Studentenkampagne Mitbestimmung mit Monstern
Wenn es um die Wahlen zum Studentenparlament geht, ist die Beteiligung stets mäßig. An der Uni Hamburg sollen nette Monster und Bernd Begemann Interesse wecken.
Bernd Begemann geht mit seinen mittlerweile 45 Jahren kaum mehr als Langzeitstudent durch. Wenn es solche noch gäbe. Mit einer Gruppe von Studentenvertretern betritt der Liedermacher und Entertainer die Mensa im Philosophenturm an der Hamburger Uni. In der Hand eine Gitarre; an seiner Seite ein pelziges, grünes, undefinierbares Etwas auf zwei Beinen.
„Wir singen jetzt das Lied mit den Mellemen“, ruft er in die zur Mittagszeit vollbesetzte Mensa. „Möllemann? Der ist doch tot“, sagt ein verwirrter Student. Doch um Möllemann geht es hier nicht. Das grüne pelzige Etwas ist ein Mellemen, eine Art Cartoonmonster und das Maskottchen einer Kampagne der Verfassten Studierendenschaft der Uni Hamburg. Die Mellemen sollen Aufmerksamkeit wecken für die laufende Wahl zum Studentenparlament (bis 18. Januar 2008) und die Studenten an die Urnen bringen. Die Mellemen heißen so, weil der Hamburger Campus rund um den Von-Melle-Park liegt.
Die Gruppe stimmt ein Lied an, es heißt „Die Uni sind wir“, Bernd Begemann hat es für die Kampagne geschrieben. Die Gruppe singt „wir sind hier, um zu studieren, aber auch, um uns zu amüsieren und eventuell etwas Mieses zu reklamieren.“ „Das Konzert soll erst einmal verstören und Aufmerksamkeit wecken“, erklärt der AStA-Vorsitzende Torsten Hönisch, der auch mitsingt. Ein paar Mitstreiter verteilen derweil Mellemen-Buttons und Postkarten mit der Webadresse www.mellemen.de unter den Studenten, die so amüsiert wie irritiert sind von der spontanen Aktion.
Spätestens beim Besuch der Kampagnen-Website soll ihnen klar werden, um was es hier geht: Um Mitbestimmung an der Uni, darum, selbst etwas zu gestalten und die Uni nicht als Karrierestation zu betrachten, sondern als Lebensraum. Bestenfalls als einen, in dem man sich gerne bewegt. Bei 23 Prozent lag die Wahlbeteiligung bei den letzten Wahlen. Mit den Mellemen und Begemann sollen es nun ein paar Prozent mehr werden.
„Es ist schwierig, Studenten für Hochschulpolitik zu interessieren. Manchmal habe ich das Gefühl, die anderen sehen uns AStA-Leute als Freaks“, sagt Hönisch.
Ausgedacht hat sich die Kampagne der AStA gemeinsam mit einer Hamburger Agentur. Es gibt den Song und das Video , die Website und die vielen kleinen Mellemen. Sie sind putzige kleine Wesen, stilistisch eine Mischung aus Barbapapa und South Park. Jeder von ihnen hat einen eigenen StudiVZ-Account, jeder stellt einen Studententypen dar: Den Engagierten, der mit dem Verkehrsverbund über das Semesterticket verhandelt, den Angeber mit den reichen Eltern, das Partygirl - was es da alles so gibt.
Begemann läuft mit der Gitarre über den Campus. Der Mellemen läuft hinterher, ständig droht er, über seinen eigenen Pelz zu stolpern. Es geht rüber in die Mensa der Wirtschaftswissenschaftler. Dort das gleiche Spiel. Begemann nimmt die Gitarre, die Studentenvertreter und der Mellemen singen „Die Uni sind wir“ und wippen im Takt, die Studenten schauen von ihren Tellern auf. Der Auftritt kommt an, das Publikum legt das Besteck weg und klatscht.
Später, bei Schweinebauch und matschigen Kartoffeln, erzählt Begemann, dass er vor 15 Jahren zum letzten Mal hier in der Mensa war. „Ich habe immer am Rücklaufband gestanden und die Essensreste abgegriffen.“ Er war ja immer Künstler, studiert hat er nie. Die Rhetorik hat er trotzdem drauf. „Mit Dutschke konnte ich nie soviel anfangen, aber in einer Hinsicht bin ich mit dem Rudi voll auf einer Linie: Die Studenten müssen sich als handelnde Subjekte begreifen“.
Auf dem Tisch buhlen die DIN A4-Flugblätter in schwarz/weiß mit in Hochglanz bedruckten Postkarten um Aufmerksamkeit. Mit den Zielen der Kampagne kann sich Begemann identifizieren. „Vor zwanzig Jahren hat man der Jugend gesagt: 'Ihr seid das Salz der Erde.' Wenn ich heute den Fernseher anmache, sehe ich nur Dating- und Castingshows mit der Botschaft: 'Ihr seid nicht gut genug.' Es geht nur um Selektion. Das hier geht ein bisschen dagegen.“
„Die meisten Studenten haben kein Bedürfnis, sich mit Politik auseinanderzusetzen, man muss ihnen eben klar machen, was Politik mit ihnen persönlich zu tun hat", sagt Hönisch. "Wir würden uns schon über zwei, drei Prozent mehr Wahlbeteiligung freuen."
Begemann glaubt, dass das klappt. „Das hier, das wird der Relaunch der Studentendemokratie!“ ruft er über die Reste des Schweinebauchs hinweg.
- Datum 31.12.1899 - 01:00 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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DAS kann und darf nicht wahr sein. "Ally als beste Freundin möchte keiner missen. Sie ist sozial und humorvoll, eben eine richtige Kumpeline..." Is ja niedlich, putzig alles, ja, schön gut, aber dennoch finde ich das erschreckend. Ich würd ja nichts sagen, wenn das für ne Waldorfschule gemacht wäre, aber so...
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