahr." Deutschland dagegen vergebe gerade mal 10.
Außerdem fehlt es in Deutschland - anders als in den USA - an einer umfassenden Betreuung der ausländischen Studenten in Uni-eigenen oder Uni-nahen Einrichtungen. Ein 18- oder 19-jähriger Vietnamese verkraftet den «Kulturschock» in Deutschland ohne Unterstützung nicht, meint Augustin.
Ein Stipendium für einen jungen Vietnamesen bezifferte Augustin angesichts der günstigen Gebühren auf etwa 10.000 Euro im Jahr - etwas Taschengeld, Studentenwohnheim, Heimflüge. Allein wenn man von den 50 Millionen Euro deutsche Entwicklungshilfe für Vietnam jährlich zwei Prozent umwidmen würde, und dafür gebe es im Auswärtigen Amt durchaus Sympathien, könnte man 100 junge Spitzenleute im Jahr fördern. Es wäre zumindestens ein Beitrag zu einer aktiveren Elitezuwanderungspolitik nach Deutschland.
- Datum 29.05.2007 - 04:07 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Da werden den Studenten in Hessen Studiengebühren aufgedrückt und da drüben wird das Geld für eine Universität verschleudert.
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