Sie recherchieren für Vorlesungen und Vorträge. Sie stellen Dossiers zusammen. Sie holen Wasser und kopieren. Studentische Hilfskräfte haben je nach Lehrstuhl viele Aufgaben. Ohne sie würden viele Professoren schier kapitulieren. Doch finanziell gewürdigt wird dies kaum. Die knapp 100.000 studentischen Hilfskräfte sind unterbezahlt und hatten lange Zeit keine Lobby. Doch seit Februar 2002 kümmert sich die Initiative "tarifini" um ihre Belange.

Auch dank guter Pressearbeit geriet tarifini Anfang des Jahres mit ihren Forderungen verstärkt in den Fokus der Aufmerksamkeit: eine angemessene Bezahlung, längerfristige Verträge und einen bundesweit einheitlichen Tarif wollten sie für ihre "Klientel" durchsetzen. Doch den großen Worten ("Die Arbeit eines Hiwis sollte als richtiger Job angesehen werden.") folgt nun die große Ernüchterung. Denn die Chancen zur Umsetzung der Ziele stehen schlecht.

Bildungspolitik und damit die Bezahlung der studentischen Hilfskräfte ist Ländersache. "Jedes Bundesland trifft seine eigenen Regelungen", sagt tarifini-Aktivist Christian Osinga. Und das werde auch so bleiben. "Den Willen, sich auf einen einheitlichen Lohn zu einigen, gibt es nicht."

Dabei wäre eine solche Einigung nach Meinung von Studenten und Gewerkschaftern dringend notwendig. So variiert der Stundenlohn nicht nur von Bundesland zu Bundesland, von 5,58 Euro in Schleswig-Holstein bis zu 10,98 Euro in Berlin, sondern die Kultusministerien differenzieren auch zwischen Universitätsmitarbeitern und den studentischen Hilfskräften an einer Fachhochschule. Diese verdienen in der Regel rund zwei Euro weniger.

Und da auch die Hochschulen ein Mitspracherecht haben, gibt es zusätzlich noch Tarifunterschiede innerhalb eines Bundeslandes. So zahlt die TU München 8,02 pro Stunde. Im knapp 180 Kilometer entfernten Passau werden dagegen nur 5,60 Euro gezahlt. Die Untergrenze im bayerischen Freistaat liegt derzeit bei 3,50 Euro in der FH Weihenstephan.

"Das ist eine total unbefriedigende Situation", sagt Diana Greim von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Mitinitiatorin von tarifini. Einen Hoffnungsschimmer sieht die Initiative derzeit lediglich für Nordrhein-Westfalen. Durch eine Änderung des dortigen Hochschulfreiheitsgesetzes sind die studentischen Hilfskräfte in der Zukunft bei den Hochschulen und nicht mehr beim Land angestellt. "Vielleicht kommen wir ja mit einem Appell an die Unis wenigstens zu einer NRW-weiten Lösung", so Christian Osinga. Besonders überzeugt klingt er aber nicht.

Trotz der schlechten Bezahlung, mangelndem Urlaubsanspruch und Nacharbeit im Krankheitsfall finden die Universitäten und Fachhochschulen immer wieder Studenten, die als Hilfskraft arbeiten wollen. "Das ist mir der gute Kontakt zum Professor wert", sagt die 22-jährige Eva Stark, Jurastudentin an der Universität Passau. Auch Elisabeth Richenhagen verspricht sich Vorteile für ihr Studium. "Ich bekomme so einen viel tieferen Einblick in das wissenschaftliche Arbeiten", sagt die 20-Jährige. Sie arbeitet sogar für zwei Professoren an der Universität Bonn und verdient mit acht Euro pro Stunde deutlich mehr als viele ihrer Kommilitonen.