Nur auf die andere Seite des Lehrerpults. Aber was unterscheidet Grundschul- von Gymnasiallehramt? Oder Berlin von Bayern? Und welche Fächerkombi ist besonders gefragt?

Lehrer wird man, indem man "auf Lehramt" studiert und danach einen Vorbereitungsdienst, das Referendariat, absolviert. Jedes Bundesland regelt die Ausbildung anders. Teils gibt es Lehramt als Staatsexamensstudiengang, teils im Bachelor-Master-Modell. Manche Bachelors sind "polyvalent". Sie sind so gestaltet, dass man sich erst vor dem Master entscheiden muss, ob man wirklich Lehrer werden will. Achtung: Weil die Ausbildung so uneinheitlich ist, kann es schwierig werden, im Studium die Hochschule zu wechseln.

Das Lehramtsstudium ist dreigeteilt in Fachwissenschaften, Fachdidaktik und Bildungswissenschaften. Man studiert in der Regel zwei Fächer – seine zukünftigen Unterrichtsfächer. Lehrämtler besuchen dabei die gleichen Kurse wie Studenten, die nicht Lehrer werden wollen. Wie man den Stoff an Kinder oder Jugendliche vermittelt, sollen sie in Seminaren zur Fachdidaktik lernen. Im bildungswissenschaftlichen Teil des Studiums beschäftigen sie sich mit Lernprozessen, Entwicklungspsychologie und Lerntheorien.

Der Aufbau des Studiums hängt auch von der Schulform ab, in der man später unterrichten will. Jedes Bundesland regelt das etwas anders. In NRW zum Beispiel wählt man zwischen Lehramt an Grundschulen, an "Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen", an "Gymnasien und Gesamtschulen", an Berufskollegs oder an Schulen mit sonderpädagogischer Förderung.

Die meisten Studenten entscheiden sich gleich zu Beginn des Bachelors für eines der Lehrämter. Davon hängt ab, wie viele Creditpoints sie in den drei Studienbereichen sammeln müssen: Angehende Grundschullehrer hören mehr Pädagogik, künftige Gymnasiallehrer eignen sich mehr Fachwissen an.

Unterrichten lernen

Fast überall gibt es Schulpraktika – manchmal dauern sie nur ein paar Wochen, manchmal mehrere Monate. Immer mehr Universitäten führen ganze Praxissemester ein. Außerdem gründen sie Zentren für Lehrerbildung oder "Schools of Education", in denen sie ihre Lehrämtler zusammenführen. So soll das Studium besser auf den Berufsalltag vorbereiten.

Ein weiterer Trend: An allgemeinen Schulen lernen zunehmend Kinder mit Behinderungen sowie Flüchtlingskinder aus den verschiedensten Ländern. Deutsch als Zweitsprache gehört an vielen Unis inzwischen zum Pflichtprogramm für angehende Lehrer. Auch zur Inklusion bieten immer mehr Hochschulen Lehrveranstaltungen.

Karriere für Lehrer

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2017/18.

Nach dem Studium folgt das Referendariat. Dabei verbringen die künftigen Lehrer meist 18 Monate an einer Schule. Sie schauen sich Unterricht an, halten eigenständig Stunden und kommen im "Studienseminar" zusammen.

Mit dem Abschluss hat man noch keine Festanstellung in der Tasche – und erst recht keine Verbeamtung. In Berlin und Sachsen werden Lehrer überhaupt nicht verbeamtet. Manche Absolventen beginnen als Vertretungslehrer mit befristeten Verträgen. Es kann auch passieren, dass man gar keine Stelle bekommt. Je besser die Abschlussnote und je gesuchter die Fächerkombination, desto größer sind die Chancen.

Eine Modellrechnung der Kultusministerkonferenz sagt voraus: Bis 2025 werden hauptsächlich Lehrer für Mathe, Chemie und Physik gesucht; im Osten ist der Bedarf größer als im Westen; Lehrer für Berufsschulen und Sonderpädagogik sind gefragter als Lehrer für Gymnasien. Eine Garantie sind solche Prognosen allerdings nicht. Fest steht: Weil zu den Flüchtlingen schulpflichtige Kinder und Jugendliche zählen, werden die Schulen zusätzliche Lehrer brauchen. Laut Bildungsbericht 2016 werden momentan an deutschen Schulen zwischen 10.000 und 14.000 zusätzliche Lehrer benötigt. Wie viele Stellen tatsächlich entstehen und vor allem wo und wann, ist allerdings unklar.

Auch Lehrer können Karriere machen: Nach einigen Jahren im Beruf können sie sich als Schulleiter bewerben. Lehrer können auch an Unis abgeordnet werden, dort lehren und eine Doktorarbeit schreiben. Oder sie gehen an eine deutsche Auslandsschule.