Frage: Immer wieder sind wir mit neuen Infektionserregern konfrontiert. Man denke an den Atemwegskeim Sars , an die Vogel- und die Schweinegrippe – und jetzt Ehec .

Jörg Hacker: Wir leben nicht in einer keimfreien Welt. Mikroorganismen verändern sich, variieren ihr Genom, suchen sich neue Übertragungswege. Wir beobachten eine Zunahme der Zoonosen, der Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übergehen. Hinzu kommt die Globalisierung.

Frage: Unterschätzen wir die Gefahren aus der Natur?

Hacker: Wir wiegen uns in einem falschen Gefühl der Sicherheit, wenn wir auf Reisen sind. Man vergisst leicht, dass man in fremden Ländern mit Mikroben konfrontiert ist, gegen die man nicht so gut geschützt ist. Man sollte wichtige Hygieneregeln nicht außer Acht lassen und nicht vergessen, Impfungen aufzufrischen. Louis Pasteur, der Pionier der Infektionsforschung, hat gesagt: Die Mikroben haben das letzte Wort.

Frage: Kann der Ehec-Keim auch im Menschen entstanden sein?

Hacker: Darüber kann man nur spekulieren. Es hat einen genetischen Austausch zwischen Bakterien gegeben. Das kann auch im Rind geschehen sein.

Frage: Welchen Vorteil hat es für den Keim, einen Giftstoff wie das Shiga-Toxin zu bilden?

Hacker: Rindern kann das Gift nichts anhaben. Man nimmt an, dass die Bakterien es als Waffe gegen andere Mikroorganismen einsetzen, etwa Protozoen. Das sind Einzeller, die im Gegensatz zu Bakterien einen Zellkern besitzen. Anders als das Rind reagiert der Mensch empfindlich auf das Gift.

Frage: Vermutlich verbreitete sich der Keim über einen Bio-Gemüsehof. Ist "Bio" gefährlich?

Hacker: Lebensmittel müssen gut produziert und ihre Qualität kontrolliert werden, das gilt für "biologisch" ebenso wie konventionell erzeugte Produkte.

Erschienen im Tagesspiegel