Warum fotografieren Menschen neuerdings so gern das, was auf ihrem Teller landet, bevor sie es verspeisen? Und warum teilen sie die Fotobeweise ihrer kulinarischen Begegnungen, sogenannte "Foodies", dann auch noch auf Facebook? Diesen Fragen geht das Stück "Total leckerer Schnappschuss" nach. Wir wollten von unseren Lesern wissen: Machen Sie auch "Foodies", wenn Sie ins Restaurant gehen? Oder verdirbt Ihnen diese Form der digitalen Nahrungsaufnahme eher den Appetit? Die folgende Auswahl zeigt: Essen kann gleichzeitig faszinierend und schmerzhaft banal aussehen. Aber egal ob es in der Uni-Mensa oder im Sternerestaurant serviert wird: Essen auf Fotos gut aussehen zu lassen, ist ziemlich schwierig.


©Steffen Haesler

Ich mache regelmäßig "Foodies". Allerdings nicht im Restaurant, das finde ich unangemessen und auch belästigend. Dafür aber umso mehr, wenn ich zu Hause etwas Besonderes koche. Natürlich ist es in erster Linie die Freude und auch Angeberei, etwas Tolles gekocht zu haben. Dabei gebe ich mir aber nicht nur zu besonderen Anlässen Mühe, sondern auch im Alltag. Ein Foto vom "Werk" ist ein passender Abschluss, bevor es an das Essen geht. Dabei achte ich, auch wenn ich alleine esse, auf die Optik auf dem Teller.
Steffen Haesler


©Lars Rastede

Dieses Foto ist beim Vietnamesen Anh Thu in München-Schwabing entstanden. Meiner Meinung nach (viele Münchner teilen sie) eines der besten südostasiatischen Restaurants in München. Dies ist eine Vorspeise bestehend aus leicht vorgegrillten Shrimps, die man am Tisch fertig grillt. Auf Facebook habe ich knapp 1.400 Likes dafür bekommen.
Lars Rastede


©Tony Trinks

Für mich ist Essen etwas Besonderes, es zuzubereiten ist für mich die einfachste Form der Nächstenliebe. Man will den Menschen um sich herum eben etwas Gutes tun. Und getreu dem Motto "Tue Gutes und sprich' darüber" wird dann alles online geklatscht. Manchmal ärgere ich auch gute Freunde, die gerade vor einer grauen, lieblos zusammengequirlten Schüssel Grießbrei sitzen mögen, mit Fotos von meinen Gerichten. In einer Zeit von Veganismus und Nachhaltigkeit beim Essen ist es auch eine Art von Prostet, ja fast schon ein Terroranschlag auf das Gewissen anderer, wenn man ein Foto von einem perfekt medium-gebratenen Steak oder einer gutbürgerlichen Rindsroulade postet. Man muss als nicht-veganer Foodie damit rechnen, dass man gehörig aneckt.
Julian Diehr (@GrizzlyEisbaer)


©Lina T.

Ich mache meistens "Foodies", wenn es sich um ein besonderes Essen handelt, das ich mir bewusst leiste. Oder wenn die Mahlzeit einen hohen emotionalen Wert hat und ich deswegen den Moment festhalten möchte. Die Emotionen spielen auch bei diesem "Foodie" eine große Rolle. Ich war nach einem Auslandssemester in England wieder bei meinem Lieblingsrestaurant Rose in Freiburg und konnte mein lang ersehntes Lieblingsessen endlich wieder genießen. Der Moment war perfekt, die Sonne strahlte, ich war mit einer Freundin dort, die ich ebenfalls lange nicht gesehen hatte. Dieses "Foodie" erinnert mich daran, wie glücklich ich in diesem Moment war.
Lina T.


©Nicolas Winkler

Dieses Bild habe ich vor ein paar Tagen in der Mensa des Studentenwerks in der Technischen Universität Berlin gemacht. Links ist Quinoa mit Sojastreifen zu sehen und rechts ein Crêpe mit Heidelbeersauce. Ich probiere so oft wie möglich die veganen Speisen unserer Mensa aus; das Studentenwerk Berlin ist im Bezug auf vegan/vegetarische Kost sehr löblich. Auch wenn der linke Teller leider nicht nur nach Sad Desk Lunch aussah, sondern auch so geschmeckt hat. Dafür war der Crêpe sehr lecker!
Nicolas Winkler


©Lea G.

Ich mache "Foodies" wie dieses von einer Spargellasagne, weil mein Vater ein sehr begabter Hobbykoch ist und ich später einen Bildband für ihn zusammenstellen möchte. Aber auch in Restaurants und bei Freunden mache ich solche Aufnahmen, um für die nicht Anwesenden festzuhalten, wie gut Essen sein kann.
Lea G.


©Lisa Strube

Das lag heute vor unserer Nase, weil mich nichts mehr entspannt als zu kochen – dafür nehm’ ich mir gerne Zeit.
Lisa Strube


©Juliane Litters

Ich poste gerne mein Essen bei Facebook. Für mich ist Essen Sinn und Genuss und keine reine Nahrungsaufnahme. Essen bedeutet für mich auch Geselligkeit und Kommunikation. In meiner Kindheit und Jugend wurde an unserem Essenstisch immer über aktuelle Themen diskutiert. Da wir eine große Familie sind, fällt es mir heute noch schwer, alleine zu essen und ich verbringe mein Mittagessen mit Kollegen oder Freunden. Das Bild zeigt einen Salade Nicoise, den ich in der Oase Domburg gegessen habe.
Juliane Litters


©Sascha Fruehauf

Als ich meinen Bruder in Leverkusen besuchte, nahm er meinen Besuch als Anlass für eine kleine Grillparty mit Freunden, mit frischen Burgern vom Grill. Ein Patty hatte satte 170g Rindfleisch. Neben dem üblichen Belag wie Salat, Tomate, Ketchup und Majo gab es noch eine Käsesoße.
Sascha Fruehauf

Der Leseraufruf zum Thema "Foodies" erfolgte im Zusammenhang mit dem Titelthema der aktuellen Ausgabe der ZEIT, "Was die Deutschen wirklich essen".