Studentencorps Cocktails, Schmiss und Pickelhaube
In Greifswald geben sich die sonst als verschlossen geltenden Studentenverbindungen volksnah und werben mit feucht-fröhlichen Partys um Nachwuchs.
Jedes Semester bietet sich Greifswalder Studenten der gleiche Anblick. Auf den Tischen der Mensa, einem Plattenbauwürfel aus realsozialistischen Jahren, liegen in den ersten Tagen des Semesters die üblichen Flyer: Recyclinggraue Papierzettel von allen möglichen alternativen Projekten und die originell gestalteten Postkarten des Literaturzentrums. Wie immer, könnte man meinen, doch diesmal ist etwas anders: Das Leuchten der auf Hochglanzpapier gedruckten Einladungen von Studentencorps und Burschenschaften sticht aus dem grafischen Wirrwarr hervor. Mit filigranem Layout laden die sonst eher öffentlichkeitsscheuen Greifswalder Verbindungen ihren potenziellen Nachwuchs zu Kennenlernparties ein.
Offensichtlich sind die Corpsbrüder und Burschen mit den Methoden modernen Marketings mittlerweile bestens vertraut. So gibt beispielsweise das „
Corps Guestfalia
“ eine „Westfalenparty“, der schicke Flyer ist einem Flugticket nachempfunden. Das Motto der Party lautet: „Air Guestfalia – there is no better way to party.” Die Verbindungen geben sich hip und cool, Spaß steht an erster Stelle. Die Ideologie kommt erst zu späterer Stunde.
Der Abend im Verbindungshaus der „Guestfalen“ beginnt wie versprochen: Am Eingang steht ein Check-In-Schalter, dahinter sitzt ein Corpsstudent in Fliegerjacke und neben ihm eine Stewardess mit NASA-Emblem. „Das Wichtigste ist Spaß haben!“ sagt sie lächelnd. Der Saal des Verbindungshauses, wo sonst Bier getrunken und traditionelles Liedgut gesungen wird, heißt heute mottogerecht „Airport Lounge“, mit Tresen und DJ-Pult im Airbus-Design.
Die meisten hier tragen Poloshirts von Lacoste mit aufgestelltem Kragen oder adrette Anzughemden. Nur einer der Corpsbrüder fällt aus dem Rahmen, er hat sich als Terrorist verkleidet und tritt in Camouflage auf. Die Damen haben sich allesamt in Schale geworfen, eine Pharmaziestudentin erklärt, warum: „Viele Frauen reißen sich um die Verbindungsmänner und sind stolz darauf einen an Land gezogen zu haben. Aus denen hier wird schließlich mal was!“
Ansonsten scheint es einfach nur eine Party mit Dresscode zu sein, wo sich die Kinder von Besserverdienenden selbst feiern. Wären da nicht konspirativ dreinschauende Männer, mit farbigen Bändern um die Brust, die durch den Saal laufen, um männlichen Nachwuchs zu werben. Im Fachjargon heißt es: „Füchse keilen“. Sie sprechen vor allem die Erstsemester an: Ob man nicht Lust hätte, mal unter der Woche vorbeizukommen. Oder ob man nicht zu den Partys diverser anderer Corps, Burschen- oder Turnerschaften kommen wolle? Eins versprechen sie alle: Freibier.
Mit ihrer Feier, so die „Guestfalen“, wollen sie „eventuelle Vorurteile abbauen“. Mag sein, dass die Mitglieder der liberal ausgerichteten, nichtschlagenden Verbindungen mit dem Archetypus des schmissverzierten, rechtskonservativen Burschen nur wenig gemein haben. Beim „Corps Guestfalia“ ist das Schlagen aber immer noch Pflicht, wenn jemand zum Corpsbruder aufsteigen will. Neumitglieder müssen sich mit dem „Glockenschläger“, einer Hiebwaffe, empor fechten und notfalls „den Kopf hinhalten“, daher auch das Sprichwort.
Diese martialische Tradition will nicht so recht zu der Szenerie des Abends passen. An den Wänden der „Airport Lounge“ finden sich in regelmäßigen Abständen die Poster wieder, die für den Abend werben. Sie stehen im Kontrast zu den vielen schwarz-weißen Fotografien, die an den Wänden hängen. Ein ganz besonderes findet sich im sogenannten „Chill-out-room“, dessen Pforten sich jedoch erst zum Ende des Abends hin öffnen. Es stammt von 1924, in der Mitte seiner Corpsbrüder präsentiert sich ein Verbindungsmann stolz mit militärischen Orden und Pickelhaube. Seine Augen blicken auf den Waffenschrank auf der anderen Seite des Raumes. Darauf thront ein ausgestopfter Fuchs, dekoriert mit dem grün-weiß-schwarzen Band der Verbindung. Auf der Couch daneben sitzt ein Corpsbruder, dessen weißes Hemd mit alten, gut konservierten Blutflecken übersäht ist – „no better way to party“? Wirklich nicht?
