Hoffnungslos überfüllte Grundschulen, miserable Unterrichtsqualität trotz oft hoher Schulgebühren und viel zu wenig weiterführende Schulen – die Bildungschancen im ostafrikanischen Uganda sind schlecht. Das stellten auch die beiden Rostocker Anke Dreier und Marcel Horning (beide 25) fest, als sie Anfang 2005 ein Praktikum an der Makerere Universität in der Hauptstadt Kampala absolvierten. Während ihres Aufenthalts besichtigten sie mehrere Schulen, und dann gab es zunächst diese Idee: Wie wäre es, wenn wir eine weiterführende Schule in Uganda gründen, eine, die Völkerverständigung und interkulturelles Lernen in den Mittelpunkt stellt und Eltern und Schülern Mitbestimmung zugesteht?

Zurück in Deutschland wuchs aus der Idee der Entschluss, das ehrgeizige Projekt in die Tat umzusetzen. Sie begannen mit der Planung, gründeten einen Verein und sammelten Geld. 60 Mitglieder aus ganz Deutschland zählt der Verein zur Gründung und Förderung der German Secondary School in Kampala/Uganda e.V.  mittlerweile. Anfang 2008 soll die Schule den Betrieb aufnehmen, die Basisfinanzierung ist gesichert.

Eine Schule gründen und gestalten, seine eigenen Überzeugungen von gutem Unterricht in die Praxis umzusetzen und nicht nur Dienstleister zu sein – "davon träumt doch jeder Pädagoge", sagt Anke, die ihr Lehramtsstudium mittlerweile abgeschlossen hat. Seit fünf Monaten ist sie mit Freund Marcel, der Sportwissenschaften und Germanistik auf Bachelor studierte, nun in Uganda. Fünf Jahre wollen sie bleiben. "Uns war klar: Wenn wir wirklich nach Uganda gehen, dann für längere Zeit. Wir wollen das Projekt nicht nur anstoßen, sondern auch auf den richtigen Weg bringen."

In Kampala angekommen, begannen die Schwierigkeiten: Über Monate suchten sie in der Hauptstadt nach einem geeigneten Gebäude, erfolglos. Im 35 Kilometer entfernten Entebbe wurden sie endlich fündig – und bald wieder enttäuscht. Der Mietvertrag war schon unterzeichnet, da stellte sich heraus, dass der Vermieter hochverschuldet ist und gar nicht mehr über den Landtitel verfügt. Die Arbeit eines Monats war zunichte gemacht. Nun soll die Schule Anfang 2008 in einem Gebäude eröffnet werden, das ursprünglich als Kindergarten konzipiert war. Weil es zu klein ist, taugt es nur als Übergangslösung. Nächstes Jahr, so der Plan, wollen sie bauen, das sei günstiger, als dauerhaft Miete zu zahlen. "Außerdem können wir dann selbst mehr gestalten", sagt Marcel.

Zurzeit suchen sie nach geeigneten Lehrern, richten das Schulgebäude ein und machen in Grundschulen Werbung für ihre Schule. Drei achte Klassen mit jeweils 30 Schülern sollen zunächst entstehen. Eine Eliteschule für Weiße soll es ausdrücklich nicht werden, auch wenn das manche wegen des Namens der Schule vermuten. "Wir planen eine Schule für ugandische Kinder, an der ugandische Lehrer nach den Lehrplänen des Landes unterrichten", sagt Anke.

Doch die Schule soll noch mehr bieten, zum Beispiel bilingualen Unterricht auf Deutsch und Englisch, ab Klasse zehn. Die Schüler sollen die Möglichkeit bekommen, das Deutsche Sprachdiplom I und II zu erwerben, um später vielleicht ein Studium in Deutschland aufzunehmen. Schüler- und Elterngremien werden in die Unterrichtsplanungen miteinbezogen, der Unterricht halbjährlich evaluiert, so das Vorhaben. Anke und Marcel hoffen, so demokratisches Denken und Handeln zu fördern. Außerdem sollen Schulpartnerschaften mit deutschen Schulen und ein Schüleraustauschprogramm den kulturellen Austausch zwischen den beiden Ländern beflügeln.