Unsere Sprache ist Jahrhunderte alt, aber behandelt wird sie wie ein Kleinkind. Pausenlos sorgt sich jemand um ihr Wohlergehen und will sie einsperren, auf dass sie nicht verkomme. Sonst kommen ihre selbsternannten Kindermädchen, und ihr Weh und Ach ist laut. Man wolle sie doch nur beschützen! Sie sei Kulturgut, und auf das ist man stolz.

Und wenn man in Deutschland auf etwas Wichtiges stolz ist und es bewahren will, kommt es ins Grundgesetz, damit sich keiner dran vergehe. Es sichert unsere Meinungsfreiheit, die Gleichheit des Menschen, die Freiheit von Forschung und Lehre. Und das mit Recht.

Nun soll auch das lebhafte Kind Sprache hinein. Das forderte Saarlands Ministerpräsident Peter Müller, und auf dem CDU-Bundesparteitag stimmten ihm die meisten Delegierten zu. Eine Aufnahme ins Grundgesetz sei ein Bekenntnis zur deutschen Sprache, sagte Müller, und so weihevoll und einleuchtend es manchen klingen mag, stellt sich die Frage: Warum eigentlich?

Muss Müller sich so offensiv zu etwas bekennen, was doch niemand abschaffen will? Und wogegen will die CDU sie überhaupt schützen? Bereits im Februar beschwerte sich die Berliner Union über das verlotternde Deutsch. Die Anglizismen seien Schuld! Die Handys! Das Internet!

So diffus die Anschuldigungen, so zuverlässig stand mal wieder der Verein Deutsche Sprache vor der Tür und gab Rat, wie einige der bösen englischen Worte künftig zu übersetzen seien: Airbag wird zu Prallkissen, Bodybuilder zu Körperbildner und Cheerleader zu Jubelmädchen.

Was alle Sprachwächter jedoch gern vergessen: Sprache ist kein Gegenstand, kein absoluter Wert, wie die, die sonst im Grundgesetz stehen. Sie verändert sich allein dadurch, dass man sie benutzt. Egal, woher die neuen Worte hineindrängen – sie werden entweder angenommen oder nach kurzer Zeit verworfen. Eine gesprochene Demokratie, ob man jetzt Coffee to go sagen will oder eben Kaffee zum Mitnehmen.