Soziologen … untersuchen, wie sich Menschen in der Gesellschaft verhalten.

Darum geht es

Egal, ob am Arbeitsplatz, in Schulen, beim Sport oder auf Dating-Portalen wie Tinder: Soziologen untersuchen sämtliche Aspekte sozialen Handelns. Sie wollen wissen, wie sich Menschen in gesellschaftlichen Gruppen verhalten und welchen Einfluss sie dabei aufeinander nehmen.

In den ersten Semestern setzen sich die Studenten mit Grundbegriffen wie Gesellschaft, Macht, Ordnung oder Institution auseinander und beschäftigen sich mit der sozialen Struktur von Gesellschaften. Außerdem lernen sie die Theorien ihres Fachs kennen und befassen sich mit Methoden, um die Gesellschaft zu analysieren. Dazu zählen die Bevölkerungsumfrage, bei der man beispielsweise Gehaltsdaten oder den Familienstand erhebt, aber auch sogenannte qualitative Interviews, bei denen man einem gesellschaftlichen Phänomen wie zum Beispiel der Altersarmut anhand von einzelnen Lebensgeschichten nachgeht. Bei Panel-Studien wiederum werden über viele Jahre hinweg dieselben Menschen in mehreren Wellen befragt, etwa zu ihrem Einkommen, ihrem Familienstand oder ihrer Lebenszufriedenheit. Außerdem machen Soziologen Experimente: Sie verschicken zum Beispiel Bewerbungen für Wohnungen oder Jobangebote und verwenden dabei deutsche, türkische, weibliche oder männliche Absender, um Diskriminierungseffekte zu untersuchen.

Teils geht man schon im Bachelor Forschungsfragen nach. "Im Rahmen einer bundesweiten Studie haben einige meiner Studenten Interviews mit Flüchtlingen geführt und sie nach ihrer Situation befragt", sagt Josef Brüderl, Soziologieprofessor an der LMU München.

Typische Fragen

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2017/18.

Wie konnte sich die Soziologie als Wissenschaft etablieren?

Was versteht man unter "Sozialisation"?

Inwiefern haben sich Familienmodelle in den vergangenen Jahren verändert?

Welche Ursachen und Folgen hat die soziale Ungleichheit?

Was sind die Kapitalformen nach Pierre Bourdieu?

Woher kommt die Einkommens- ungleichheit bei Männern und Frauen?

Was sind erfolgreiche Modelle, um Migranten in die Gesellschaft zu integrieren?

Sind Geschlechter sozial konstruiert?

Wie misst man Armut?

Was sind Ursachen und Folgen von Migrationsbewegungen?

Eignung, Hürden, Irrtümer

Die Vielfalt des Fachs ist reizvoll, kann anfangs aber verwirren. Oft dauert es ein, zwei Semester, bis man einen Überblick darüber hat, was alles zur Soziologie gehört. Hinzu kommt, dass jede Hochschule eigene Schwerpunkte setzt und sich beispielsweise auf Umweltthemen, Gender oder Bildung konzentriert. "Kein Student kommt jedoch um Mathe und Statistik herum, denn ohne diese Kenntnisse kann man Daten und Erhebungen nicht interpretieren", sagt Brüderl. Wie viel und wie anspruchsvoll gerechnet wird, hängt von der jeweiligen Universität ab.

Soziologiestudenten sollten Freude daran haben, komplexe Gedankengänge in den Theorietexten nachzuvollziehen und auf der Grundlage ihres Wissens eigenständig Überlegungen zu entwickeln. "Außerdem sollten sie sich klar darüber sein, dass sie viele Texte verfassen müssen, in denen es darauf ankommt, klar und strukturiert zu argumentieren", so Brüderl.

Häufig wird angenommen, Soziologen seien später als Sozialarbeiter tätig. Darauf bereitet jedoch nicht das Soziologiestudium, sondern das Studium der Sozialen Arbeit vor.

Viele Unis haben in Soziologie einen NC, der im Zweierbereich liegt. Zum Teil werden die Deutsch- und Mathenoten im Abi-Zeugnis stärker gewichtet, manchmal müssen die Bewerber Aufsätze schreiben oder Tests absolvieren.