Wer als junger Mensch in einer Großstadt lebt, bekommt leicht den Eindruck, dass man erst so richtig dazugehört, wenn man selbständig ist. Kreativer Freiberufler sollte man sein, Grafiker, Filmemacher, Social-Media-Stratege. Wenig Geld, dafür jede Menge Freiheit und Coolness.

Abseits der Kreativwirtschaft fehlt der Selbständigkeit oft jeder Glanz. Wer einen kleinen Lebensmittelladen oder Imbiss betreibt, arbeitet vielleicht bis zum Umfallen und lebt trotzdem auf Hartz IV-Niveau. Und in vielen Branchen werden seit Jahren feste Stellen abgebaut. Da bleibt oft keine andere Wahl, als sich als Selbständiger durchzuschlagen.

Auch wenn viele Selbständige genug verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, für Rücklagen oder Altersvorsorge reicht das Geld oft nicht. Hinzu kommt, dass die Sozialsysteme in Deutschland nicht auf geringverdienende Selbständige zugeschnitten sind. Der Regelbeitrag für die freiwillige Arbeitslosenversicherung etwa liegt bei 80 Euro – soviel zahlen Arbeitnehmer erst bei einem Bruttoeinkommen von über 5.000 Euro. So aber droht der Absturz auf Hartz IV, wenn die Aufträge ausbleiben. Und im Alter der Gang zum Sozialamt.

Sind Sie selbständig?

Wir möchten wissen, wie unsere selbständig tätigen Leser mit dieser Situation umgehen. Welche Herausforderungen müssen Sie als Selbständiger mit geringem Einkommen im Alltag bewältigen? Wie sorgen Sie für schlechte Zeiten oder Ihr Alter vor? Fühlen Sie sich vom Staat, den Auftraggebern oder den Gewerkschaften allein gelassen? Falls ja, welche Unterstützung wünschen Sie sich? Wie könnte man solchen Forderungen politisch Nachdruck verleihen? Sollte es in Deutschland eine Lobby für geringverdienende Selbständige geben?

Wenn Sie einen Erfahrungsbericht schreiben möchten, den wir als Leserartikel veröffentlichen können, nutzen Sie bitte unser Online-Formular oder senden Sie ihn an leseraufruf@zeit.de, Stichwort "Selbständige". Konkrete Vorschläge, wie man die Situation von Selbständigen verbessern könnte, sammeln wir im Kommentarbereich zu diesem Aufruf. Eine Auswahl der Einsendungen veröffentlichen wir in den kommenden Wochen. Außerdem planen wir, das Thema in Livedebatten mit Experten zu diskutieren.