Juristen beschäftigen sich mit Gesetz und Recht.

Darum geht es

Rechtsanwälte verteidigen Mandanten, Staatsanwälte vertreten das öffentliche Interesse, und Richter fällen Urteile: Juristen haben sehr unterschiedliche Aufgaben, durchlaufen jedoch alle dieselbe Ausbildung. Mithilfe von Gesetzen lösen die Studenten Beispielfälle, von Erbschaftsstreitigkeiten über Verfassungsbeschwerden bis hin zu Mordanklagen. "Als Jurist muss man sich in die unterschiedlichsten Interessenkonflikte hineindenken – und dann mit juristischen Methoden ergründen, wer im Recht ist", sagt Joachim Lege, Professor an der Universität Greifswald und Vorsitzender des Deutschen Juristen-Fakultätentages.

Die Jurastudenten lernen, wie das Rechtssystem aufgebaut ist und wie die drei Hauptgebiete – das Zivilrecht, das Strafrecht und das öffentliche Recht – zusammenhängen. Hinzu kommen Grundlagen zur Rechtsgeschichte, zur Rechtsphilosophie und zum Verfahrensrecht, das unter anderem regelt, wie ein Prozess geführt wird.

In den ersten Semestern sind die Inhalte des Studiums fest vorgegeben. Erst später wählt jeder Student zusätzlich zu den drei Hauptgebieten einen Schwerpunkt wie etwa Europarecht, Kriminologie oder Familienrecht. An einigen Universitäten gibt es zahlreiche Schwerpunkte, manche bieten dagegen nur drei oder vier an.

Für die Erste Juristische Prüfung (bestehend aus Staatsexamen und Universitätsprüfung) nach frühestens sieben Semestern muss man zudem eine Fremdsprache sowie insgesamt drei Monate Praxis (etwa bei einem Anwalt, in der Verwaltung oder bei Gericht) nachweisen. Anschließend folgt ein zweijähriges Referendariat, in dem man die Arbeit im Zivil-, im Straf- und im Verwaltungsrecht kennenlernt. Dafür gehen die Referendare zum Beispiel zu einem Amts- oder Landgericht, zur Staatsanwaltschaft und zu einer Behörde. Eine weitere Station kann man frei wählen.

Den Abschluss des Rechtsreferendariats bildet die Zweite Juristische Staatsprüfung. Sie wird von einer staatlichen Behörde abgenommen. Achtung: Nur wer beide Staatsexamina bestanden hat, ist ein sogenannter Volljurist und kann als Anwalt, Staatsanwalt oder Richter arbeiten.

Typische Fragen

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2017/18.

Wer darf Verfassungsbeschwerde einlegen?

Was unterscheidet Eigentum von Besitz?

Ist Schwarzfahren strafbar?

Wann spricht man von einem Werkvertrag?

Welche Rechte haben Asylsuchende?

Wann darf der Bundestag aufgelöst werden?

Was unterscheidet Mord von Totschlag?

Wann hat ein Angeklagter das Recht auf einen Pflichtverteidiger? Wie sind unsere Rechtsnormen entstanden?

Wäre ein Burkaverbot, ähnlich wie in Frankreich, auch in Deutschland rechtmäßig?

Was versteht man unter Arzthaftung?

Wer bekommt nach einer Scheidung das Sorgerecht für die Kinder übertragen?

Eignung, Hürden, Irrtümer

Jurastudenten müssen abstrakt denken und präzise formulieren. "Besonders wichtig sind die sprachlichen Fähigkeiten, schließlich müssen sich die Studenten mit schwierigen Texten auseinandersetzen und selbst schlüssige Gutachten verfassen", sagt Joachim Lege. Es komme darauf an, bei jedem Fall herauszuarbeiten, was rechtlich relevant sei. Anfänger tun sich mit der Sprache der Juristen häufig schwer, viele empfinden das Fach als trocken. "Dabei berührt es jeden Aspekt des Lebens", sagt Lege. So entscheidet zum Beispiel das Urheberrecht, ob man einen Film kostenlos streamen darf.

Einige Unis haben für Jura keinen NC. Sonst liegt er oft im Einser- oder Zweierbereich. Manche Hochschulen verlangen sehr gute Noten in Deutsch, Mathe und Fremdsprachen.