In der Sozialen Arbeit geht es darum, Menschen zu helfen – im Alltag genauso wie in Problemsituationen.

Darum geht es

Sie unterstützen Menschen mit Behinderung dabei, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, helfen Kindern und Jugendlichen, die Probleme in der Familie haben, begleiten Flüchtlinge bei Behördengängen: Sozialarbeiter und Sozialpädagogen (beide Berufsbezeichnungen sind für Absolventen üblich) unterstützen andere Menschen dabei, ihren Alltag zu bewältigen. "Das gilt für sämtliche Bevölkerungsgruppen, zum Beispiel arbeiten sie mit Suchtkranken, helfen Schulschwänzern dabei, sich wieder in den Unterricht einzugliedern, oder sind in der Fort- und Weiterbildung von Betrieben tätig", sagt Peter Schäfer, Professor für Soziale Arbeit an der Hochschule Niederrhein.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2017/18.

Den Studiengang gibt es überwiegend an staatlichen Fachhochschulen und an privaten Hochschulen, insbesondere von kirchlichen Trägern, aber auch an einigen Unis. Das Studium verbindet verschiedene Fächer, es umfasst pädagogische, soziologische, psychologische, politikwissenschaftliche sowie rechtliche Themen. Außerdem stehen betriebswissenschaftliche Grundlagen und Forschungsmethoden auf dem Lehrplan. Die Studenten lernen, wie man Daten erhebt und interpretiert. Häufig üben sie im Rollenspiel, etwa wie man schwierige Klienten betreut oder Familienstreitigkeiten schlichtet.

Zum Studium zählen auch Praktika und Praxisprojekte. Um die staatliche Anerkennung als Sozialarbeiter zu erhalten, müssen die Studenten mindestens hundert Tage praktische Erfahrung in sozialen Einrichtungen, bei Vereinen oder Behörden nachweisen. Je nach Bundesland und teils auch innerhalb eines Bundeslandes sind die Voraussetzungen für die Anerkennung unterschiedlich geregelt. An den meisten Hochschulen ist die Praxisphase schon im Bachelorstudium integriert, die Projekte werden dann von der Hochschule begleitet. Zum Teil wird aber auch ein Anerkennungsjahr nach dem Abschluss absolviert. Dieses Modell gibt es zum Beispiel in Siegen oder Bielefeld. Wie die Regelung in den einzelnen Bundesländern aussieht, kann man unter bit.ly/zs17soza nachlesen.

Typische Fragen

Wie ist aus der Armenfürsorge die Soziale Arbeit entstanden?

Wie können Familien durch das Jugendamt unterstützt werden?

Was versteht man unter einer posttraumatischen Belastungsstörung?

Wie kann man auch bei schwierigen Fällen die nötige Distanz wahren?

Welche rechtlichen Ansprüche haben Arbeitslose?

Wie kann man Flüchtlinge besser in den Arbeitsmarkt integrieren?

Was beschreibt das Konzept der Lebensweltorientierung?

Wie bringt man Menschen dazu, Hilfsangebote anzunehmen?

Eignung, Hürden, Irrtümer

Im Berufsalltag werden die Studenten häufig Menschen begegnen, die sich als gescheitert erleben. Ihnen müssen sie wirkungsvolle Möglichkeiten aufzeigen, sich selbst zu helfen. Dafür brauchen Sozialarbeiter Hilfsbereitschaft und Einfühlungsvermögen, sie müssen gut zuhören können und anderen Menschen begegnen, ohne deren Lebensentwürfe abzuwerten. Dabei sollten sie sich selbst und ihre eigene Einstellung immer wieder kritisch hinterfragen. "Wichtig sind zudem ein gewisses Durchsetzungsvermögen und die Fähigkeit, komplexe Situationen zu verstehen", sagt Peter Schäfer. Um sich nicht selbst durch die Probleme anderer Menschen überfordert zu fühlen, müssten Sozialarbeiter zudem lernen, "eine gute Balance zwischen menschlicher Nähe und professioneller Distanz zu entwickeln", betont Schäfer. Die Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte sei wichtig. Studenten sollten sich daher mit dem Thema Supervision beschäftigen und diese später in den Berufsalltag integrieren.

Wer plant, Soziale Arbeit zu studieren, sollte früh den Kontakt zur Praxis suchen. Ein Teil der Studenten hat vorher eine Ausbildung gemacht, zum Beispiel als Erzieher oder Heilerziehungspfleger. "Mit Menschen arbeiten zu wollen reicht nicht als Motivation aus", sagt Peter Schäfer. Die Soziale Arbeit sei ein herausforderndes Berufsfeld, in dem man später viel Verantwortung für andere trage. Wer keine Ausbildung in diesem Bereich gemacht hat, dem empfiehlt Peter Schäfer einen Freiwilligendienst oder ein längeres Praktikum vor Studienbeginn. Oft setzen die Hochschulen dies sogar voraus.

Das Studium der Sozialen Arbeit ist praxisnah. Ohne theoretische und methodische Grundlagen geht es jedoch nicht. Das unterschätzen viele. Außerdem muss man als Sozialarbeiter bereit sein, sich mit Gesetzen und Verordnungen auseinanderzusetzen, beispielsweise um Klienten dabei zu unterstützen, Einspruch gegen einen Ablehnungsbescheid einzulegen. Teils spielt auch Mathe eine Rolle, etwa wenn der Eigenanteil für die Unterbringung in einem Heim oder einer Klinik berechnet werden soll.

An den meisten Hochschulen ist das Studium zulassungsbeschränkt. Der Numerus clausus liegt häufig im Zweierbereich.