Ein Schüler befragt seinen Lehrer

Max Brinckman: Woher wussten Sie, dass Sie Lehrer werden wollen?

Kolja Altenhoff: Während meiner Abi-Zeit merkte ich, dass ich ganz gut Nachhilfe geben konnte, außerdem war ich Trainer im Schwimmverein. Ich habe gerne mit jungen Menschen zusammengearbeitet, und deswegen war für mich relativ schnell klar: Ich werde Lehrer.

Brinckman: Was sollte man für diesen Beruf mitbringen?

Altenhoff: Man sollte gut mit Menschen können, vor allem mit Kindern und Jugendlichen. Und man darf Konflikte nicht scheuen, denn die gibt es ständig in der Schule oder im Klassenverband. Wer davor Angst hat, wird unglücklich in diesem Beruf.

Brinckman: Ein super Abi muss man aber nicht unbedingt haben, oder? Ich werde wohl auf 2,5 kommen.

Altenhoff: Also, ich hatte einen Schnitt von 2,4.

Brinckman: Wie schaffen Sie es, dass wir Sie respektieren? Sie sind ja nicht so viel älter als wir.

Altenhoff: Das ist eine gute Frage. Wieso respektieren Sie mich denn?

Brinckman: Weil Sie unser Lehrer sind.

Altenhoff: Aha. Ich glaube auch, dass der Respekt auf Fachwissen beruht. Und auf einer Dekade zusätzlicher Lebenserfahrung. Wenn Sie Fragen haben, kann ich Ihnen weiterhelfen, und das rechnen Sie mir positiv an.

Brinckman: Was macht man als Lehrer, wenn mal keiner auf einen hört?

Altenhoff: In meiner fünften Klasse verschaffe ich mir Aufmerksamkeit, indem ich sie zu Beginn der Stunde aufstehen lasse. Ich sage: "Guten", und die Klasse antwortet: "Morgen". Das nimmt der Situation die Strenge. Für mich ist wichtig: Alle wissen, es geht los. Bei Oberstufenschülern funktioniert das von alleine. Wenn nicht, schaue ich, warum jemand stört. Will er wirklich den Unterricht blockieren, oder hilft er gerade jemandem? Dann gehe ich individuell auf die Situation ein. Wenn viele stören, kann das ein Zeichen dafür sein, dass die Klasse eine kurze Pause braucht.

Brinckman: Wie ist das, immer vorne zu stehen und von allen angeguckt zu werden?

Altenhoff: Das macht mir nichts aus. Im Studium lernt man, vor großen Gruppen zu sprechen. Aber stehe ich denn den ganzen Tag vorne?

Brinckman: Na ja, oft sitzen Sie auch, und einer von uns moderiert oder präsentiert etwas.

Altenhoff: Ich würde sagen, die Hälfte der Zeit sitze ich im Kurs und diskutiere mit Ihnen. Als wir über Vor- und Nachteile der Globalisierung gesprochen haben, da hat ein Mitschüler so was Tolles gesagt, zu sozialen Problemen, die dadurch entstehen ...

Brinckman: ... genau, genau, ich weiß, was Sie meinen.

Altenhoff: In so einem Moment macht mir mein Beruf am meisten Spaß. Wenn man als Lehrer nur noch zuschauen muss und merkt, dass Sie die Fachinhalte verstanden haben und eigenständig diskutieren können.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2017/18.

Brinckman: Und was ist am nervigsten?

Altenhoff: Die ganzen Konferenzen. Wenn Zeugnisse anstehen, zum Halbjahr und zum Schuljahreswechsel, ballen sich die Termine mit all den Klassenkonferenzen und Zeugniskonferenzen. Da bin ich manchmal von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends in der Schule.

Brinckman: Wie lange sitzen Sie eigentlich an einer Klausur?

Altenhoff: Wenn ein Schüler im Dreier- oder Viererbereich ist, eine halbe Stunde. Eine sehr gute Arbeit zu korrigieren dauert nur eine Viertelstunde.

Brinckman: Fällt es Ihnen schwer, Noten zu geben?

Altenhoff: Jetzt nicht mehr. Während des Referendariats habe ich gelernt, Leistungen von Schülern zu beurteilen.

Brinckman: Was machen Lehrer eigentlich nach der Schule?

Altenhoff: Unterricht vorbereiten. Außerdem habe ich eine kleine Tochter, mit der gehe ich zum Kinderturnen, oder wir spielen etwas. Ein-, zweimal die Woche mache ich selber Sport, ich schwimme im Verein. Dann setze ich mich halt abends noch mal an den Schreibtisch. Dass man sich das selbst einteilen kann, ist ja das Schöne an dem Beruf. Und gleichzeitig der Fluch! Wenn man anfängt, die Korrektur einer Klassenarbeit vor sich herzuschieben, kommt irgendwann die zweite dazu. Man muss sich zügig dransetzen.

Brinckman: Wie viel Zeit kostet es, eine Unterrichtsstunde vorzubereiten?

Altenhoff: Es gibt Stunden, die bereitet man innerhalb von 15 Minuten vor, bei anderen muss man sich erst mal ins Thema einlesen, Materialien zusammenstellen, sich passende Methoden überlegen – das dauert! Dafür ist das Referendariat gut. Da hat man viel Zeit, Unterrichtskonzepte zu entwerfen, auf die man später als Lehrer zugreifen kann. Die Schüler spüren sehr genau, ob man einen roten Faden in seinem Unterricht hat. Wenn nicht, verlieren sie das Interesse.

Brinckman: Also, in unserem Kurs finden die meisten, dass Sie gut vorbereitet sind, mit Smartboard-Folien, Arbeitsblättern und so.

Altenhoff: Wenn ich es mal nicht schaffe, dann sage ich das den Schülern offen. Sonst wird es peinlich.

Brinckman: Was ich schon immer mal wissen wollte: Was machen die Lehrer eigentlich im Lehrerzimmer?