Fünf Studenten berichten

... Schweden

In Berlin brauche ich über eine halbe Stunde, um ins Grüne zu kommen. Hier bin ich mittendrin: Ich wohne 150 Meter vom Meer entfernt, am nördlichsten Zipfel der Ostsee, der Polarkreis ist nicht weit. Luleå ist eine beschauliche Kleinstadt. Hier gibt es kaum Cafés, nur wenige Clubs – dafür aber Natur im Überfluss. Ich verbringe meine Wochenenden draußen, treffe mich mit Freunden zum Eishockeyspielen oder Schlittschuhlaufen auf der zugefrorenen Ostsee, mache Langlauftouren durch verschneite Winterlandschaften inklusive Hüttenabend oder ziehe los, um Polarlichter zu suchen. Das ist ein guter Ausgleich zur Uni. Denn hier werden während des Semesters ständig Leistungen abgefragt, und ich muss sogar noch viel mehr ackern als an meiner Heimat-Uni in Berlin.

Johannes Schwaderlapp, 21 studiert Physikalische Ingenieurwissenschaft an der TU Berlin und ist mit dem Programm Erasmus+ ein Semester in Luleå, Schweden.

... Polen

Ich hatte Wrocław gar nicht auf dem Zettel, als ich in Augsburg ins Auslandsamt meiner Uni gegangen bin. Ich wusste nur, dass ich gern irgendwo auf Englisch studieren wollte. Jetzt bin ich seit drei Wochen hier im Südwesten von Polen und habe in dieser Zeit schon mehr erlebt als in den drei Jahren meines Studiums in Augsburg. Die Stadt ist jung und voller Leben. Fast ein Viertel der Bewohner sind Studenten. Deswegen kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit etwas unternehmen. Konzerte, Kneipentouren, Partys – irgendwas ist immer los. In der Einführungsveranstaltung hat die Auslandskoordinatorin gesagt, dass es zwar wichtig sei, zu studieren, noch viel wichtiger aber sei es, zu leben, zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Ich bin gerade in vollen Zügen dabei.

Sina Lehnberger, 24, macht über Erasmus+ ein Auslandssemester in Wrocław, Polen. In Deutschland studiert sie an der Uni Augsburg Sozialwissenschaften.

... den USA

Ich habe noch nie so viel Zeit an der Uni verbracht, das ganze Leben findet hier statt. An der Boston University ist das Lernpensum hoch, da musste ich mich erst mal dran gewöhnen. Auch meine Freizeit verbringe ich auf dem Campus. Es gibt eine Sporthalle mit Schwimmbad und Fitnesscenter, die man umsonst nutzen kann, und etwa 500 Studenten-Clubs, die von Astronomie bis Yoga fast alles abdecken. Ich engagiere mich in einer Umweltgruppe. Wir wollen den Präsidenten der Universität überzeugen, die Uni-Gelder in erneuerbare Energien statt in Erdöl zu investieren, und planen gerade die nächste Aktion. Auch abends ist hier immer etwas los: Indischer Tanz, pakistanisches Essen – das Programm ist so bunt wie die Studentenschaft selbst. Das gefällt mir sehr.

Oskar Pfeffer, 20, studiert Physik an der TU Dresden. Er ist Stipendiat der Fulbright-Kommission und verbringt ein Auslandssemester in Boston, USA.

... Marokko

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2017/18.

Einer der schönsten Orte in Rabat ist unsere Wohnung! Die hat eine großzügige Terrasse, zwei Bäder, zwei Schlafzimmer und ein Wohnzimmer, das doppelt so groß ist wie mein Studenten-Apartment in Marburg. Ich wohne hier zusammen mit zwei Kommilitoninnen, einer Deutschen und einer Kenianerin, die sonst in England studiert. Nach einem anstrengenden Uni-Tag sitzen wir oft zusammen auf dem Sofa, essen Eis und schauen Netflix. Eine Wohnung zu finden war abenteuerlich. Aus Verzweiflung haben wir schließlich einen Taxifahrer gefragt, das löste einen Dominoeffekt aus: Taxifahrer, Hausmeister und Sicherheitsleute sind hier bestens vernetzt. Nach vier Tagen hatten wir ein neues Zuhause in Agdal, einem der modernsten Viertel hier. Zur Uni sind es zehn Minuten.

Sümeyye Dağlar, 23, ist in Rabat, Marokko, an der École de Gouvernance et d’Économie, einer Partner-Uni der Uni Marburg. Sie studiert Orientwissenschaften.

... China

Ich habe schon in der Schule angefangen, Chinesisch zu lernen. Inzwischen kann ich Small Talk machen und die Ansagen im Zug verstehen. Für Gespräche über Politik, Umwelt und Wirtschaft reicht mein Chinesisch allerdings noch nicht aus. Meine chinesische Tandem-Partnerin muss regelmäßig lachen, wenn ich wieder einen Satz verhaue. Aber ich nehme das sportlich, sage lieber etwas falsch und lerne es dann richtig, als den Mund überhaupt nicht aufzumachen. An sprachliche Eigenheiten muss man sich gewöhnen: etwa dass man unter Freunden selten "Hallo" sagt, sondern direkt ins Gespräch einsteigt. Oder dass beim Verabschieden immer einer sagt: "Ich gehe zuerst." Das ist eine Redewendung. Einmal habe ich geantwortet: "Ich gehe als Zweiter." Mein Gegenüber bekam einen Lachanfall.

Jan Deller, 20, studiert VWL an der Uni Kiel. Er verbringt mithilfe des China-Programms der Studienstiftung des Deutschen Volkes ein Auslandssemester in Peking.

Aufgeschrieben von Nele Justus