Zu fortgeschrittener Zeit tritt der martialische „Corpsgeist“ hervor, den die schöne Fassade nun nicht mehr verbergen kann. Das bizarre Bild komplettiert eine Studentin, die ein Verbindungsband im Dekolleté trägt. Lächelnd sagt sie: „Die Räume sind ja ganz hübsch gestaltet. Die eigentlichen Accessoires des Abends sind aber wir Frauen!“
Weit nach Mitternacht ist die „Westfalenparty“ noch voll im Gange, jedoch sind viele Gesichter schon deutlich vom Alkohol gezeichnet. Der potenzielle Nachwuchs hat die Veranstaltung zu dieser Zeit längst verlassen. Nur wenige werden sich bei den „Guestfalen“ melden. Dennoch heißt es: nach der Feier ist vor der Feier, denn das nächste Semester kommt bestimmt.
- Datum 16.07.2007 - 05:43 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE,
- Kommentare 5
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dieser erfahrungsbericht speist sich zwar nicht aus rein kritischem betrachten, aber ist gerade deshalb eine bereicherung. ich gebe es ganz ehrlich zu: ich wollte schon immer wissen wie solche partys ablaufen, aber es selbst zu probieren wäre für mich wie der kauf der BILD-zeitung: das geht einfach nicht. (davon abgesehn passe ich auch nicht auf cocktailpartys)
in greifswald werden die burschis zum glück eher argwöhnisch beäugt. zwar wird gern so getan, als hätte man tradition, aber man merkt doch recht deutlich, dass sie eigentlicht nichts zu melden haben. daher auch ein wenig mitleid für die beschriebene pharmaziestudentin. sie sollte sich vielleicht auch wieder dem pharmazeutischen partybus widmen *rolleyes*...
Sehr geehrte Damen und Herren von der Internetredaktion der Zeit.
Als Student der Universität Greifswald und Mitglied der in Ihrem Artikel "Cocktails, Schmiss und Pickelhaube" hauptsächlich behandelten Studentenverbindung Corps Guestfalia freue ich mich zwar, daß wir die Aufmerksamkeit der Presse auf uns ziehen konnten.
Andererseits bin ich etwas erstaunt über folgende Punkte:
1. Zum einen sollte es der Campusredaktion als gutinformierte, professionelle Redaktion doch bekannt sein, daß Burschenschaften und Corps -wie das meine- zwei unterschiedliche Formen von Studentenverbindungen darstellen und essentielle Unterschiede bestehen. Weshalb schon die Sparte "Burschenschaften" auf ihrer Website schlicht falsch ist. Sie müsste "Studentenverbindungen" heißen. Das zeigt daß die Redaktion bzw. die Verantwortlichen für diese Aufteilung sich nicht mal rudimentär mit dem Thema Studentenverbindungen befasst haben.
2. Desweiteren sind Ihrem Reporter große Fehler bei seinem Artikel unterlaufen.
Diese Irrtümer hätten leicht durch ein Gespräch mit mir oder einem meiner Corpsbrüder aufgeklärt werden. Selbst eine einfache Internetrecherche durch ihn hätte da schon eminent weitergeholfen. Offensichtlich wählte der Reporter aber den Weg, seine eigene Phantasie zu Rate zu ziehen.
Er hätte nach gründlicher Recherche z.B. in Erfahrung bringen können daß die Kösener Corps, zu denen das Corps Guestfalia gehört, als "Corpsgeist" keineswegs irgendwelche martialischen Ideale haben, sondern die Prinzipien Toleranz gegenüber allen Religionen, Rassen und Weltanschuungen hochhalten. Und politische Neutralität Grundsatz ist.
Diese Punkte werden bereits durch die Konstitution unseres Dachverbands festgeschrieben.
Er hätte z.B. weiter in Erfahrung bringen können daß wir in unserem und anderen Corps gleichgestellte Vertreter zumindest dreier Weltreligionen haben. Der größte Teil sind auf Grund der demographischen Verhältnisse unter den deutschen Studenten natürlich protestantische und katholische Christen, aber auch Juden sind Corpsstudenten.
Und ich selbst bin wie auch andere Corpsstudenten Moslem.
Unter den Kösener Corpsstudenten finden Sie neben Bürgern der Bundesrepublik auch Angehörige anderer europäischer Nationen sowie Asiaten, Amerikaner und Afrikaner.
