WG-Leben Wohne lieber ungewöhnlichSeite 2/2

Eine lange Warteliste mit potenziellen Mietern hat auch das ehemalige Bezirksgefängnis im rheinland-pfälzischen Landau, in dem seit rund 15 Jahren Studenten leben. Das Gebäude wird seit 1971 nicht mehr als Gefängnis genutzt und stand viele Jahre leer. Bis die Studenten einzogen. Die Zellentrakte sind erhalten geblieben und in kleine Appartements verwandelt worden. Dank der zugemauerten Türrahmen spürt man noch etwas Knast-Atmosphäre. An der Außenfassade sind sogar noch die Gitterfenster erhalten geblieben.

12,5 Millionen D-Mark hatte sich eine öffentlich-rechtliche Wohnungsbaugesellschaft den Umbau damals kosten lassen. Inzwischen ist das Studenten-Gefängnis in privater Hand. „Ob man jedoch als Privatmann so viel Geld in dieses Projekt investiert hätte, ist fragwürdig“, sagt ein Konzernsprecher. „Das Gefängnis ist vor allem ein Prestige-Objekt.“

Doch nicht nur Privatpersonen kommen auf die Idee, ihren sonst nicht nutzbaren Wohnraum an Studenten zu vermieten. Auch die Studentenwerke der Universitäten bedienen sich zunehmend ungewöhnlicher Immobilien, um günstigen Wohnraum bieten zu können. Vorreiter ist das Studentenwerk der Universität Osnabrück. Nach der Gründung der Universität im Jahr 1974 fehlten in Osnabrück günstige Wohnungen in Hochschulnähe. Schließlich kam die Idee auf, eine alte Fabrik zu restaurieren und in ein Wohnheim zu verwandeln. Der Vorschlag kam gut an, die Zimmer waren schnell vermietet. Und so blieb es nicht bei der alten Fabrik. Inzwischen kann man als Student in Osnabrück auf einem Bauernhof, in einem ehemaligen Wasserwerk oder in einem Gartenhaus wohnen. „Die Ideen liegen auf der Straße“, sagt Ursula Rosenstock vom Studentenwerk. „Alles ist möglich, man muss es nur wollen.“

Vorzeigeobjekt in Osnabrück ist ein ehemaliger Wachturm auf der Stadtmauer. Gelegen in einem idyllischen Park und in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Nobel-Hotel, ist das niedliche Fachwerkhaus wohl das kleinste Studentenwohnheim Deutschlands. Denn auf den 21 Quadratmetern, die sich über drei Etagen verteilen, ist Platz für genau einen Mieter. Mehr geht nicht. „Wir haben den verfallenen Wachturm damals für den symbolischen Preis von einer Mark erworben und wieder flott gemacht“, sagt Ursula Rosenstock. „Und unser Ehrgeiz, das Unmögliche möglich zu machen, hat sich inzwischen rumgesprochen.“ Rosenstock erhält regelmäßig Anrufe von Eigentümern, die ihre „Kummer-Immobilien“ an das Studentenwerk verscherbeln wollen. „Doch wir nehmen längst nicht alles und schaufeln uns ein Dollar-Grab“, sagt Rosenstock. „Wir brauchen Wohnraum in Hochschulnähe zu einem geringen Kaufpreis und mit geringen Umbaukosten, damit wir die Mieten für die Studenten niedrig halten können. Teure Wohnungen gibt es schließlich genug.“

Besonders günstigen Wohnraum findet man auf dem Campus der Universität Mainz. Hier leben rund 25 Studenten in einer Bauwagensiedlung. Die Stromversorgung ist spärlich, eine Heizung gibt es nicht. Geht im Winter mal der Holzofen aus, dann wird es richtig kalt. Geduscht wird draußen, alle Bewohner nutzen einen Toilettenwagen sowie eine Gemeinschafts-Telefonzelle. Miete braucht niemand zu zahlen, sondern lediglich die Nebenkosten. 40 Euro im Monat zahlt zum Beispiel die Soziologie-Studentin Carolin Glaser. „Das Geld reicht für Wasser und Strom. Und ab und zu brauchen wir auch mal ein neues Sägeblatt für das Holz.“

Auf eine eigene Wohnung mit Badewanne, Balkon und Besendienst im Treppenhaus hat Carolin gar keine Lust. Und auch Fabian Schäfer plant nicht, vor Ende seines Studiums aus dem Ex-Bordell in Münster wieder auszuziehen. „Warum auch?“, fragt er. „So eine Wohnung bekomme ich nie wieder.“

 
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