Diese Bäuerin scheint ihren Tieren Liebe entgegen zu bringen, aber das Kalb ist zum späteren Verzehr bestimmt. ©Hulton Archive/Getty Images

Wie kamen Sie zum Veganismus? Eine von vielen Fragen, die wir unseren Lesern gestellt haben. Bis heute haben uns rund 200 Leserartikel erreicht.

Unsere Auswertung erhebt keinen empirischen Anspruch, lässt aber Tendenzen erkennen und erlaubt Rückschlüsse wie diesen: Veganismus ist durchaus ein Trend, dessen konsequente Umsetzung seine Vertreter zwar vor jede Menge Herausforderungen stellt, aber nicht mehr mit Unverständnis und Ausgrenzung konfrontiert. Vielleicht weil Veganer selbst nicht mehr den Anspruch auf Überlegenheit haben, der Nichtveganern in der Vergangenheit den Zugang erschwerte. Unsere Leser meinen: Veganismus ist für alle da – auch für Nichtveganer.

Rund 90 Prozent der Leser nennen als Auslöser für ihre Hinwendung zum Veganismus die Tierhaltung. Für manche spielen zusätzlich gesundheitliche Gründe eine Rolle, zum Beispiel Rheuma, Schlaganfall oder Allergien. Selten entscheiden sich Leser dem Partner oder der Familie zuliebe für den Veganismus, nur einzelne Leser nennen als Grund Eitelkeit, Neugier auf etwas Neues oder die Herausforderung, sich dem Verzicht zu stellen.

Tierhaltung und die Grenzen des Vegetarismus

Eine erste Welle von Veganern scheint vor rund 20 Jahren entstanden zu sein, als Informationen über Tierhaltung und die Lebensmittelindustrie verfügbar wurden. "Plötzlich gab es in meinem Haushalt Kabelfernsehen. Ein Bericht über Tiertransporte jagte den nächsten", erinnert sich etwa dipaca. Die meisten Leser waren zunächst Vegetarier, fanden dann aber, dass es damit nicht getan sei: "Auch die Milchkuh wird gehalten und unterworfen. Wenn ich Tierprodukte esse, unterstützte ich diesen Unterwerfungsgedanken", schreibt momosika.

Auffällig ist, dass viele Leser den Schritt vom Vegetarismus zum Veganismus innerhalb der letzten fünf Jahre vollzogen haben und dafür spezifische Auslöser nennen: den Dokumentarfilm Earthlings zum Beispiel, und vor allem das Buch Tiere essen von Jonathan Safran Foer. Über dessen Lektüre schreibt claudigoesvegan: "Als Vegetarierin, so dachte ich mir, habe ich ja nichts zu befürchten. Ich weiß ja, wie brutal Fleisch hergestellt wird. Dass ich kurz darauf Veganerin werden würde, hätte ich nicht für möglich gehalten. Detailliert wird auf die Herstellung und Produktion von Milch und Eiern eingegangen. Kälbchen, die gleich nach der Geburt ihren Müttern entrissen werden? Die wiederum dauerhaft schwanger gehalten werden, um noch mehr Milch zu produzieren? Männliche Küken, die, da unbrauchbar, geschreddert werden? Ich war 28 Jahre alt, seit 20 Jahren Vegetarierin und meine vegetarische Seifenblase wurde durch ein Buch zerstört."

Massentierhaltung - Leser fragen Jonathan Safran Foer


Selbstbestimmung und Achtung vor dem Leben

Das Bewusstmachen von größeren Zusammenhängen brachte viele Leser dazu, sich mit tier-ethischen Fragen auseinanderzusetzen. "Die Entscheidung, vegan zu leben, traf ich nach dem Lesen des Buches Praktische Ethik von Peter Singer", erinnert sich Mr. Smeik. "Singer ist ein Vertreter des Präferenzutilitarismus. Dabei wägt man die Interessen aller leidensfähigen Wesen ab, die bei einer Entscheidung betroffen sind. Ich habe mich also gefragt, ob mein Interesse, Eier und Milchprodukte zu konsumieren, wirklich größer ist, als das Interesse der Tiere, Leiden zu vermeiden. Die Interessen leidensfähiger Lebewesen zu ignorieren oder als minderwertig zu werten, ist ethisch nicht haltbar."