Die besten Uni-Absolventen als Aushilfslehrer an Problemschulen? Eine kleine Mannschaft in Berlin arbeitet derzeit daran, diesen Plan in die Realität umzusetzen.

Kaija Landsberg ist nervös. Besonders viele Interviews hat sie noch nicht gegeben. Bei ihren Antworten setzt sie ein, zwei Mal neu an. Doch die 28-jährige Berlinerin mit den Korkenzieherlocken und den graugrünen Augen wird sich wohl an Öffentlichkeit gewöhnen müssen. In diesen Tagen geht Landsberg nämlich mit einem Plan an die Öffentlichkeit, der ihr und dem von ihr vertretenen Verein "Teach First Deutschland" einige Aufmerksamkeit bescheren dürfte: Erfolgreiche Uni-Absolventen aller Fächer sollen als Aushilfslehrer an Problemschulen unterrichten.

Zusammen mit acht anderen Kollegen arbeitet Landsberg am genauen Programm dieser Initiative. Derzeit werden Gespräche mit vier Bundesländern geführt. Denn um Lehrer zu sein, muss man nicht in jedem Fall ein entsprechendes Studium abgeschlossen haben. So reicht in Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Hessen ein beliebiger Uni-Abschluss, um vorübergehend an Schulen unterrichten zu dürfen.

Vorbild für "Teach First Deutschland" sind ähnliche Programme in den USA und in Großbritannien. "Zum einen kann man auf diese Weise etwas zurückgeben von den eigenen Privilegien der guten Ausbildung, zum anderen kann man auch für die berufliche Karriere profitieren", wirbt Landsberg für ihre Idee.

Wenn man es ganz genau nimmt, ist es eigentlich gar nicht ihre Idee, sondern die von Wendy Kopp. Die Amerikanerin war gerade einmal 21 Jahre alt, als sie in ihrer Abschlussarbeit an der US-Eliteuni Princeton vorschlug: Top-Studenten sollten sich nach ihrer Uni-Ausbildung in den Dienst der Gemeinschaft stellen und zwei Jahre lang als Lehrer an Schulen in sozialen Brennpunkten unterrichten - unter dem Motto "Teach for America".

Was zunächst nach einem bloßen Gedankenexperiment klang, fand schnell wichtige Unterstützer. Mit 2,5 Millionen US-Dollar Startfinanzierung im Rücken konnten Kopp und ihre Kollegen im Jahr 1990 insgesamt 500 Lehrer in besonders benachteiligten Schulbezirken der USA an den Start bringen.

Mittlerweile ist "Teach for America" einer der zehn Wunscharbeitgeber amerikanischer Studenten. Im aktuellen Schuljahr fingen 2900 Neu-Lehrer - ausgewählt aus 17.000 Bewerbern - ihren Job an. Weitere 2100 kamen für ihr zweites Jahr an der Schule aus den Sommerferien zurück. Auch "Teach First", die britische Variante, verzeichnet einen Bewerberansturm auf die 300 verfügbaren Plätze.

Und nun also Deutschland. Ab dem kommenden Sommer wollen Kaija Landsberg und ihre Kollegen die ersten Interessenten werben. Der eigentliche Programmstart ist für den Herbst 2009 geplant. "Die ideale Kandidatin wäre zum Beispiel eine erfolgreiche Absolventin mit Migrationshintergrund", erklärt Landsberg. Außerdem wichtig seien neben dem Vorbildcharakter Empathiefähigkeit, eine Begeisterung für Bildung, Kommunikationstalent und Toleranz für Leute in allen Lebenslagen: "Man muss bereit sein, auf Menschen zuzugehen und sich zum Wohl der Schüler einzusetzen."