Er hätte erfahren, daß wir unsere Parties tatsächlich nur veranstalten, weil wir gerne feiern und Spaß haben. Abgesehen davon, daß es zur Tradition ganz speziell unserem Corps gehört, Veranstaltungen wie Parties, Vorträge und Bälle zu organisieren, um den Studentenalltag zu bereichern.
Und nicht um neue Mitglieder anzuwerben. In den drei Jahren meiner Zeit beim Corps Guestfalia haben wir nur einen einzigen Studenten durch eine Party kennengelernt und dann aufgenommen. Der wahrscheinlich auch sonst zu uns gekommen wäre, weil er sich als Osteuropäischer Austauschstudent im Fach Geschichte besonders für Studentengeschichte und -verbindungen interessierte.
Wenn wir tatsächlich so "marketingorientiert" wären wie es Ihr Reporter darstellt würden wir die Parties nach so einer "schlechten Quote" mit dem Anwerben als unser angebliches Ziel wohl kaum noch durchführen.
Auch unterliegt er einem Irrtum, daß wir irgendetwas Martialisches zu verbergen hätten.
Jeder kann sich leicht über uns und alle anderen Verbindungstypen über die einschlägigen Medien informieren. Wir haben nichts zu verbergen und wollen das auch nicht, sondern stehen jeder Frage offen gegenüber. In jeder Hinsicht, auch was das Fechten angeht.
Hätte er sich außerdem bei einem unserer Mitglieder erkundigt was es mit dem "Pickelhauben-Bild" auf sich hat, hätte ich oder andere ihm seine Bedeutung erklären können. Denn der von ihm auf dem Bild von 1924 erwähnte Herr mit der Pickelhaube ist für die bei diesem abgebildeten Ereigniss von allen abgebildeten Corpsstudenten -übrigens mehrerer verschiedener Corps- gewählte Leiter eines Stammtischs. Daß er dabei eine Pickelhaube und Orden trug war ein Scherz der die militärische Tradtion der Kaiserreichs in dieser Runde ironisieren sollte.
Also eben kein Zusschaustellen eines geschätzten Militarismus!
So dagegen hat der Autor nur seine persönlichen Eindrücke in einen Artikel einfließen lassen und große Lücken zwischen den Tatsachen und seiner Meinung entstehen lassen, ohne dies dem Leser sichtbar zu machen.
Und der größte Witz -ich will es mal als Witz bezeichnen, obwohl es einfach ein Lüge ist-: wir tragen keine blutbespritzten Hemden -oder anderweitig verschmutzte Kleidungsstücke- noch legen wir verstärkt Wert darauf, daß man sieht daß wir beim Fechten evtl. verletzt werden. Würde sich jemand bei uns auf dem Haus so präsentieren, würde er sofort herausgeschmissen.
Die reißerisch als "gut konservierten Blutflecken" bezeichneten Flecken entstanden -falls es sie überhaupt gab- wahrschenlich im Verlauf des Abends durch die konsumierten Getränke.
Schon dieses Detail beweist die mindere Qualtität des Artikels.
Andere Fehler machen es sogar wahrscheinlich, daß ihr Reporter gar nicht an dem Abend zugegen war, sondern sich seinen Bericht mit Hilfe unserer Partyphotos und den Berichten anderer Besucher konstruiert hat.
Das würde auch die zahlreichen anderen Ungereimtheiten des Artikels erklären.
Das Detail mit dem blutbesprizten Hemd etwa bezieht sich höchstwahrscheinlich auf ein in dem angesprochenen Raum hängendes Photo aus den 20er Jahren des 19. Jahrhundert, auf dem ein Herr mit einem weißen, blutigen Hemd abgebildet ist.
Desweiteren den von ihm angesprochenen Waffenschrank, den wir nicht haben. Sondern nur eine kleine Vitrine in der ein einzelner, nie benutzter "Dekosäbel" liegt.
Und nebenbei trägt der ausgestopfte Fuchs ein grün-weiß-grünes Band, also auch hier ein Fehler.
Ergo: ein mangelhafter Artikel auf Express- oder Bild-"Niveau".
Ich dachte bisher Reporter wären gründlicher, um glaubhaft zu sein. Aber wenn dieser Reporter repräsentativ für ihre Veröffentlichungen ist, spricht das sehr stark gegen die Zuverlässigkeit ihrer Onlineausgabe.
Ich hoffe, der nächste Artikel zu diesem Thema wird besser!
Beste Grüße
Danke dass ihr für die Neue Rechte wieder mal ein bisschen Promotion macht. Aber schön wie ihr das Frauenbild von den meisten Verbindungen anprangert. Nämlich indem ihr Frauen vorstellt, die ihren Eigen(fleisch-)wert als Accessoires erkennen und sich, vielleicht mangels eigener Befähigung, einen hippen elitären Rechtskonservativen (Wahrscheinlichkeit: hoch) suchen, weil aus dem was wird und aus einem selbst scheinbar nichts.
