Grundschule in Berlin Acht Klötzchen sind schon zu viel
Berliner Grundschullehrer aus Brennpunktvierteln beklagen eklatante Defizite bei Kindern. Viele verstünden bei Vergleichsarbeiten nicht einmal die Fragen
Auf Berlins Grundschulen kommt eine spannende Diskussion zu: Am 28. April beginnen die diesjährigen Vergleichsarbeiten für rund 20 000 Drittklässler, und bis dahin müssen die Kritiker für sich entscheiden, ob sie die Arbeiten überhaupt schreiben lassen oder ob sie sich gegen ihren Dienstherren stellen.
"Wir diskutieren, ob ein Boykott Sinn macht", kündigte am Montag Jürgen Schulte an. Schulte ist Sprecher der Initiative "Grundschulen im sozialen Brennpunkt", die in einem offenen Brief an Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) vehemente Kritik an den Vergleichsarbeiten der Drittklässler geübt haben. So weisen sie darauf hin, dass die Kinder unnötig frustriert würden, wenn sie Aufgaben bearbeiten müssten, von denen sie nicht einmal die Fragestellung verstünden.
"Es ist für unsere Kinder intellektuell nicht zu schaffen", gab gestern auch die Leiterin der Neuköllner Sonnen-Grundschule, Renate Lauzemis, zu bedenken. Sie reiht sich damit ein in Gruppe von rund 15 Rektoren und über 1100 Lehrern, die mit ihrer Unterschrift die Ablehnung der Vergleichsarbeiten am Montag gegenüber Zöllner formuliert hatten. Lauzemis hält es für nicht machbar, dass die Grundschulen "das aufholen, was die Familien in fünf Jahren versäumt haben". So seien die Drittklässler nicht einmal imstande, visuell acht Klötze zu erfassen, die vor ihnen lägen. Stattdessen müssten sie sie einzeln nachzählen. Lauzemis sieht darin einen Hinweis darauf, dass den Kindern weitgehend die Frühförderung gefehlt habe.
Allerdings gibt es auch Gegenstimmen – etwa aus der angesehenen Erika-Mann- Grundschule in Wedding. Rektorin Karin Babbe sieht die Schulen in der Pflicht, die fehlende Frühförderung zu kompensieren. Das sei sehr wohl möglich, seitdem Grundschulen einen Ganztagsbetrieb hätten, findet Babbe, die überdies Vergleichsarbeiten für sinnvoll hält. "Sie sind eine gute Rückmeldung", meint die Rektorin. So erhielten die Grundschulen die Möglichkeit, die Leistungen unter den Parallelklassen zu vergleichen oder auch die Leistungen unter Grundschulen in ähnlichen sozialen Brennpunkten. So werde schnell deutlich, dass es auch in Brennpunkten Schulen gebe, die zu guten Ergebnissen kämen. Allerdings sei es wichtig, dass nicht jedes Jahr andere Aufgabentypen gewählt würden. Andernfalls könne man die Resultate nicht vergleichen.
Jens Stiller, der Sprecher der Bildungsverwaltung, kündigte an, dass die Verantwortung für die Vergleichsarbeiten von diesem Jahr an beim Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) liegen soll. Es werde daher für die geforderte Kontinuität gesorgt. Zu der Frage, ob Lehrer, die die Vergleichsarbeiten boykottieren, dienstrechtlich belangt werden, wollte Stiller sich nicht äußern.
Die Opposition sieht die Vergleichsarbeiten unterschiedlich. Während Sascha Steuer (CDU) und Özcan Mutlu (Grüne) dieses Instrument nur dann für richtig halten, wenn die Grundschulen über genügend Personal verfügten, meinte Mieke Senftleben (FDP), Vergleichsarbeiten seien in jeden Fall ein wichtiges Instrument.
Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 14. April 2010
- Datum 13.04.2010 - 15:35 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 27
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Ja, ohne Vorleistungen aus dem Elternhaus wird es in der Schule schwierig, für die Kinder, aber auch für die Lehrer. Interessant der Artikel in der Zeit Online Schüler brauchen starke Eltern für den Erfolg vom 6.4.2010, aufschlussreich die Kommentare der Leser. http://www.zeit.de/gesell...
So stellt sich nun die Frage, wie Kindergarten, Schulen und Betriebe/Unternehmen subsidiär die eigentliche Zuständigkeit in Rechten und Pflichten der Eltern zu tragen haben, wenn immer weniger Kinder nicht über eine erforderliche Schulreife und Jugendliche nicht über eine entsprechende Ausbildungsreife verfügen.
