Vorlesungen besuchen, lesen, lernen, diskutieren – das alles macht einen großen Teil des Uni-Lebens aus. Aber eben nur einen Teil. Im Studium hat man die Chance, Neues auszuprobieren, Leute kennenzulernen, unbekannte Seiten an sich zu entdecken. Und das sollte man unbedingt tun – finden jedenfalls diese fünf Studenten.

Arabisch lernen

Seit meinem Studienstart mache ich einen Arabischkurs. Unser Lehrer ist Mahmoud, ein Geflüchteter aus Syrien. Ich bin dabei, weil ich den Grundgedanken total gut finde: Die Menschen, die im Moment nach Deutschland kommen, brauchen nicht nur Hilfe. Man kann es auch umgekehrt sehen: Sie können uns helfen, uns bereichern, wir können von ihnen lernen. Jetzt sitze ich also mit etwa 20 Studenten einmal in der Woche im Seminarraum und lasse mir von Mahmoud seine Sprache beibringen. Die Atmosphäre ist entspannt. Mal bringt jemand Tee mit, mal ein paar Snacks. Aber ein Kaffeekränzchen ist das trotzdem nicht. Die meisten hier hat der Ehrgeiz gepackt, mich auch. Ich kann jetzt fast alle Buchstaben im arabischen Alphabet schreiben und die meisten Laute aussprechen. Einfache Sätze gehen auch schon. "Ich bin Philip" zum Beispiel, "ich komme aus Dresden" oder "ich bin 20 Jahre alt". Die Uni erkennt den Kurs an, wir bekommen sogar Creditpoints dafür. Ich finde, das ist ein gutes Zeichen. IDA, die Initiative, die den Kurs organisiert hat, bietet auch Deutschunterricht für Geflüchtete an und ein Buddy-Programm. Dabei mache ich ebenfalls mit. Ich würde jedem empfehlen, so einen Arabischkurs zu besuchen. Man lernt ja nicht nur eine Sprache. Man lernt auch, sich auf die Menschen, die nach Deutschland kommen, einzulassen. Man hört von ihren Schicksalen und davon, wie sie versuchen, sich in ihrem neuen Leben zurechtzufinden. Wer das mitbekommt, kann auf keinen Fall mehr sagen: Das betrifft mich nicht. Wenn es bald einen Aufbaukurs gibt, will ich unbedingt mitmachen.

Philip Kraus, 20, studiert im zweiten Semester Bauingenieurwesen an der TU Dresden

Ökologisch leben

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2017/18.

Viele Leute haben keinen Bezug mehr zur Natur. Sie sind total disconnected von dem Planeten, auf dem wir leben. Ich sehe das unter anderem an dem unbewussten Umgang mit Konsumgütern und Ressourcen. Ich suche für mich nach Alternativen. Seit vergangenem Sommer mache ich beim PermaKulturRaum in Göttingen mit. Wir sind ein studentisches Projekt und wollen alternative Lebenskonzepte erdenken und ausprobieren. Unser Projektort befindet sich auf einem Gelände der Uni im Norden von Göttingen. In unserem Alltag versuchen wir, auf natürliche Kreisläufe zurückzugreifen. Regenwasser benutzen wir zum Spülen und Waschen, Strom bekommen wir über unsere Solaranlage. Wir benutzen keine Wasserklosetts, sondern ökologische Kompostklos. Im Garten bauen wir Obst und Gemüse an. Gerade arbeiten wir daran, unsere Gemüsebeete zu vergrößern und den Waldgarten zu optimieren, damit wir uns selbstbestimmter versorgen können. In diesem Jahr wollen wir Salat, Kräuter, rote Bete, Karotten, Mangold, Kürbisse, Zucchini und Tomaten anbauen. Wir verbringen gerne Zeit auf der Projektfläche und übernachten manchmal in unseren Bauwagen, haben aber auch WG-Zimmer in der Stadt. In der Gemeinschaft Zeit zu verbringen und neben den Projektarbeiten zusammen zu kochen und politische Diskussionen zu führen ist mir sehr wichtig. Bevor ich mich im Bauwagen schlafen lege, lese ich noch ein bisschen bei Kerzenlicht. Das Leben in der Gemeinschaft bereichert und erfüllt mich sehr.

Aila Gunkel, 23, studiert im siebten Semester Jura an der Uni Göttingen

Theater spielen

Schon in der Schule wollte ich immer Theater spielen. Aber ich habe mich nie so richtig getraut. Für die Theatergruppe in der Oberstufe hätte man ein Casting machen müssen, und ich dachte, ich schaffe das nicht. Aber der Wunsch blieb. Als ich dann zum Studieren nach Mannheim kam, habe ich im Internet rumgesucht und die Anglistic Theatre Group gefunden, eine Gruppe, die Stücke auf Englisch spielt. Das erste Treffen im Semester war gleich am nächsten Donnerstag. Ich bin also hin und war total überrascht: Jeder sollte einfach drauflosspielen, etwas improvisieren. Ich habe so getan, als hätte ich einen Cocktailmixer in der Hand und würde für alle Drinks zubereiten. Es hat mir auf Anhieb Spaß gemacht. Seitdem gehe ich jede Woche hin. Im Wintersemester machen wir Improvisationstheater, im Sommer üben wir ein Stück ein und führen es auf. Mein erstes war von Agatha Christie, Appointment with Death. Ich habe eine der Hauptrollen bekommen und eine Frau gespielt, die ihren Mann aus den Fängen seiner Mutter befreien will, einer tyrannischen alten Hexe. Vor der ersten Aufführung waren wir alle furchtbar aufgeregt. Ich habe richtig gespürt, wie schnell mein Herz geschlagen hat. Da draußen waren 150 Zuschauer! Hinter der Bühne hat ein Freund Schokolade und Zettelchen mit aufmunternden Botschaften verteilt. Ich war so gerührt, dass mir kurz die Tränen kamen. Aber dann, auf der Bühne, hat alles wunderbar funktioniert. Ein Leben ohne Theater kann ich mir nicht mehr vorstellen. Durch das Spielen habe ich die Angst verloren, vor vielen Leuten zu sprechen. Ich habe gelernt, dass es nicht schlimm ist, wenn mal etwas nicht klappt. Und Freunde fürs Leben gefunden.

Lilly Hartmann, 20, studiert im sechsten Semester Psychologie an der Uni Mannheim