Weiter so Zeit. Dumm nur, dass Magazine wie eures daran schuld sind, dass Studenten heutzutage auf derlei Bauernfängerei herein fallen. Ich frage mich immer noch, warum es Zeit-Campus und nicht Bild-Campus heißt. Oder Brigitte-Campus, für unsere weiblichen Burschi-Fans.
Ebenfalls nochmals Danke, dass ihr der geistigen und sozialen Verrohung der Studenten nicht unbedingt im Weg stehen wollt. Elite für alle! Und jetzt erst mal ein Freibier...
erstmal danke das Du mit Deiner wichtigen und vor allem vorurteilsfreien Meinung, diese Kolumne bereichert hast, bravo!
Ich hoffe Dein Freibier hat geschmeckt und es hat Dich über Deinen frauenarmen Alltag hinweg getröstet.
Nun kannst wieder fröhlich anfangen alle anderen in Deiner Umgebung und natürlich den schlimmen bösen Medien, für die Verrohung um Dich rum, verantwortlich zumachen.
Ein kleinen Tip am Rande:
a) Verschone bitte Deine Mitmenschen mit Deiner (politischen) Meinung. ( Vor allem wenn Du über Dinge redest, von dennen Du offensichtlich keine Ahnung hast )
b) Informiere Dich das nächste Mal erstmal, bevor Du wieder vorschnell und unüberlegte Kommentare hinterlegst, es könnte erneut peinlich werden.
Der Beitrag der vor dir geschrieben wurde eignet sich zum Beispiel dafür ganz hervorragend, aber denn hast Du offensichtlich wenn überhaupt nur überflogen.
erstmal danke das Du mit Deiner wichtigen und vor allem vorurteilsfreien Meinung, diese Kolumne bereichert hast, bravo!
Ich hoffe Dein Freibier hat geschmeckt und es hat Dich über Deinen frauenarmen Alltag hinweg getröstet.
Nun kannst wieder fröhlich anfangen alle anderen in Deiner Umgebung und natürlich den schlimmen bösen Medien, für die Verrohung um Dich rum, verantwortlich zumachen.
Ein kleinen Tip am Rande:
a) Verschone bitte Deine Mitmenschen mit Deiner (politischen) Meinung. ( Vor allem wenn Du über Dinge redest, von dennen Du offensichtlich keine Ahnung hast )
b) Informiere Dich das nächste Mal erstmal, bevor Du wieder vorschnell und unüberlegte Kommentare hinterlegst, es könnte erneut peinlich werden.
Der Beitrag der vor dir geschrieben wurde eignet sich zum Beispiel dafür ganz hervorragend, aber denn hast Du offensichtlich wenn überhaupt nur überflogen.
erstmal danke das Du mit Deiner wichtigen und vor allem vorurteilsfreien Meinung, diese Kolumne bereichert hast, bravo!
Ich hoffe Dein Freibier hat geschmeckt und es hat Dich über Deinen frauenarmen Alltag hinweg getröstet.
Nun kannst wieder fröhlich anfangen alle anderen in Deiner Umgebung und natürlich den schlimmen bösen Medien, für die Verrohung um Dich rum, verantwortlich zumachen.
Ein kleinen Tip am Rande:
a) Verschone bitte Deine Mitmenschen mit Deiner (politischen) Meinung. ( Vor allem wenn Du über Dinge redest, von dennen Du offensichtlich keine Ahnung hast )
b) Informiere Dich das nächste Mal erstmal, bevor Du wieder vorschnell und unüberlegte Kommentare hinterlegst, es könnte erneut peinlich werden.
Der Beitrag der vor dir geschrieben wurde eignet sich zum Beispiel dafür ganz hervorragend, aber denn hast Du offensichtlich wenn überhaupt nur überflogen.
Es gibt nun einmal Menschen die ohne ein Feindbild nicht auskommen. Ein solches Idealbild sind nun auch einmal die "Burschis". Also, er soll schreiben, reden, denken was er will. Mit Fakten lässt sich ein Chris ohnehin nicht beeindrucken.
Es gibt nun einmal Menschen die ohne ein Feindbild nicht auskommen. Ein solches Idealbild sind nun auch einmal die "Burschis". Also, er soll schreiben, reden, denken was er will. Mit Fakten lässt sich ein Chris ohnehin nicht beeindrucken.
Es gibt nun einmal Menschen die ohne ein Feindbild nicht auskommen. Ein solches Idealbild sind nun auch einmal die "Burschis". Also, er soll schreiben, reden, denken was er will. Mit Fakten lässt sich ein Chris ohnehin nicht beeindrucken.
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