Engagement Klicken für Afrikas Schulen

Mit ihrer Suchmaschine Afroo.de sammeln fünf Studenten Spenden für UNICEF - der Benutzer zahlt dabei nicht einen Cent.

Wie kann man jeden Tag Geld spenden, ohne dafür tatsächlich sein Konto zu belasten oder in der Fußgängerzone das Portemonaie zu öffnen? In Zeiten des Internets ist dies ganz einfach: Afroo.de , ein karikatives Suchportal steht für die Kopplung von Klick- und Spendenraten. Die Seite besteht aus einem Google-Suchfenster und mindestens einem Werbebanner. Mit jedem Klick auf Afroo.de tut der Internet-Nutzer ganz nebenbei etwas Gutes, denn die Werbeeinnahmen gehen an das Projekt "Schulen für Afrika" von der Kinderhilfsorganisation UNICEF .

Die Idee stammt von Nikolaus von Hesler, einem 22-jährigen Jurastudenten aus Hamburg. Ein Artikel im Wirtschaftsmagazin Brandeins ließ den gebürtigen Berliner vor vier Jahren nicht mehr los und gab den Anstoß zu seiner Charity-Seite. "Ein dort beschriebener Pharmakonzern beschloss, einen festgesetzten Teil seines Gewinns an eine Initiative für krebskranke Kinder zu geben," erinnert sich von Hesler.

Zusammen mit seinem Berliner Schulfreund Hans Raffauf tüftelte er von da an der Frage, wie man Internetwerbung für einen guten Zweck nutzen kann. Die Idee einer gemeinnützigen Suchmaschine brachte das Projekt schließlich ins Rollen. Zusammen mit drei weiteren Freunden entwickelten Hesler und Raffauf schließlich Afroo.de, das Werbung mit Wohltätigkeit verbindet.

Motiviert wurde von Hesler bei der Gründung auch durch die eigene Erfahrung mit dem Elend, die der Berliner auf dem "vergessenen Kontinent" gemacht hatte: Er verbrachte ein Auslandssemester in Kapstadt. "Dort habe ich hautnah miterlebt, was Kinderarmut und der Unterschied zwischen Arm und Reich bedeutet. Viele Menschen müssen dort unter unwürdigen Zuständen auf kleinstem Raum zusammenleben." Erst eine allgemeine Grundbildung könne da etwas verändern.

Auch sein Freund Nico Heereman verbrachte eine Zeit lang in Afrika und sah in Kenia die Kinder begeistert in die Schule gehen. Dies bestärkte ihn, den Aufbau von Afroo.de immer weiter voranzutreiben.

In UNICEF haben die fünf Studenten einen zwar in letzter Zeit arg gebeutelten , aber dennoch etablierten Partner gefunden, der seit drei Jahren zusammen mit der Nelson-Mandela-Stiftung das Projekt "Schulen für Afrika" leitet. "Bisher konnte UNICEF über 350 Schulen neu bauen oder instand setzen. An weiteren fast 500 Schulen wurden Trinkwasseranschluss und Toiletten eingerichtet. Insgesamt profitieren schon rund 600.000 Kinder von der Aktion," sagt UNICEF-Spendenleiter Joachim Tomesch. In Angola, Malawi, Ruanda, Mosambik, Simbabwe und Südafrika plant die Hilfsorganisation gemeinsam mit der Regierung und den lokalen Gemeinden die Schulprojekte.

Die Erfinder von Afroo.de konnten UNICEF von einer Kooperation überzeugen: "Die Idee einer Charity-Suchmaschine fanden wir interessant - zumal sie von Studenten an uns herangetragen wurde, die das Konzept mit Engagement und Herzblut vorangetrieben haben. Hier stand also kein kommerzielles Interesse im Mittelpunkt," erinnert sich Joachim Tomesch.

Das Engagement der fünf trägt erste Früchte: Seit ihrer Gründung im September vergangenen Jahres wuchsen die Besucherzahlen auf Afroo.de an. Im Moment verzeichnet das Spenden-Quintett um die 4000 Seitenaufrufe täglich. Die Werbepartner, die dem Suchportal pro Klick einen kleinen Betrag überweisen, werden von den Gründern der Seite selbst gesucht und angeschrieben. Manche von ihnen schalten wegen der vielen Afroo.de-basierten Clicks auf ihre Seite ihre Banner mehrere Male und unterstützen somit nachhaltig das Projekt.

Eine ähnliche Strategie wie die junge Non-Profit-Organisation verfolgen auch andere Webportale: Xabbel.com oder clicks4charity.net bauen auf ähnliche Konzepte, die Werbung für den guten Zweck nutzen.

Innerhalb der vergangenen fünf Monate hat Afroo.de über eintausend Euro eingenommen und an UNICEF gespendet. Das reicht Nikolaus von Hesler und seinen Mitstreitern jedoch noch lange nicht. "Unser primäres Ziel ist es, 10.000 Euro zu sammeln, damit wir den Bau einer Schule in Afrika finanzieren können," sagt Hans Raffauf. Ein guter Anfang ist jedenfalls gemacht.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 11.02.2008 um 15:37 Uhr

    ...Ansonsten guter Artikel!

  1. meiner Meinung nach sollten mit dem Geld - nicht nur wegen den aktuellen Meldungen -lieber kleinere Hilfsorganisationen unterstützt werden.Da kann man sich sicher sein, dass nicht so viel Geld in der Verwaltung versickert oder gut bezahlte "Ehrenamtliche" es einstreichen.Mir fällt da zum Beispiel Gani-Dah e.V. (http://gani-dah.de/de) ein, ein Verein der den Ausbau einer Schule in Mali nach dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" unterstützt.Auch wenn vielleicht einige afroo.de nur besuchen, um ihr Gewissen zu beruhigen, ist das auch nicht schlimm. Die Kombination aus Beitrag zur Verbesserung des Zugungs zu Bildung und guter Suchergebnisse dank Google, ist gut. Und in Zeiten schneller Internetverbindungen und Flatrates machen die paar zusätzlichen Kilobyte für Werbung auch nichts aus (Yahoo ist da sehr viel überladener).Ich für meinen Teil werde Google.de durch afroo.de ersetzen.

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