Die meisten Blogs und Onlineportale zum Veganismus sind in den letzten drei Jahren entstanden. Blogs wie averyveganlife.de, die Facebookseite der Vegan Guerilla, das Infoportal berlin-vegan.de oder Kochblogs wie eat-this.org, sie alle verstärken den Eindruck: es gibt einen neuen Typus Veganer.

Die neuen Veganer pflegen keinen Überlegenheitsmythos. Sie gehen nicht mit ihren politisch-moralischen Ansprüchen hausieren und sie begreifen Veganismus nicht als Ideologie. Statt Appellen gibt es Kochrezepte, statt KZ-Vergleichen eine entspannte Haltung. Die neuen Veganer sind jung, meist weiblich, gebildet, gut organisiert und selbstbewusst.

Um ihre Reichweiten zu erhöhen und Kompetenzen zu bündeln, schließen sich die jungen Blogs in Kollektiven wie dem Vegan Blogger Collective oder Deutschland is(s)t vegan zusammen. Das Portal bietet neben Beiträgen über den veganen Lebensstil auch viele Serviceangebote wie Veranstaltungskalender und Karten, auf denen vegane Restaurants oder Märkte verzeichnet sind.

Mord, Mord, Mord!

Das Verdikt vom arroganten Veganer ließe sich getrost beiseite wischen, wären da nicht noch die anderen: Seit Langem in der Tierrechtsszene aktive Veganer, die jede Tötung von Tieren als Mord bezeichnen – auch die der Mücken und Fliegen, die bei der Autobahnfahrt auf der Windschutzscheibe zerplatzen.

Es müssen Aktivisten wie Achim Stößer sein, die mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit für den schlechten Ruf der Szene verantwortlich sind. Stößer, Jahrgang 1963, betreibt zwei Webseiten, auf denen er als Antispeziesist auftritt. Auf seinem Blog Vegetarier sind Mörder liest man zum Beispiel: "Nicht nur durch Leichenfressen, sondern auch durch den Konsum von 'Milch', 'Eiern' und 'Honig' [sic] wird Mord an Säugetieren, Vögeln bzw. Bienen in Auftrag gegeben." Und im FAQ antwortet er auf die Frage, ob denn Vegetarier nicht zumindest auf dem richtigen Weg seien: "Wie richtig kann ein Weg sein, der über Leichen führt, wenn ein einfacher Sprung zum Veganismus führen wird." Arrogant? Zumindest undiplomatisch.

Das radikale Verdienst

Trotzdem: Ohne Radikale wie Stößer gäbe es wahrscheinlich heute keine Ausdifferenzierung der Szene. Als der Philosoph Peter Singer mit seinem Buch Die Befreiung der Tiere 1975 den Tierrechtsdiskurs in Deutschland anfachte, konkurrierten viele neue Diskurse lautstark um Aufmerksamkeit. Die Ideen der Grünen oder der Frauenrechtsbewegung gehören heute nur deswegen zum bildungsbürgerlichen Standardrepertoire, weil sie in ihrer Frühzeit nicht ungehört verhallten.

Vorkämpfern wie Stößer ist es zu verdanken, dass die Anliegen von Veganern und Tierrechtlern populär werden konnten. Den Veganern der neuen Generation genügt es, wenn andere sich mit ihren Ideen beschäftigen.

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