Wenn aber Wirtschaft und Unternehmen die Menschen nur als reine Ressource sehen und ausbeuten und dann in den Familien keine Zeit, kein Geld und keine psychischen und physischen Reserven mehr vorhanden sind, um eine vernünftige Erziehung und Charakterbildung der nächsten Generation zu gewährleisten, muss man sich nun auch nicht weiter wundern, wenn es jetzt dort an Grundlegendem fehlt.
Solange Familie und Berufstätigkeit nur schwer vereinbar sind in Deztschland, sind für die Kleinen acht Klötzchen zu viel.
Ein Boykott wäre unsinnig, die Aufmerksamkeit aufs Problem ist wichtig.
Seit Jahren werden die Berliner Schulen umgekrempelt mit systematischer Benachteiligung nicht deutschsprachiger Kinder. Jeder einzelne Lehrer kann nur mit extremer Verlangsamung des Erreichens der Lernziele reagieren.
Aber: die Augen vor dem Elend zu verschließen, hilft den Schülern nicht. Sie werden auch in Zukunft keinen Immigrationsbonus erhalten.
Es gibt valide Untersuchungen, welche Methoden für bildungsferne Schülern hilfreich sind - und welche nicht. Man muss die vorliegenden Studienergebnisse nur umsetzen.
Die Schuleingangsstufe zwingt zu indirekter, schülerferner Arbeit, direkte Instruktion ist in der Regel hilfreicher.
Schreiben lernen nach Gehör mittels Anlauttabelle ist Gift für Nichtmuttersprachler. Sie haben dann nichts, woran sie sich festhalten müssen. Dennoch ist es das am häufigsten angewandte Erstleseverfahren in Berliner Schulen.
Vergleicht man nun die Vergleichsarbeiten mit früheren Klassenarbeiten auch an Berliner Brennpunktschulen, war ein derartiges Niveau intellektuell durchaus zu schaffen.
Das Niveau in anderen Städte mit vergleichbarem Migrantenanteil wie München oder Stuttgart ist höher.
Man muss die Schüler vor allem richtig unterrichten.
Dazu gehört eine Grundschulpädagogik, die sich nicht vorrangig selbständiges Lernen auf die Fahnen schreibt, sondern ihren Schülern vor allem inhaltlich etwas beibringen möchte.
Davon würden dann auch deutschsprachige Kinder profitieren.
Natürlich muss man die 8 Klötze einzeln zählen. Wie soll es denn sonst gehen?
Wie wäre es mit 2x4 oder 4x2 oder 4 4 oder 3 5?
Nehmen Sie sich selber mal 10 Klötze werfen sie durcheinander und achten darauf, dass Sie wissen wie viele es sind bevor Sie sie durchgezählt haben.
Zum Thema:
Die Kinder und Jugendliche könnten viel mehr, wenn sie einfach aus ihrer Konsumhaltung herausfänden. Weniger Fernsehen, weniger Computer(-spielen), mehr Basteln, mehr Toben und Tollen, Sport, Musik, Cowboy und Indianer, Hobbies und so weiter und so fort...
Und genau da sind die Eltern gefragt. Die zum Großteil, sofern ihre Kinder diese Schwierigkeiten haben, selbst nur konsumieren und als schlechtes Beispiel vorangehen.
Wie wäre es mit 2x4 oder 4x2 oder 4 4 oder 3 5?
Nehmen Sie sich selber mal 10 Klötze werfen sie durcheinander und achten darauf, dass Sie wissen wie viele es sind bevor Sie sie durchgezählt haben.
Zum Thema:
Die Kinder und Jugendliche könnten viel mehr, wenn sie einfach aus ihrer Konsumhaltung herausfänden. Weniger Fernsehen, weniger Computer(-spielen), mehr Basteln, mehr Toben und Tollen, Sport, Musik, Cowboy und Indianer, Hobbies und so weiter und so fort...
Und genau da sind die Eltern gefragt. Die zum Großteil, sofern ihre Kinder diese Schwierigkeiten haben, selbst nur konsumieren und als schlechtes Beispiel vorangehen.
Wie wäre es mit 2x4 oder 4x2 oder 4 4 oder 3 5?
Nehmen Sie sich selber mal 10 Klötze werfen sie durcheinander und achten darauf, dass Sie wissen wie viele es sind bevor Sie sie durchgezählt haben.
"visuell Erfassen"
Dies sagt nichts über eine Anordnung aus, also ist von einer zufälligen Verteilung der Klötzchen auszugehen.
Bevor ich also eine sichere Aussage über die Menge der Klötze treffen kann, muss ich sie zählen. Erst dann kann ich eine Rechenaufgabe daraus ableiten.
