Studiengebühren 269 Boykottstudenten exmatrikuliert

Rund die Hälfte aller Studenten der Hochschule für bildende Künste (HfbK) in Hamburg wird nach einem Gebührenboykott exmatrikuliert.

Der Gebührenboykott an der Hamburger Kunsthochschule ist gescheitert. HfbK-Präsident Martin Köttering teilte am Donnerstag mit, dass er nach einer «rechtlichen Feststellung» der Wissenschaftsbehörde gezwungen sei, 269 der 571 Studierenden von der Hochschule auszuschließen.

Diese hatten ihre Gebühren in Höhe von 500 Euro nicht an die Universität gezahlt, sondern auf ein Boykottkonto überwiesen. "Ihnen wird die HFbK am Montag, den 16. Juli 2007, die Exmatrikulationsbescheinigungen zusenden", heißt es in der Pressemitteilung des Präsidenten.

Köttering hält es für fraglich, "dass die Exmatrikulation das probate Mittel auf eine Zahlungsverweigerung ist". Deshalb werde er "die Möglichkeiten, die meines Erachtens in der Autonomie der Hochschule liegen, vollständig ausnutzen", um eine solche Massenexmatrikulation zu verhindern.

So verzichtet er auf eine "Anordnung zur sofortigen Vollziehung der Exmatrikulation" und gibt den Gebührengegnern eine weitere Chance: Sollten die Betroffenen bis Ende des Sommersemesters am 30. September doch noch zahlen, würden sie ohne weitere Voraussetzungen wieder immatrikuliert.

Der Uni-Präsident fürchtet um die Zukunft seiner Kunsthochschule: "Die Exmatrikulation ist ein gravierender Einschnitt", schreibt Köttering in der Pressemitteilung. "Die Folgen werden sowohl den künstlerischen Nachwuchs für die Metropolregion Hamburg als auch Studium und Lehre an der HFbK über Jahre maßgeblich beeinträchtigen."

Mit der Erhebung der Studiengebühren sei außerdem die Wettbewerbsfähigkeit der HFbK im bundesdeutschen Vergleich stark eingeschränkt, da andere renommierte Kunsthochschulen wie beispielsweise jene in Düsseldorf, Berlin, Frankfurt und Leipzig keine Studiengebühren erheben würden. Uni-Präsident Köttering: "Selbst im Vergleich mit den norddeutschen Kunsthochschulen sind erhebliche Wettbewerbsnachteile zu beklagen: außer in Braunschweig erheben auch Bremen, Kiel und Berlin keine Studiengebühren."

Nach Angaben der Hochschule sind 442 Kunststudenten immatrikuliert. 173 von ihnen hätten die 500 Euro an die Hochschule überwiesen, 269 hätten ihre Gebühren auf das Boykottkonto eingezahlt. Die HfbK ist damit bundesweit die einzige Hochschule, an der ein Boykott der Studiengebühren zu Stande kam.

