Politikwissenschaftler ... beschäftigen sich mit politischen Prozessen und Institutionen.

Darum geht es

Warum ist Donald Trump US-Präsident geworden, obwohl mehr Menschen für Hillary Clinton gestimmt haben? Ist er ein Populist – und wie lässt sich das ermitteln? Mit solchen Fragen setzen sich Politikwissenschaftler auseinander. Außerdem vergleichen sie die politischen Systeme verschiedener Länder miteinander, beschäftigen sich mit politischen Theorien, politischer Ökonomie sowie der Friedens- und Konfliktforschung. "Letztlich geht es darum, wie soziale Gruppen Ordnung herstellen, um ein Zusammenleben zu ermöglichen – innerhalb eines Staates, aber auch international", sagt Carlo Masala, Politikprofessor an der Universität der Bundeswehr in München.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Studiums ist das Erlernen der Methoden, mit denen Politikwissenschaftler arbeiten. Zum Beispiel analysieren die Studenten politische Reden oder lernen, Umfrageergebnisse zu interpretieren. Generell gilt: Die Politikwissenschaft nutzt Ansätze und Denkweisen verschiedener Fachrichtungen. Zu den wichtigsten Nachbarwissenschaften gehören Soziologie, Völkerrecht und Geschichte. "Man muss sich aber auch mit Ethnologie befassen, zum Beispiel wenn man Konflikte in Stammesgesellschaften verstehen will", sagt Carlo Masala.

Die Unis setzen eigene Schwerpunkte, das heißt, das Politikstudium kann sich inhaltlich, aber auch von den Methoden her bereits im Bachelor sehr stark unterscheiden. An manchen Instituten beschäftigt man sich vor allem mit Europa, an anderen steht die Innenpolitik oder der internationale Vergleich im Mittelpunkt, wieder andere befassen sich besonders intensiv mit Statistik. "Es lohnt sich, sich darüber schon vor dem Studienbeginn zu informieren", sagt Armin Schäfer, Professor an der Uni Osnabrück.

Typische Fragen

Was definiert einen Staat?

Wie ist die Europäische Union aufgebaut?

Wie unterscheiden sich die Aufgaben und Rollen von Premierminister und Präsident in verschiedenen Regierungssystemen?

Vor welchen Herausforderungen steht die europäische Flüchtlingspolitik?

Welche Auswirkungen könnte der Brexit auf die EU haben?

Wie verändern Medien wie Twitter politische Prozesse und politische Beteiligung?

Ist die Zusammensetzung des UN-Sicherheitsrates überholt?

Wie nutzen politische Parteien soziale Medien?

Welche politischen Auswirkungen haben Freihandelsabkommen?

Was ist eine gerechte Gesellschaft, und wie lässt sie sich verwirklichen?

Wie kann man den Aufstieg des Populismus erklären?

Eignung, Hürden, Irrtümer

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2017/18.

"Das Politikstudium ist keine Vorbereitung auf den Beruf des Politikers", sagt Carlo Masala. Trotzdem sei es ratsam, den politischen Betrieb kennenzulernen, zum Beispiel durch ein Praktikum im Bundestag, bei einem Verband oder einer Partei. Im Studium steht die Theorie im Vordergrund. Es geht darum, Politik mit wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen. "Gute Politikwissenschaftler diskutieren anders als politisch Interessierte", sagt Armin Schäfer. "Statt sich über eine Partei zu ärgern, gehen sie analytisch vor und fragen sich, warum sich bestimmte Bevölkerungsgruppen ebenjener Partei zuwenden." Studenten sollten viel lesen, auch auf Englisch, und sich für das politische Tagesgeschehen interessieren: Regelmäßig die Nachrichten zu verfolgen ist Pflicht.

Die meisten Bachelorstudiengänge in Politik haben einen NC, der oft im Zweierbereich, manchmal aber auch im Einserbereich liegt. Einige wenige Unis verlangen, dass Bewerber an einem Auswahltest teilnehmen.