Jedes Jahr dieselben lästigen Fragen: Was will ich sehen, wie viel kann ich ausgeben? Das Überangebot der Grünen Woche macht es den Besuchern nicht leicht. Das wissen auch die Veranstalter der weltgrößten Verbraucherschau für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau und liefern auf ihrer Homepage Tour-Vorschläge mit Zeit- und Kilometerangabe. Am Donnerstagabend wurde die 75. Grüne Woche vom Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit und dem Landwirtschaftsminister des diesjährigen Partnerlandes Ungarn, József Graf, eröffnet. 26 Hallen stehen ab heute Besuchern offen.

Auch 2010 sind alle 115.000 Quadratmeter Fläche unter dem Funkturm ausgebucht. 1589 Aussteller aus 56 Ländern sind mit 110.000 Spezialitäten im Gepäck angereist. Vom 15. bis 24. Januar werden 400000 hungrige und neugierige Menschen erwartet, von denen jeder im Durchschnitt 100 Euro für Essbares und nicht Essbares ausgeben wird. Zum skurrilen Angebot gehören beispielsweise Wattwürmer von der Nordseeküste oder Weihnachtsbier, zu finden in Halle 12. Wer erfahren möchte, wie "Honig für Schwiegermütter" schmeckt, muss Halle 7.2b besuchen. Dort präsentiert sich auch erstmals Madagaskar – das Land, wo feuriger Zulu- und Swaili-Pfeffer wachsen. Das Motto ". . . immer wieder Hering" gilt im Fisch-Informationszentrum (Halle 14.1). Dort gewähren Gratisverkostungen und Kochvorführungen Einblick in die enorme Vielfalt der Speisen mit des Deutschen liebstem kalten Fisch.

Diesmal gibt es erstmals eine Fair-Trade-Halle (6.2), in der man zum Beispiel von der Röstung bis zum Aufbrühen alles über Kaffee lernen kann. Außerdem präsentiert ein Weltladen ein breites Produktsortiment: von Delikatessen über Haushaltsgeräte bis zur Verbraucherinformation stammt alles dort aus fairem Handel.

Wessen Magen nach kulinarischer Dauerbelastung durch australisches Emu-Steak (Halle 18), kanadisches Bisonfleisch (Halle 7.2c) und niedersächsische Tapas (Halle 5.2a) in Streik geht, kann beim Biofit-Programm auf der Bühne der BioMarkt-Halle (6.2) Kalorien verbraten und Platz für mehr schaffen: Fitnesstrainer demonstrieren mit welchen Übungen man in Form bliebt – und jeder ist herzlich eingeladen mitzumachen.

Dieses Jahr ist Ungarn Partnerland der Schau und ein Besuch der Halle 10.2 ein Muss. Dort nämlich genießt Ungarn die größte Präsenz eines Landes seit 1926, dem Geburtsjahr der Grünen Woche. 1600 Quadratmeter ist der Ländergemeinschaftsstand groß, die Halle erleben Besucher als stilisierte Landkarte Ungarns. Neben Agrar- und Lebensmittelprodukten kann man sich über Kultur- und Tourismusangebote informieren und beispielsweise die Flora der Region zwischen Donau und Theiß in Miniaturformat kennen lernen.

Die traditionsgemäß meist besuchte Halle ist die 21a, die Gemeinschaftsschau Brandenburg. Mit Bierkäse, Sanddornmandelöl, Apfelbier, Knabberstücken aus dünnem Rindfleisch, Spreewaldgurken mit Honiggeschmack und vielen anderen Neuheiten werben die 77 Brandenburger Aussteller um Aufmerksamkeit. Wie in den 20 Jahren zuvor bieten viele Agrarbetriebe nicht nur frische und gesunde Produkte an, sondern stellen sich auch als touristische Gastgeber vor. "Bei uns können sie nicht nur im Heu schlafen, sondern auch Traktor fahren und Wein aus Guben probieren", sagt Gesine Müller aus Lauschütz im Spree-Neiße-Kreis. So wie sie hoffen alle Aussteller auf viele persönliche Kontakte vor allem mit den Besuchern aus Berlin. Sie seien die wichtigsten Kunden auf Wochenmärkten, in Bio-Geschäften, in Hofläden oder in den Herbergen.

Dass es auf der Grünen Woche nicht nur um Freizeitvergnügen geht, verdeutlicht auch Christian Göke, Geschäftsführer der Messe Berlin, zum Auftakt: "Die Grüne Woche ist das Davos der Landwirtschaft", sagt er. Die internationale Bedeutung der Grünen Woche wachse, während im letzten Jahr 26 Agrarminister aus aller Welt anreisten, werden es in diesem Jahr voraussichtlich 46 sein. Die nehmen auch an dem vom 14. bis 16. Januar im ICC stattfindenden "Global Forum for Food and Agriculture" teil. Dort wird über die großen globalen Themen Welternährung und Klimawandel diskutiert. Am 16.1. findet in Saal 2 des ICC von 11 bis 13 Uhr das öffentliche internationale Agrarministerpodium "Landwirtschaft und Klimawandel – neue Konzepte von Politik und Wirtschaft" statt, wo jeder Interessierte eingeladen ist.