Soziales Engagement kann nicht nur den Mitmenschen nützen: warum man viel über sich lernt, ob die Chancen auf einen Studienplatz steigen und wie man es finanziert

... die Studienentscheidung?

Die Auszeit ist eine gute Gelegenheit, in Ruhe über die Zukunft nachzudenken. Dass man seine Tage nicht mehr in der Schule, sondern unter Berufstätigen verbringt, neue Menschen kennenlernt und sich in ungewohnten Situationen erproben kann, hilft bei der Orientierung. In einer großen Studie für das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sagten knapp zwei Drittel der befragten Freiwilligendienstler, sie hätten Anregungen für ihre berufliche Entwicklung bekommen. Ein Wundermittel gegen Entscheidungsschwäche ist ein Dienst aber nicht – schließlich lernt man nur ein Berufsfeld kennen, Vergleichsmöglichkeiten fehlen.

... den persönlichen Horizont?

Wer einen Freiwilligendienst antritt, stößt oft an seine Grenzen. Für alte Menschen sorgen, Geduld bei der Kinderbetreuung aufbringen oder mit kritischen Kollegen zurechtkommen – all das ist nicht leicht. Doch 90 Prozent der Freiwilligen finden, er habe ihre persönliche Entwicklung positiv beeinflusst. Rund 70 Prozent würden ihn auch anderen empfehlen.

... die Chance auf einen Studienplatz?

Einen pauschalen Bonus bei der Studienbewerbung gibt es nicht. Einzelne Studiengänge rechnen einen Freiwilligendienst aber an. Oft muss er dafür die passende Ausrichtung haben. Beispiel: Die HTWK Leipzig berücksichtigt für das Museologie-Studium einen Freiwilligendienst in der Denkmalpflege. Die Zeit, die zwischen Abi und Studienbewerbung vergangen ist, zählt bislang als sogenannte Wartezeit, auch wenn man währenddessen einen Freiwilligendienst macht. Wird ein Praktikum vor dem Studium verlangt, kann man dafür manchmal seinen Freiwilligendienst anrechnen.

... den Geldbeutel?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2017/18.

Finanziell lohnt ein Freiwilligendienst nicht: Wer jobbt, steht besser da. Freiwillige bekommen ein monatliches Taschengeld von maximal 363 Euro (Freiwilliges Soziales Jahr) beziehungsweise 381 Euro (Bundesfreiwilligendienst). Wohnt man nicht zu Hause, kann es sogar passieren, dass man draufzahlt. Manche Einsatzstellen sorgen aber für Unterkunft und Verpflegung. Wer ins Ausland will, bekommt bei Diensten wie "weltwärts" oder "kulturweit" Zuschüsse für Anreise oder Sprachkurs, teils werden die Kosten ganz übernommen.

... die Mitmenschen?

Freiwillige, die mit Alten, Kranken, Behinderten oder Kindern arbeiten, bereichern das Leben anderer unmittelbar. Sie stehen unter weniger Zeitdruck als ihre hauptamtlichen Kollegen und können sich den Menschen intensiver widmen – durch Gespräche, Spiele, Unternehmungen. Dennoch müssen sie auch praktische Hilfstätigkeiten übernehmen, etwa Mahlzeiten verteilen und Geschirr einsammeln. Wie viel Zeit für andere Menschen bleibt, sollte man vorab herausfinden. Klar ist: Freiwillige dürfen keine hauptamtlichen Mitarbeiter ersetzen. Das steht sogar im Gesetz. Wer das Gefühl hat, zu viel Verantwortung aufgedrückt zu bekommen, sollte sich an den Träger seines Dienstes wenden.