Jura Sprechendes Recht

Fremdsprachige Jura-Lexika stehen massenweise in der Bibliothek. Ein Professor aus Münster hatte eine Idee: Sein Wörterbuch kann sprechen.

Die Zeiten, in denen sich Juristen ausschließlich in ihrem heimischen Recht auskennen mussten, sind lange vorbei. Insbesondere große Anwaltskanzleien arbeiten für Mandanten auf der ganzen Welt und müssen sich mit ausländischen Paragrafen gut auskennen. Peinlich wird es jedoch für die Anwälte, wenn sie mit der Aussprache von fremden Fachbegriffen nicht zu Recht kommen.

Ein amerikanischer Jura-Professor aus Münster schafft jetzt Abhilfe. Thomas Lundmark hat ein „Talking Law Dictionary“ geschaffen, das rund 30 000 Rechtsbegriffe auf Deutsch und Englisch enthält. Das Besondere daran: Das Wörterbuch kann sprechen. Lundmark hat hochrangige Juristen dafür gewonnen, die oft sperrigen Begriffe aufzusagen.

Und so kann man deutsche, englische oder amerikanische Richter auf einer CD-ROM hören, wenn sie zum Beispiel die Begriffe „Gesamtschuldnerausgleich“ oder „criminal court“ erklären. „Eine Marktlücke“, glaubt Lundmark und hat dabei insbesondere auch die Studenten im Blick. Denn internationales Recht sei an der Universität auf dem Vormarsch.

Recht und Sprache, das sind zwei Dinge, die dem US-Amerikaner im Blut liegen. Der 57-Jährige hat in seiner Heimat Kalifornien und in Schweden nicht nur Jura, sondern auch vergleichende Literaturwissenschaften studiert. „Die Literatur für den Geist und die Juristerei für den Geldbeutel“, wie er zugibt. Deutsche Sprache und deutsche Literatur haben ihn schon auf der High School fasziniert, später kam das deutsche Recht hinzu. Lundmark studierte ein Jahr in Freiburg, promovierte in Bonn und lehrte an verschiedenen Universitäten. Zwischendurch zog es ihn immer wieder zurück nach Kalifornien, um als Anwalt zu arbeiten. Vor zehn Jahren schließlich wurde der Jurist in Münster sesshaft. „Ich bekam eine Professur angeboten“, sagt Lundmark. „Damit fiel die Entscheidung, dauerhaft in Deutschland zu bleiben.“

Nicht zuletzt, weil er hier näher bei seinen drei Kindern sein kann, die in Rostock und Münster leben. Und auch die Arbeit an der Universität gefällt ihm besser. „Ich bin in der Wissenschaft besser aufgehoben als in der Praxis“, sagt der Jurist. Seine Leidenschaft sei eben die Rechtstheorie und das Verfassungsrecht, aber damit könne man als Anwalt nur wenig anfangen.

Dafür sollen nun aber Praktiker und Studenten mit seinem neuen Wörterbuch eine Menge anfangen können. „In der Idee steckt viel Herzblut“, sagt Lundmark. Er habe allein über 5.000 Arbeitsstunden in das Wörterbuch gesteckt, die Überstunden seiner Studenten, Mitarbeiter und Doktoranden nicht mitgezählt.

Mit einem Tonbandgerät unterm Arm ist Lundmark überall dorthin gereist, wo das Recht gesprochen wird, ganz gleich ob in London, Karlsruhe, Washington, Leipzig oder Den Haag. Auch die Stimme von Jutta Limbach, der ehemaligen Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, ist zu hören. Zu kaufen gibt es das sprechende Wörterbuch nicht nur in Deutschland, sondern auch in England oder in den USA. „Es ist ein internationales Projekt“, sagt Lundmark. „Deshalb habe ich Wert darauf gelegt, dass auch mein Verlag international aufgestellt ist.“

Der Amerikaner glaubt, mit seinem Wörterbuch ein bleibendes Werk geschaffen zu haben. Ein Werk, an dem er sich selbst noch im Ruhestand erfreuen kann. Und so wie es aussieht, will er diesen nicht unbedingt im regnerischen Münster verbringen. „Sondern ganz entspannt unter der Sonne Kaliforniens.“

Das Talking Law Dictionary ist im Buchhandel erhältlich sowie direkt beim Verlag LexisNexis .

 
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