Selten hat ein Leserartikel so viele Reaktionen hervorgerufen wie der Bericht von Leserin Steffi Arendsee über ihre Dating-Erlebnisse. Die Autorin beklagte, die Männer ihrer Generation seien bindungsscheu und unsicher – und erntete viel Kritik, aber auch Zustimmung. In unserem Kommentarbereich und auf Facebook entwickelten sich lebhafte Debatten, per E-Mail erreichten uns weitere Leserstimmen.

Wir haben daraufhin noch einmal gezielt nachgefragt, was unsere Leser über Unverbindlichkeit bei der Beziehungsanbahnung denken. Wir wollten wissen, ob Unverbindlichkeit überhaupt vermeidbar ist, wenn man einen potenziellen Partner gerade erst kennengelernt hat. Und ob es dabei Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Eine Auswahl an Leserstimmen finden Sie hier.

Es gibt keine "richtige" Weise, keinen "richtigen" Moment, keine "richtigen" Worte, dem Gegenüber zu sagen, dass aus dieser Bekanntschaft nichts wird. Nichts zu sagen oder einen abzufertigen mit den Worten: "Ich hab grad viel zu tun, aber ich melde mich, wenn ich wieder Zeit habe" und es dann nicht zu tun, ist andererseits verletzend und zeugt von Feigheit. Es ist aber mittlerweile zum Alltag geworden. Das "nicht antworten" wurde neu definiert und bedeutet nun eine Antwort, und zwar eine ganz bestimmte ... Das muss einem erst mal klar werden.
Anne Wawrzinek, per E-Mail

Ich erlebe eigentlich sehr oft in meinem Umfeld, in dem die meisten unter 30 sind, dass Menschen sich auf unverbindliche Geschichten einlassen – und zwar sowohl Männer als auch Frauen. Ich sehe da auch keine Unterschiede in der Vorgehensweise. Ich selbst war schon in beiden Rollen, also einmal als Hingehaltene und einmal als Unverbindliche. Das Unverbindlichsein habe ich damals bei einer Freundschaft-Plus-Geschichte, zumindest meiner Meinung nach, offen kommuniziert. Natürlich ist es trotzdem irgendwie schiefgegangen, denn nach einigen Monaten stellte sich bei der anderen Person doch die Frage nach einer festen Beziehung. Aber trotz vorhandener Gefühle, übrigens auch von meiner Seite aus, war es einfach nicht das, was ich damals suchte. Und so endete es dann auch wieder mehr oder weniger dramatisch. Ich kenne aber auch Gegenbeispiele, bei denen solche Affären und Abmachungen recht unkompliziert verlaufen sind und eher auf natürliche Art und Weise endeten, weil sich einer von beiden dann doch anderweitig verliebt hat. Vielleicht entspricht es dem Zeitgeist der Freiheit, unverbindlich sein zu wollen. Vielleicht ist es aber auch die Angst vor einer engen Bindung und möglichen Verletzungen, die echte Bindung verhindert. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, bewundere aber all diejenigen, die lange, monogame und glückliche Beziehungen führen können.
Kommentar von majim86

Natürlich gibt es Männer, die sich tatsächlich nicht binden wollen. Das finde ich aber nicht schlimm, denn es muss ja nicht jeder Interesse an einer festen Beziehung haben. Eine Romanze, eine Affäre, ein One-Night-Stand, auch solche Geschichten können schon richtig viel Spaß machen. Daneben gibt es auch Männer, die lieber sagen "Ich will mich nicht binden" als "Ich steh halt nicht so richtig auf dich". Weil sie einen nicht kränken wollen oder den Mut zur Wahrheit nicht haben. Und dann gibt es ja noch jede Menge Männer, die sich binden wollen. Wie man an all den Paaren erkennen kann.  
Kommentar von keats