Sie können es gerne selbst ausprobieren. Greifen Sie in ihr Portemmonaie, holen Sie eine zufällige Anzahl Münzen heraus und legen diese vor sich auf den Tisch, ohne dabei zu zählen. Sie werden feststellen, dass Sie - wie auch immer - erst jede Münze einzeln zählen müssen, bevor Sie eine Aussage über die Anzahl der Münzen treffen können.
"visuell Erfassen"
Dies sagt nichts über eine Anordnung aus, also ist von einer zufälligen Verteilung der Klötzchen auszugehen.
Bevor ich also eine sichere Aussage über die Menge der Klötze treffen kann, muss ich sie zählen. Erst dann kann ich eine Rechenaufgabe daraus ableiten.
Sie können es gerne selbst ausprobieren. Greifen Sie in ihr Portemmonaie, holen Sie eine zufällige Anzahl Münzen heraus und legen diese vor sich auf den Tisch, ohne dabei zu zählen. Sie werden feststellen, dass Sie - wie auch immer - erst jede Münze einzeln zählen müssen, bevor Sie eine Aussage über die Anzahl der Münzen treffen können.
Zum Thema:
Die Kinder und Jugendliche könnten viel mehr, wenn sie einfach aus ihrer Konsumhaltung herausfänden. Weniger Fernsehen, weniger Computer(-spielen), mehr Basteln, mehr Toben und Tollen, Sport, Musik, Cowboy und Indianer, Hobbies und so weiter und so fort...
Und genau da sind die Eltern gefragt. Die zum Großteil, sofern ihre Kinder diese Schwierigkeiten haben, selbst nur konsumieren und als schlechtes Beispiel vorangehen.
"visuell Erfassen"
Dies sagt nichts über eine Anordnung aus, also ist von einer zufälligen Verteilung der Klötzchen auszugehen.
Bevor ich also eine sichere Aussage über die Menge der Klötze treffen kann, muss ich sie zählen. Erst dann kann ich eine Rechenaufgabe daraus ableiten.
Sie können es gerne selbst ausprobieren. Greifen Sie in ihr Portemmonaie, holen Sie eine zufällige Anzahl Münzen heraus und legen diese vor sich auf den Tisch, ohne dabei zu zählen. Sie werden feststellen, dass Sie - wie auch immer - erst jede Münze einzeln zählen müssen, bevor Sie eine Aussage über die Anzahl der Münzen treffen können.
Bei weniger als vier oder fünf Objekten kann man (als Erwachsener) deren Anzahl normalerweise direkt "erfassen", ohne jedes einzelne zählen zu müssen. (Im Englischen nennt man dies "subitizing", eine deutsche Übersetzung kenne ich nicht.)
Aber bei acht zufällig angeordneten Objekten müssen vermutlich die meisten Menschen zählen.
Bei weniger als vier oder fünf Objekten kann man (als Erwachsener) deren Anzahl normalerweise direkt "erfassen", ohne jedes einzelne zählen zu müssen. (Im Englischen nennt man dies "subitizing", eine deutsche Übersetzung kenne ich nicht.)
Aber bei acht zufällig angeordneten Objekten müssen vermutlich die meisten Menschen zählen.
Es soll ja primär getestet werden was die Schüler gelernt haben. Dabei geht es nicht darum irgendwelche Weichenstellungen für die Schüler zu machen. Es geht darum zu messen, wie gut die Schulen Wissen vermitteln.
Die Ergebnisse können aber SEHR wertvoll sein um Schulen die - zum Leidwesen ihrer Schüler - hinterherhinken wieder an das Leistungsniveau vergleichbarer Schulen heranzuführen. Ich denke das es sehr erhellend sein kann Schulen mit hohem Migrantenanteil zu identifizieren, deren Schüler gute Leistungen liefern. Dann wäre der nächste Schritt zu überlegen wie diese Erfolgsrezepte auf andere vergleichbare Schulen übertragen werden können.
Niemand möchte ein Auto kaufen das keine Qualitätskontrollen durchlaufen hat. Warum sträubt sich so viele gegen Qualitätskontrollen bei Schulen?
Es geht um unsere Zukunft, die Kinder!
Vor Jahren konnten auch Schüler aus schwachen Familien Lesen lernen. Warum das heute nicht geht?
Methodenhickhack schon in der Grundschule, selbständiges Lernen überfordert so junge Kinder oft, Gruppenarbeit überfordert oft ebenso, Schüler werden mit Zettelwirtschaft erschlagen, anstatt dass einfach nach dem Schulbuch gearbeitet wird, usw. usf..
Ständig wird eine neue Lernmethode als Nonplusultra vorgestellt, das überfordert auch muttersprachlich deutsche Kinder.
Also liebe Kultusbehörden, einfach Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichten lassen, 4 Jahre, immer wieder üben, dann klappt es auch mit der Integration und es ist allen geholfen.
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