Einen akademischen Abschluss bieten beide, Forschung und Praxis auch. Aber es gibt auch Unterschiede. Welche man kennen sollte, bevor man sich für eine Form entscheidet

Unis und Fachhochschulen (Letztere heißen auch "Hochschulen für angewandte Wissenschaften") haben vieles gemeinsam: An beiden gibt es Bachelor- und Masterstudiengänge. An beiden sitzen die Studenten in Vorlesungen und Seminaren, schreiben Klausuren und Hausarbeiten, bekommen Creditpoints und Noten. An beiden macht man einen akademischen Abschluss – anders als bei einer Ausbildung oder an einer Fachschule. An beiden wird geforscht, an beiden gibt es gemeinsame Projekte mit Unternehmen. Unis wie auch FHs sollen ihren Studenten wissenschaftliches Denken beibringen und sind verpflichtet, sie mit dem Bachelor "beschäftigungsbefähigend" auszubilden.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2017/18.

Was also ist der Unterschied? Das Studium an der Uni ist "theoretisch", das an der FH "praktisch", lautet eine Faustregel. Streng genommen stimmt das nicht. Schließlich gibt es auch an Unis Praxisprojekte, auch an FHs lernen die Studenten theoretische Grundlagen. Als erster Hinweis hilft es aber durchaus weiter.

Ex-Manager als Professoren

Zum Beispiel trifft man an der Uni auf Professoren mit einer Wissenschaftskarriere. Nach ihrer Doktorarbeit haben sie weitergeforscht, Tagungen besucht, Aufsätze in Fachzeitschriften veröffentlich und viel Zeit in eine große wissenschaftliche Arbeit – die Habilitation – gesteckt. Professoren an FHs haben ebenfalls einen Doktortitel, aber sie haben auch außerhalb der Hochschule gearbeitet – mindestens drei Jahre sind Pflicht. Bevor sie an die FH gekommen sind, waren sie also zum Beispiel Manager in Großkonzernen wie Airbus oder Siemens oder bei einem Mittelständler. Oder sie haben in der Verwaltung, in einem Verband oder in einem Krankenhaus gearbeitet – oft in einer Führungsposition. Ihre Kontakte aus dieser Zeit kommen auch ihren Studenten zugute. An fast allen Fachhochschulen gehört außerdem ein Praxissemester zum Studium, das man in einem Betrieb absolviert. Es zählt als Studienleistung und wird von Veranstaltungen an der Hochschule begleitet.

FHs sind im Schnitt kleiner

In Deutschland gibt es 106 Unis und mehr als doppelt so viele FHs. An der größten Fachhochschule, der TH Köln, lernen 25.000 Studenten – etwa fünfmal so viel wie an der kleinen Uni Clausthal. Doch das sind Ausnahmen. Im Schnitt studieren an einer FH 4.500 Studenten, an einer Uni dagegen 16.500. Zudem verteilen sich FH-Studenten oft auf mehrere Standorte. Das macht FHs überschaubarer, zumal meist in festen Gruppen gelernt wird.

Dafür haben Unis das breitere Fächerangebot. Das klassische Jurastudium gibt es nur dort. Dasselbe gilt in aller Regel für die Geisteswissenschaften und die klassischen Naturwissenschaften. FHs bieten Naturwissenschaften in angewandter Form an, also etwa Angewandte Chemie oder Biotechnologie. Stark vertreten sind Wirtschafts-, Ingenieur-und Informatikstudiengänge, auch Architektur, Soziale Arbeit, Wirtschaftsrecht, Medienstudiengänge und Pflegewissenschaft.

Mit dem Abitur darf man an FHs und an Unis studieren, mit der Fachhochschulreife an FHs und in bestimmten Fällen auch an der Uni.

Zurzeit wird viel gestritten, ob Fachhochschulen genauso wie Unis das Recht haben sollten, den Doktortitel zu verleihen. In Hessen können seit Kurzem forschungsstarke Fachrichtungen an FHs dieses Recht bekommen. Für Studienanfänger wichtiger als der hochschulpolitische Streit ist aber die Frage, welcher Lerntyp man ist und wo man sich mit der eigenen Persönlichkeit am besten aufgehoben fühlt.