Zwei Studenten berichten.

Fachhochschule: "Unsere Dozenten kennen die Arbeitswelt"

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2017/18.

Sandra Schulze, 27, studiert BWL an der Hochschule Merseburg

Ich habe mich für eine Fachhochschule entschieden, weil ich dort schon nah am Berufsleben bin. Oft arbeiten wir mit Unternehmen zusammen. Zum Beispiel haben wir die Arbeitsabläufe eines Onlineshops analysiert und ihnen eine Software vorgeschlagen, mit der sie ihre Buchhaltung vereinfachen können. Unsere Dozenten kennen sich in der Arbeitswelt gut aus. Alle haben vorher lange in der Wirtschaft gearbeitet oder beraten immer noch Unternehmen. In den Vorlesungen bringen sie eigene Erfahrungen ein oder berichten von aktuellen Beispielen – man merkt, dass sie gern unterrichten. Wenn ich eine Frage habe, schreibe ich dem Dozenten eine E-Mail und bekomme binnen eines Tages eine Antwort. Die Hochschule ist klein, die Seminare sind es auch. Nie sitze ich mit mehr als 35 Teilnehmern in einem Raum. Oft kommen bei uns Manager zu Gastvorträgen, oder wir machen Exkursionen zu Firmen in der Region, sodass wir Kontakte für Praktika bekommen. Das sechste Semester ist unser Praxissemester, wir verbringen es komplett in einem Unternehmen. Viele meiner Mitstudenten wollen in der Gegend bleiben und sichern sich über die Praktika schon den Berufseinstieg. Ich bin da flexibler, aber ganz egal, wo ich mal arbeiten werde – ich fühle mich gut vorbereitet.


Universität: "Die Forschung hat mich angefixt"

Thomas Wünsch, 23, studiert BWL an der Uni Erlangen- Nürnberg

An der Universität habe ich viel Freiheit. Nur in wenigen Veranstaltungen gibt es eine Anwesenheitspflicht. Ich hatte schon immer Selbstdisziplin, aber im Studium musste ich sie noch weiter ausbauen. Bei Vorlesungen drängen sich oft mehrere Hundert Studenten im Saal, da fällt das Zuhören manchmal schwer. Ich organisiere meine Tage und Wochen selbstständig, habe zwei Nebenjobs und vertiefe die Gebiete meines Studiums, die mich interessieren. Des Öfteren verbringe ich zum Beispiel meine Wochenenden in der Uni-Bibliothek und lese in Magazinen über die Trends im E-Commerce. Neben der Selbstdisziplin habe ich noch eine zweite wichtige Fertigkeit an der Uni gelernt: wissenschaftliches Denken. Unsere Professoren forschen viel, sie hinterfragen und analysieren alles, und das färbt natürlich auf uns Studenten ab. Ein Professor für Nachhaltigkeitsmanagement zum Beispiel stellte uns neulich die Daten seiner neuen Studien vor und fragte uns, wie wir sie auswerten und interpretieren würden. Wir beschäftigen uns mit Fragen wie: Welche ökologischen Forderungen stellen heutzutage Verbraucher an Unternehmen? Wie verändern Umweltfaktoren das Leitbild von Firmen? Die Forschung hat mich regelrecht angefixt – ich kann mir gut vorstellen, später zu promovieren.