Mittlerweile wissen wir, dass kaum etwas so sehr die Gemüter erhitzt wie Beiträge, die Ernährungsfragen betreffen, vor allem, wenn es um Fleischkonsum geht. Bei den Vorbereitungen zu unserer Themenwoche Veganes Leben stellten wir uns deshalb auf emotionale Debatten und empörte Reaktionen im Kommentarbereich und in den sozialen Medien ein. Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

@Vloid_Lenka entfolgt ZEIT ONLINE auf Twitter, weil sie die vegane Woche "einfach nur übertrieben" findet: "Ist Zeit Online jetzt zur Plattform für Weltverbesserer und Missionare verkommen?" Auf Facebook bietet Philipp Schmieta den Veganern eine Erklärung für ihr schlechtes Image: "Ihr seid so unbeliebt bei den Fleischessern, weil ihr euch als die besseren Menschen darstellt."

Ein Gegengewicht zu derartigen Kommentaren bilden die etwa 400 eingesandten Leserartikel. Darin berichten Leser über ihr Verständnis von Veganismus und zeichnen ein sehr gemäßigtes Bild. Auch Kritiker äußern sich konstruktiv und besonnen. Und auch im Kommentarbereich finden immer wieder Veganismus-Befürworter und -Gegner in einen konstruktiven Dialog, wie zum Beispiel in unserer #echtzeit-Debatte mit Autor Andreas Grabolle.

Veganes Leben ohne erhobenen Zeigefinger

Die vielschichtige Debattenkultur zum Thema Veganismus hat uns bewogen, uns einmal in der veganen Blogosphäre und den sozialen Netzwerken umzuschauen. Erste Feststellung: Das Thema ist im deutschen Web weniger populär, als man angesichts seiner Wirkmacht annehmen könnte. Nur verhältnismäßig wenige Ergebnisse fördert auf Twitter das Hashtag Veganismus zutage. Das Monopol auf Veganes in sozialen Medien liegt eindeutig im anglophonen Raum. Das stellt fest, wer das Hashtag Vegan eingibt, die Likes von Seiten auf Facebook zählt oder die Abonnenten veganer Kanäle auf YouTube.

Trotzdem befassen sich auch in Deutschland Hunderte Blogs, Facebook-Gruppen und Twitter-Accounts mit veganer Lebensführung. Auf führenden Blogs der Szene wie einbisschenvegan.de und claudigoesvegan.de spürt man nichts von der dogmatischen Pedanterie oder dem missionarischen Eifer, die den Szenemitgliedern oft unterstellt werden. "Veganes Leben ohne erhobenen Zeigefinger", bewirbt Kathrin Tetzlaff aus Mölln von einbisschenvegan.de in ihrem Twitterprofil denn auch ihr Blog.

Veganismus ist kein Wettbewerb

Kathrin schreibt seit 2011 über ihren Lebensstil, gibt Tipps zu veganer Ernährung und Mode und zu fair gehandelten veganen Kosmetikprodukten. Konsequent vegan lebt sie nicht. Veganismus sei halt kein Wettbewerb, findet sie. Mit ihrem Blog will sie ihren Lesern Anregungen zu kleinen Veränderungen im Alltag geben und sich mit ihnen austauschen. Wenn sie sich ihre Statistiken ansieht, erschrickt sie manchmal, weil so viele ihre Beiträge lesen.

Auch Claudia Renner von claudigoesvegan.de, seit 1990 Vegetarierin, seit 2011 Veganerin, entdeckte im Internet, was ihr im Freundeskreis fehlte: Gleichgesinnte. Dass unter ihren Lesern nicht nur Veganer sind, sondern auch Freunde der Fleischeslust, freut Claudia besonders. Auch ihr ist ein undogmatischer Umgang mit der Thematik ein Anliegen.