Der frühere Chef der Vatikanbank, Ettore Gotti Tedeschi © Tiziana Fabi/AFP/GettyImages

Keine Schnüffeleien! Mit einer ebenso knappen wie entschiedenen Erklärung will der Vatikan verhindern, dass italienische Staatsanwälte vertieft gegen die päpstliche Hausbank, das "Institut für Religiöse Werke" (IOR), ermitteln. Man sei ein souveräner Staat, dessen international garantierte Rechte eingehalten werden müssten, stellt der Vatikan fest.

Die Angst des Vatikans kommt nicht von ungefähr. Denn den italienischen Ermittlern hat sich eine einzigartige Informationsquelle aufgetan: Bei der Durchsuchung von Haus und Büro des gefeuerten IOR-Chefs Ettore Gotti Tedeschi sind den Staatsanwälten 47 Ordner mit Material in die Hände gefallen, unter anderem ein etwa 200-seitiges Dossier, in dem der frustrierte Banker sein Wissen aus dem Inneren der Vatikanbank zusammenfasst. Mit diesem Papier wollte Gotti Tedeschi sich gegen seine Entlassung vor drei Wochen wehren; es sollte an den Papst und – "für den Fall, dass mir etwas zustößt" – an einen Journalisten gehen. Der aus externen Bankfachleuten bestehende Aufsichtsrat des IOR hatte Gotti Tedeschi am 24. Mai wegen unzureichender Erfüllung seiner Amtsgeschäfte das Misstrauen ausgesprochen. Der übergeordnete Kardinalsrat hatte ihm daraufhin seine Entlassung mitgeteilt.

Die Staatsanwaltschaft Rom hofft nun, dank Gotti Tedeschis Aufzeichnungen einige Schwarzgeldaffären klären zu können. Im Zug der Ermittlungen hat sie bereits einmal 23 Millionen Euro des IOR beschlagnahmt: Herkunft und Zweck dieser Gelder seien nach den internationalen Regeln gegen Geldwäsche nicht hinreichend belegt, hieß es damals im September 2010.

Mit Ermittlern kooperiert

Um größeren Imageschaden abzuwenden, eilte deshalb der damalige IOR-Präsident Gotti Tedeschi seinerzeit zur römischen Staatsanwaltschaft; er wollte Transparenz schaffen und eventuell auch über geheimnisumwitterte anonyme Konten beim IOR reden. Genützt hat es nicht viel: Die Millionen blieben zehn Monate gesperrt; Italien gab sie erst frei, als der Vatikan sich selbst ein strenges Gesetz gegen Geldwäsche auferlegt hatte.

Gotti Tedeschi aber begann damals in Ungnade zu fallen. Die Chefpolitiker im Vatikanstaat nahmen es ihm übel, dass er so freimütig mit den Ermittlern eines anderen Staates zusammengearbeitet hatte. Der Vatikan konnte damals aber auch nicht so tun, als sei nichts. Und so feuerte er Angelo Balducci, der den honorigen Titel eines "Ehrenmanns Seiner Heiligkeit" trug. Balducci, oberster Berater des Vatikans in Immobilien- und Anlagefragen sowie gleichzeitig Chef der italienischen Behörde für alle staatlichen Aufträge, hatte mit römischen Bauunternehmern gekungelt und – den Ermittlungen nach – etliche Millionen vor den italienischen Steuerfahndern beim vatikanischen IOR versteckt.