Karrierewege "Immer lieber in die Kneipe gegangen"
Ralf Däinghaus, Geschäftsführer der Versandapotheke DocMorris, gilt als Enfant terrible der Apothekerbranche. Ein Gespräch über Quereinstieg, Karrierewege und darüber, was vom Studium übrig bleibt.
ZEIT Campus online : Herr Däinghaus, Sie haben Informatik studiert und führen heute eine Versandapotheke. Wie konnte das denn passieren?
Ralf Däinghaus : Mein Karriereweg passt sicher nicht in die gängigen Schemata. Im Studium habe ich die Leute immer sagenhaft bewundert, die sagten: ‚Mein erster Job ist Vorstandsassistent, dann mache ich dieses, danach jenes.’ Es gibt natürlich immer Menschen, die schon mit 20 wissen, wie sie ihre Karriere mit 60 beenden. Ich war immer ein Spring-ins-Feld und habe andere oft dafür beneidet, dass sie so stringent mit ihrem Leben umgehen. Ich bin lieber mit meinen Kumpels in die Kneipe gegangen. Im Nachhinein finde ich meinen Weg besser. Wenn ich einen Job angenommen habe, habe ich zwar immer darüber nachgedacht, wohin mich das bringt und was ich danach machen kann. Über den nächsten Schritt habe ich aber nie hinausgedacht, ich wollte mir immer alle Optionen offen halten.
ZEIT Campus online : Profitieren Sie in Ihrem heutigen Job noch von Ihrem Informatik-Studium?
Däinghaus : Wenig. Ich würde mich als technisch geschult bezeichnen. Für mich ist es wichtig, ein Studium beendet zu haben. Das ist bei mir jetzt 15 Jahre her und es ist mir nicht mehr so wichtig, was ich studiert habe. Wenn ich jetzt an die Qualen des Studiums denke, an das nächtelange Lernen und Keulen, dann ist die Erfahrung des Durchbeißens das Wesentliche, was ich erkennbar als Vorteil mitgenommen habe.
ZEIT Campus online : Was sagen Sie einem jungen Menschen, der sein Studium nach vermeintlichen Karrierechancen wählt?
Däinghaus : Ich denke, man sollte nicht gegen seine Neigung studieren. Betriebswirtschaftslehre zu studieren, weil einen das beruflich vielleicht am weitesten bringt, während das Herz aber für Germanistik oder Romanistik schlägt, das bringt nichts. Damit scheitert man garantiert. Wenn man nicht glücklich ist, dann bringt man niemals seine beste Leistung, das macht dann jemand anders. Etwas Mittelmäßiges kann man natürlich machen, wenn man damit zufrieden ist, der ewige Zweite zu sein. Mit dem Abschluss meiner Diplomarbeit habe dich die Programmiertätigkeit aufgegeben und mit meinem ersten Job dann auch die Tätigkeit als Informatiker. Das war natürlich eine individuelle Entscheidung, es hätte aber auch alles anders verlaufen können.
ZEIT Campus online : Im Studium entwickelt man idealerweise auch Fähigkeiten, die man transzendent anwenden kann.
Däinghaus : Als es mit DocMorris anfing, war das eine One-Man-Show. Da konnte ich viele Dinge aus dem Studium anwenden, und musste das ja auch. Organisationstalent gehörte dazu, und natürlich Durchhaltevermögen. Wenn man eine Firma gründet, braucht man viel Selbstvertrauen und darf sich nicht ins Bockshorn jagen lassen. Wer viel fragt, kriegt viele Antworten, vor allem solche, die einen zweifeln lassen.
ZEIT Campus online : Welche Vorteile und Nachteile haben Sie gegenüber Ihren Konkurrenten als Quereinsteiger?
Däinghaus : Ich habe mir meinen Job selbst gebastelt, denn Vorstandvorsitzender einer Versandapotheke kann man nicht werden, wenn es keine Versandapotheke gibt. Wenn man sich auf Stellen aus der Zeitung bewirbt, dann geht das eben nicht. Wenn ich Apotheker wäre, dann hätte ich mir meinen jetzigen Job wohl niemals träumen lassen. Mit einer so langen Ausbildung und der Konditionierung dadurch, dass man ständig unter seinesgleichen ist, wäre ich nie auf die Idee gekommen, solch einen eigentlich ungehbaren Weg einzuschlagen. Also konnte ich nur Quereinsteiger werden. Der Nachteil ist natürlich, dass es immer wieder an allen Ecken und Enden Menschen gibt, die mehr wissen als ich. Dann halte ich die Klappe und höre zu.
ZEIT Campus online : Viele Menschen in der Apothekerbranche können Sie ja nicht so gut leiden.
Däinghaus : Auf einer Apothekerkonferenz zu stehen und die durch meine bloße Anwesenheit bis aufs Blut zu reizen, das macht mir Spaß. Es ist immer gut, einen konstruktiven Streit zu provozieren, durch den man sich nach vorne bewegt und weiter kommt. Ich bin der Überzeugung, dass das was wir tun, volkswirtschaftlich gesehen absolut sinnvoll ist, und das ist für mich eine echte Motivation.
ZEIT Campus online : Können Sie sich vorstellen, noch einmal etwas anderes zu machen?
Däinghaus : Ich bin mit dem, was ich tue, extrem zufrieden und ich habe noch furchtbar viel zu tun. Einerseits gibt mir das eine große innere Ruhe, gleichzeitig bereitet mir der Gedanke, nicht gestern schon alles erledigt zu haben, Unbehagen. Zum Glück habe ich Leute, die dafür sorgen, dass ich die Dinge nacheinander tue. Ich möchte nichts anderes tun, ich möchte nicht einmal darüber nachdenken.
ZEIT Campus online : Was haben Sie in nächster Zeit noch vor?
Däinghaus : Ich möchte erreichen, dass der Gesetzgeber das Fremdbesitzverbot abschafft, also das Gesetz, das vorschreibt, dass nur ein Apotheker eine Apotheke besitzen darf. Und ich möchte natürlich die wirtschaftlich dominante Apothekenkette in Deutschland formen und führen. Das ist aber wieder etwas, was es nicht gibt, also muss ich das erst erschaffen. Und natürlich die Verantwortung dafür übernehmen, dass das ein wirtschaftlicher Erfolg wird.
Die Fragen stellte Meike Fries
- Datum 21.11.2007 - 03:40 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Warum verkauft ein "Enfant terrible", das so lange als Einzelkämpfer in der etablierten Apothekenwelt gegen Ecken und Kanten angelaufen ist, auf einmal seine Firma DocMorris an die etablierte Pharmagroßhandlung Celesio/GEHE und bleibt dann trotzdem Geschäftsführer bei DocMorris? Wie kann sich ein Ralf Däinghaus nach so langer Zeit als Alleinunterhalter den Interessen eines europaweit im Pharmasektor operierenden Unternehmens unterordnen?
Die Antwort ist so einfach wie Kofschmerztabletten kaufen.
1. Die klugen Käufer solcher Unternehmen wissen sehr genau, dass der Erfolg von der Unternehmerpersönlichkeit abhängt, die das Geschäft entwickelt hat. Die Weiterführung des Geschäftes durch den oder die Gründer ist oft eine "conditio sine qua non" beim Kauf.2. Geld stinkt nicht.3. Geld stinkt nicht.4. Geld stinkt nicht.
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