Workshops und Tests helfen, es herauszufinden.

Du hast das Abi (bald) in der Tasche? Dann stehst du vor einer riesigen Auswahl: Mehr als 100 Unis und über 200 Fachhochschulen bieten Studienanfängern in Deutschland rund 10.000 Studiengänge an. Ins Ausland gehen kannst du auch. Oder eine Ausbildung machen. Obendrein ist das Netz voll mit Informationen zu Studiengängen und Ausbildungsberufen.

Dank der vielen Möglichkeiten hast du große Chancen, etwas zu finden, was richtig gut zu dir passt. Die enorme Auswahl macht das Entscheiden aber auch schwierig, denn wenn man sich festlegt, ist da schnell das Gefühl, vielleicht etwas zu verpassen, was noch besser ist. Viele Abiturienten erleben die Suche nach dem Traumstudium mit der Zeit als frustrierend. Sie hängen tagelang vor dem Rechner, aber je mehr Möglichkeiten sie entdecken, desto unsicherer werden sie. Der Sprachstudiengang in Berlin? Oder doch besser zur Polizei? Logistik soll gute Berufschancen bieten ... Sie hüpfen von einer Option zur nächsten, jede Entdeckung ein kleiner Adrenalinstoß. Doch fast genauso schnell wie die Freude über den neuen Treffer kommen Zweifel – und beim ersten Gegenargument lassen sie die Idee wieder fallen.

Klicken, jubeln, zweifeln

Wenn du diese Spirale aus klicken, jubeln und zweifeln vermeiden willst, lass den Rechner erst mal stehen, und überlege dir, was dir wichtig ist – beim Lernen, aber auch im Leben. Welchen Kriterien muss eine Ausbildung oder ein Studium genügen, damit du damit zufrieden und vielleicht sogar glücklich bist? Wenn du diese Kriterien benennen kannst, hast du einen großen Vorteil. Du besitzt dann nämlich einen Maßstab, mit dem du die verschiedenen Angebote bewerten und damit Ordnung ins Chaos bringen kannst.

Deine Ziele zählen!

Interessierst du dich zum Beispiel für andere Länder, kannst du später Studienangebote daraufhin abklopfen, ob sie eingebaute Auslandssemester und eine internationale Ausrichtung haben. Gibt es für dich nichts Schlimmeres, als früh aufzustehen, prüfst du, ob du bei einem Fach morgens um acht oder erst um elf in der Vorlesung sitzt. Hast du schon in der Schule nie eingesehen, warum du etwas lernen sollst, dessen praktischen Nutzen du nicht siehst, solltest du den Praxisbezug eines Studiengangs checken – oder darüber nachdenken, eine Ausbildung zu machen.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2017/18.

Als Erstes brauchst du also eine Art Katalog mit deinen persönlichen Prüfkriterien (für das Beispiel oben: Wie international ist der Studiengang? Um wie viel Uhr beginnt die Uni? Wie groß ist der Praxisbezug?). Im zweiten Schritt verschaffst du dir dann einen Überblick über das Angebot. Dafür gibt es nichts Besseres als das Internet. Im Anschluss daran checkst du deine "Kandidaten" anhand deiner Prüfkriterien. Dabei wirst du vielleicht merken, dass du zwar jede Menge Informationen hast, aber nicht immer die, die du brauchst. Es gibt also noch einen dritten Schritt. Du musst passende Informationen finden. Für deinen Entscheidungsprozess kannst du dir Unterstützung holen. Du musst dafür nicht viel ausgeben und wahrscheinlich auch nicht allzu weit fahren. Denn mittlerweile bieten viele Unis und Fachhochschulen neben der persönlichen Studienberatung günstige oder kostenlose Entscheidungsworkshops an. Sie tragen Titel wie "Abi – was nun?" oder "Orientierungsworkshop zur Studienwahl". Teils richten sie sich an alle Abiturienten, auch an diejenigen, die eine Ausbildung in Betracht ziehen, teils nur an Studieninteressierte. Die Angebote findest du meist über die Seiten der Studienberatung der Hochschule. Mal dauern die Workshops ein paar Stunden, mal ein oder zwei Tage. Um mitmachen zu dürfen, musst du später nicht an der jeweiligen Hochschule studieren.

Nicht nur für Unentschlossene

Die meisten Workshops konzentrieren sich darauf, den Teilnehmern zu helfen, ihre Ziele und Prioritäten herauszuarbeiten. Manche informieren aber auch allgemein übers Studieren oder über Studienangebote an der jeweiligen Hochschule. Oft gibt es weiterführendes Material, zum Beispiel Link-Empfehlungen. Am besten, du liest dir die Programmbeschreibung genau durch. Orientierungsworkshops sind übrigens nicht nur etwas für Unentschlossene. Auch wenn du schon weißt, was du machen möchtest, können sie dir helfen, deine Entscheidung zu überprüfen. Außerdem kannst du deinen einmal erarbeiteten Maßstab im Laufe der Jahre nutzen, um nachzusehen, ob du noch in die richtige Richtung steuerst.

Orientierungstests im Netz helfen dir ebenfalls dabei, mehr Klarheit zu gewinnen. Eine schnelle Einschätzung bietet der Studium-Interessentest von ZEIT ONLINE und der Hochschulrektorenkonferenz. Er ermittelt in 72 Fragen dein Interessenprofil und schlägt Studiengänge vor, die zu dir passen könnten. Andere Tests, zum Beispiel was-studiere-ich.de des Landes Baden-Württemberg oder borakel.de von der Ruhr-Uni Bochum, kombinieren die Selbsteinschätzung mit Fähigkeitstests. Du musst dann zum Beispiel Diagramme interpretieren, Konzentrationsaufgaben lösen oder sprachliche Aussagen prüfen.

Testergebnisse solltest du als Ausgangspunkt für deine weitere Suche verstehen. Am besten du tauschst dich mit vielen Menschen darüber aus – mit Studienberatern genauso wie mit deinen Eltern, Lehrern und Freunden.