Exotenfächer Allein mit meinem Prof
Überfüllte Hörsäle und miese Betreuung? Katrin wird an der Uni exklusiv betreut. Sie studiert Mineralogie - als einzige Studentin in ihrem Semester
Ein Vormittag am Mineralogischen Institut der Uni Köln: Studentin Katrin sitzt locker mit übereinander geschlagenen Beinen im Stuhl - ihr Blick auf den Professor, der dünne Striche auf ein Blatt Papier zeichnet, ist dennoch konzentriert. „Das sind jetzt also die Gesteinsproben", sagt er und tippt auf einen seiner Striche. "Und wie nennt man das?“ Noch bevor sie antworten kann, redet er weiter. „Was sagt der Mineraloge dazu? Jetzt überlegen Sie mal.“ Bei jeder ihrer Antworten hakt er nach, erwartet eine genaue Begründung. Doch das Frage-Antwort-Spiel ist eine ganz normale Vorlesung, denn Katrin ist die einzige Mineralogie-Studentin in ihrem Semester.
„Zu Studienbeginn waren wir noch zu dritt, aber die beiden Kommilitonen haben schon im ersten Semester abgebrochen. Seitdem bin ich allein“, sagt sie. Mittlerweile ist sie im achten Semester angelangt und hat schon viele Vorlesungen besucht, die die Professoren nur für sie alleine hielten. 41.000 Studenten sind an der Kölner Uni eingeschrieben, nur 14 von ihnen im Diplomstudiengang Mineralogie. Während die Sitzplätze in den BWL- und Juravorlesungen hart umkämpft sind, hat Katrin im Gebäude nebenan freie Platzwahl. „Komisch ist es schon, wenn ich in einem Hörsaal mit 120 Plätzen ganz alleine vorne in der ersten Reihe sitze“, sagt sie. „Aber daran bin ich mittlerweile gewöhnt.“
Was sich nach luxuriösen Studienbedingungen anhört, hat aber auch Schattenseiten. Einfach mal ausschlafen und die Vorlesung sausen lassen, das geht nicht. Katrin muss nicht nur immer da sein, sondern immer auch ihre Hausaufgaben gemacht haben. „Es ist schon anstrengend. Ich muss immer so vorbereitet sein als hätte ich eine mündliche Prüfung. Und die dauert für mich jedes Mal 90 Minuten“, sagt sie. Die Gedanken schweifen lassen, ein bisschen vor sich hinträumen ist für Katrin tabu. Sie schaffe es nicht einmal mitzuschreiben. Denn dann könnte sie ihrem Professor nicht mehr folgen und müsste bei der nächsten Nachfrage passen. Notizen mit Kommilitonen tauschen ist auch keine Lösung, es gibt ja keine Kommilitonen.
„Schade ist wirklich, dass ich keine Lerngruppe habe oder mich überhaupt mit niemandem über den Stoff oder Aufgaben austauschen kann. Es gibt ja nur mich.“ Trotz dieser Nachteile ist Katrin von der Einzelbetreuung in ihrem Studium begeistert. „Ich lerne einfach doppelt so schnell. Es gibt niemanden, der blöde Fragen stellt und damit die Veranstaltung in die Länge zieht“, sagt sie. „Und wenn ich etwas nicht verstehe, dann erklärt der Professor mir das eben doppelt und dreifach, bis ich es kapiere. Ob das nun vier Stunden oder vier Tage dauert.“ So lange brauchte Katrin bisher zwar noch nicht, aber ihr Rekord liegt bei einem fünfstündigen Erklärversuch bis 23 Uhr durch einen hartnäckigen Professor. Und genau das mag Katrin an diesem doch ab und zu einsamen Studium.
Außerdem hat Katrin noch eine zusätzliche Motivation: Seit ihrem zweiten Semester hat sie eine Zusage des Bundeskriminalamts für ihren Traumjob Kriminaltechnologin. Einzige Bedingung: Sie darf nicht länger als neun Semester für ihr Studium brauchen. „Das zu wissen, ist eine riesige Motivation“, sagt sie. „Ich muss mich also ranhalten, sonst verspiele ich den Einstieg in meinen Traumberuf.“ Diese Gewissheit spornt sie an und lässt sie auch die nächste 90-minütige Vorlesungen überstehen, die sich wie eine Prüfung anfühlt. Katrin weiß ja, wozu es gut ist.
- Datum 09.06.2008 - 06:37 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Ich habe seinerzeit - fast drei Jahrzehnte ist es schon her - ein Physikstudium an der winzigen TU Clausthal aufgenommen. Damals gab es ganze 9 Physik-Anfänger, wir waren allerdings auch ein sehr zahlenschwacher Jahrgang. Das ganze Semester passte in eine Wohnheimküche, in der wir zusammen die Hausaufgaben gemacht haben, Austausch war anders als bei Katrin immer möglich. Das war super (später bin ich dann aber doch lieber an eine große Uni gewechselt).
Ich habe das in der Japanologie auch so aehnlich erlebt. Wir hatten in hoeheren Semestern zum Teil Seminare mit 3 - 4 Teilnehmern, das war schon sehr angenehm.(In der Anglistik habe ich dann aber das genaue Gegenteil erlebt. 200 Studenten in einen Saal gepfercht ... bah)
Ich habe Soziologie studiert und ähnliche Erfahrungen gesammelt. Wenn man empirische Sozialforschung wählt, hat man ebenfalls sehr kleine Lerngruppen. Drei bis fünf Teilnehmer waren in Statistikveranstaltungen des Hauptstudiums normal. Ich hatte mich entschlossen meine Diplomarbeit der Statistik zu widmen und der Prof. war jederzeit offen für meine Probleme und Anliegen. Man muss nur den Mut haben einen Nebenzweig zu studieren und die Studienbedingungen sind auch an einer öffentlichen Uni plötzlich wie an einer privaten Uni. Die Urasche für das Phänomen liegt darin, dass SOWI Studenten Statistik hassen und froh sind, wenn sie die Pflichtklausuren in Statistik mit ausreichend (minus) bestanden haben.
Ich studiere Informatik an einer großen Universität und habe mal mit ca. 100 Kommilitonen in meinem Jahrgang begonnen.Jetzt im Hauptstudium habe ich eher weniger beliebte Spezialisierungen gewählt und sitze so manchmal mit nur zwei weiteren Studierenden in der Vorlesung oder Übung. Schade ist nur, dass die Lehrenden trotzdem nicht von ihrem Frontalprogramm abweichen. In einem persönlichen Unterrichtsgespräch könnte man sicherlich vieles besser vermitteln.
Leider muss ich die Warheit dieses Artikels in Frage stellen. Ich selber studiere Mineralogie im Nebenfach ( an der Uni Köln) und habe, mit meinen Komilitonen zusammen, andere Erfahrungen gemacht. Schade das hier nur eine sehr egozentrische Meinugn dargestellt wird und nicht mehr Studenten befragt worden sind.. Denn ob ihr es jetzt glaubt oder nicht: ES GIBT SIE!!!!...
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