 
Leser-Kommentare
  1. Das schmerzt, es ist soweit, Bildung mag sozial sein, wird aber nicht mehr sozial verteilt. 500 Euro Studiengebühren. Ich kann jeden verstehen, der sich dem sozialen Ungehorsam hingegeben hat und den Boykott unterstüzt. Und Hamburg, häufig als die schönste Stadt der Welt bezeichnet, will sich den Skandal leisten und über 250 Studenten exmatrikulieren. Damit schreibt sich die Hansestadt förmlich auf die Fahne "Bildung für alle, alle die es sich leisten können". Kritiker der Boykotteure, Unterstützer der Studiengebühren führen immer wieder an, dass in dem gelobten Land USA auch Gebühren fällig werden, noch viel höher als hier und vergessen dabei, dass auch deutsche Studenten ihre Bildung schon immer bezahlt haben, im Nachhinein, über ihre im Vergleich zu nicht-Studierten viel höheren Steuern, die in diesem Maße dafür in den USA völlig unbekannt sind. Jetzt bluten die Hamburger Studenten zweimal für ihre Bildung, mit Studiengebühren und Steuern.
    Ich selbst bin aus Hamburg weggegangen, für ein Studium, noch ohne Studiengebühren. Doch mit dem neuen Thüringer Hochschulgesetz sollen hier ab dem Wintersemester auch 50 Euro Verwaltungskostengebühr anfallen, zwar deutlich weniger als die 500 Euro Studiengebühren in Hamburg, aber doch Geld, dass wir nicht zu verschenken haben. 50% gehen direkt in die maroden Kassen des Landes, 50% an die Uni, um damit Verwaltung und Service zu bezahlen, der bislang für die Studenten kostenfrei war. Also kein Gewinn, keine Verbesserung der Lehre.
    Wir boykottieren! Über 1000 Studenten der Technischen Universität Ilmenau haben nicht gezahlt und verhandeln nun mit dem Land, in der Hoffnung, dass sich ein so kleiner Hochschulstandort wie Ilmenau es sich nicht leisten kann, den gleichen Fehler wie Hamburg zu machen.

  2. "Unterstützer der Studiengebühren führen immer wieder an, dass in dem gelobten Land USA auch Gebühren fällig werden, noch viel höher als hier und vergessen dabei, dass auch deutsche Studenten ihre Bildung schon immer bezahlt haben, im Nachhinein, über ihre im Vergleich zu nicht-Studierten viel höheren Steuern,..."

    @mathede,
    wunderbar! Dann werden also demnächst an deutschen Universitäten Eliten herangebildet, die endlich mal erkennen, daß hohe Steuern so ungefähr das Schlimmste sind, was man Bürgern antun kann.

    Dann könnte selbst den naivsten von ihnen klar werden, daß in ein jedes Geschäft vor dem Gewinn erst mal investiert werden muß. Das wiederum ist in den USA eine weit verbreitete Kenntnis, an der es hierzulande erheblich mangelt. Nicht wahr?

    • Hipper
    • 17.07.2007 um 22:22 Uhr

    Die schwarzen Khmer aus Hamburg haben wieder zugeschlagen....

    Welch Überraschung, dass die Strafexmatrikulation als erstes Geiseswissenschaftler - konkret Kunststudenten - getroffen hat.

    Welch`Überraschung, dass es - obwohl das "Spinning" und die dubiosen Argumente der Pro-Gebührenlobbyisten etwas anderes suggerierten - es im Endeffekt nur um eines geht: Geld, Kohle, Pinke, Moneten, Mammon

  3. @Hipper,
    aus Ihren Äußerungen muß man wohl entnehmen, daß es Ihnen eben nicht um "Geld, Kohle, Pinke, Moneten, Mammon" geht?

    Kann man davon ausgehen, daß Sie nach kostenlosem Studium neben Ihren Steuern auch noch eine Sonderabgabe an solche befürworten, welche nicht studieren konnten, gleichwohl es Ihnen aber via Steuern ermöglichten?

    • Hipper
    • 18.07.2007 um 13:31 Uhr

    Abgesehen davon, dass mein Studium nicht kostenfrei ist, habe ich über meine Steuern jahrelang auch den Ausbau des hiesigen Straßennetzes bezahlt, obwohl ich gar kein Autofahrer bin! Von allen Argumenten der Gebührenbefürworter, ist das „Steuerungerechtigkeitsargument“ wohl das unsinnigste und fadenscheinigste.

    Außerdem sollten wir hier nicht die Argumentationsebenen vermischen: Wir reden hier über STAATLICHE Institutionen ( Universitäten, Hochschulen ), die eine bestimmte gesellschaftliche Funktion erfüllen sollen – nämlich universitäre Bildung bereitzustellen! Anders gesagt: Die Existenzberechtigung und Zweck dieser Institutionen ist nicht die Gewinnmaximierung.

    Im Übrigen stünde es jedem frei, eine privatwirtschaftliche Bildungseinrichtung zu besuchen oder gar ein solches Institut zu gründen, in dem gegebenenfalls entsprechende Gebühren zu entrichten sind.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Rafael
    • 18.07.2007 um 13:37 Uhr

    Genau darum ist es auch nicht gesetzwidrig, für öffentliche Straßen Gebühren zu verlangen. Mit der LKW-Maut wird das bereits gemacht. Dass es noch keine allgemeine Strassenmaut gibt, liegt an der hohen Zahl von autofahrenden Wählern im Gegensatz zu studierenden Wählern. Es steht Ihnen ja frei eine Partei zu wählen, die sich für eine allgemeine Straßennutzungsgebühr ausspricht. Meine Unterstützung hätten Sie.Es gibt darüber hinaus bereits spezifische Gebühren für Autofahrer, wie die Benzinsteuer.

    • Rafael
    • 18.07.2007 um 13:37 Uhr

    Genau darum ist es auch nicht gesetzwidrig, für öffentliche Straßen Gebühren zu verlangen. Mit der LKW-Maut wird das bereits gemacht. Dass es noch keine allgemeine Strassenmaut gibt, liegt an der hohen Zahl von autofahrenden Wählern im Gegensatz zu studierenden Wählern. Es steht Ihnen ja frei eine Partei zu wählen, die sich für eine allgemeine Straßennutzungsgebühr ausspricht. Meine Unterstützung hätten Sie.Es gibt darüber hinaus bereits spezifische Gebühren für Autofahrer, wie die Benzinsteuer.

    • Rafael
    • 18.07.2007 um 13:37 Uhr

    Genau darum ist es auch nicht gesetzwidrig, für öffentliche Straßen Gebühren zu verlangen. Mit der LKW-Maut wird das bereits gemacht. Dass es noch keine allgemeine Strassenmaut gibt, liegt an der hohen Zahl von autofahrenden Wählern im Gegensatz zu studierenden Wählern. Es steht Ihnen ja frei eine Partei zu wählen, die sich für eine allgemeine Straßennutzungsgebühr ausspricht. Meine Unterstützung hätten Sie.Es gibt darüber hinaus bereits spezifische Gebühren für Autofahrer, wie die Benzinsteuer.

    • Hipper
    • 18.07.2007 um 14:51 Uhr

    Nein, ich habe kein Problem damit den Ausbau des Straßennetzes mitzufinanzieren! Dieses Beispiel war nur Metapher dafür, wie unsinnig das „Steuerungerechtigkeitsargument“ ist!

    Folgt man dieser obskuren Logik könnte man als „Nicht-Spaziergänger“ auch die Wiedereinführung des Wege u. Brückenzolls fordern oder eine Wiederbelebung des allgemeinen Wahlzensus ( Bindung des Wahlstimmrechts an Steuerzahlungen ) anstrengen. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass den Interessen, der oft beispielhaft angeführten „Krankenschwester“, sicherlich mehr gedient wäre, wenn ihr Sohn ( oder gar sie selbst ) gebührenfreien Zugang zu Hochschulbildung hätte, als durch imaginäre (!) steuerliche Entlastungen ihres ohnehin geringen Gehaltes!

    Aber hier geht es nicht um den Sinn des steuerlichen Umlageverfahrens oder um rhetorisches Geplänkel, sondern um Bildungspolitik. Wenn die Finanzierung der Bildung das Hauptproblem wäre, so frage ich mich, warum die Landesfürsten bei der Föderalismusreform vehement darauf bestanden haben, dass der Bund sich genau aus dieser Angelegenheit heraushält?

  4. @Hipper,
    es ist schon so: Jede Gebühr, jede Sreuer, jede Maut tut weh. Besonders dann, wenn nur ich und nicht auch der Nachbar sie zu tragen hat. Diese Befindlichkeit ist so alt wie die Menschheit. Ein schöner Beleg dafür, daß es "Gerechtigkeit" nicht gibt. Alle müssen eben nicht (nie) alles bezahlen.

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