Dieser Text ist ein Mosaik. Jeder Satz stammt aus einem der vielen Beiträge, mit denen unsere Leser sich von Eric T. Hansen verabschiedet haben. Gemeinsam bilden Sie einen einzigen Fließtext. Die dem zugrundeliegenden Kommentare können Sie per Klick auf einen der weiter unten gelisteten Leser in voller Länge entdecken. Eric T. Hansen geht. Seine Kolumne "Wir Amis" bleibt dem kollektiven Gedächtnis erhalten.

Eric T. Hansen CC BY 3.0 Ralf Ilgenfritz


Dear Eric,

Ich spüre heute noch Ihren kurzen, trockenen Haken auf die nationale Leberspitze. Von den unerlaubten Tiefschlägen gar nicht zu sprechen. Lesen konnte mit Ihnen scheußlich weh tun. So etwas lernt man wohl nur in der Bronx. Und Schmerz kann so verdammt süchtig machen.

Es ist schon eine Gabe, aus den Deutschen mit Deutschlandkritik so viele Reaktionen zu entlocken, einem Volk, dass es so liebt, die eigenen Stärken zu verleugnen. Ihr bester Text, Herr Hansen, war der, in dem Sie beschrieben haben, wie die Deutschen Amerika beherrschen. Urkomisch! Hansen wird fehlen! Immer provokant and that’s it! Ihre Kolumnen haben gezeigt, dass die Differenzen zwischen den USA und Europa noch wesentlich größer sind, als man gemeinhin so glaubt.

Das brachte das Blut teilweise zum Kochen; denn Amis sind nicht unbedingt der Deutschen liebste Befreier. Eine andere Perspektive ist trotzdem gut. Oft musste ich schmunzeln, wenn ich mal wieder den Eindruck hatte, Sie machen einen kleinen, schelmischen Seitenhieb auf das deutsche Bessermenschentum und bringen so viele Leser zum Hyperventilieren. Getroffene Hunde bellen, so heißt es in einem deutschen Sprichwort. Das haben Sie, Mr. Hansen, Woche für Woche neu bewiesen.

Meistens wurden Sie mit viel Abneigung bedacht, mindestens mit Ablehnung. Provokant und polemisch waren die Kolumnen, ja, aber sie zeigten einem immer wieder, dass man auf dieser Welt nicht alleine ist. Allerdings sollten Sie die Dinge doch des Öfteren genauer hinterfragen. Ich war fast nie mit Ihnen einer Meinung. Trotzdem werde ich Ihre Kolumne vermissen. Sie sind Satiriker, da gehört das dazu. Wahrscheinlich hat jeder große Wünsche, aber unter den kleinen sind zwei, die ich mir gerne erfüllt hätte in diesem Leben: eine Lesung von Kempowski zu hören und mit Ihnen, Eric T. Hansen, zu frühstücken oder auf ein Bier aus zu sein.

Mich hat Ihre Sicht auf die Deutschen mitunter zu Tränen gerührt. So viel Wahrheit über unsere eigene Kultur konnten wir Deutschen dann wohl doch nicht vertragen, auch wenn wir heimlich was gelernt haben. Und ich und die Amis, das ist eine schwierige Geschichte, indeed. Das ist aber okay. Es gab eine interessante Synergie zwischen Ihrer Kolumne und den Kommentaren und ich fand es immer äußerst amüsant, dass man schon auf den ersten zwei Seiten all das bestätigt sehen konnte, was Sie schrieben. Viele Leser haben Sie nie richtig verstanden. Mich würde zum Beispiel mal eine solche Kolumne von einem Franzosen über uns interessieren. Verdammt! Das sind unsere NACHBARN!

Eric T. Hansen konnte seinen Hals wenden wie ein Wendehals. Das Allermeiste, was Sie schrieben, war sehr lesenswert und differenziert, wenn auch manchmal streitbar. Auch Sie werden mir fehlen, aber ich werde weiter literarische Neuerscheinungen von Ihnen auf meinem Radar haben. Dafür, dass sie den Foren-Dauer-Aufgeregten eine Feindbild-Bestätigung und damit Struktur in ihren Alltag gebracht haben und mir ab und zu eine Reflektionsfläche zum Nachdenken: vielen Dank!

Farewell, little viking. Auf nimmer Wiedersehen! Geh mit Gott, aber geh! Die deutsche Presse ist um einen der wenigen Lichtblicke in ihrem antiamerikanischen Einerlei ärmer. In Bayern sagt man dafür "Vergelt's Gott" oder – damit es auch jeder Bayer versteht – einfach thanks! Ich wünsche jedem Land möglichst viele so kritische Bürger und gute Freunde, wie Sie es für Deutschland sind. Vielen Dank für Ihre wundervollen Beiträge. Und vor allem die Aufrichtigkeit. Ich bedaure den Abschied. Sie hinterlassen eine größere Lücke, als manche vermuten. Alles Gute für die Zukunft. Ohne Sie wird hier bei ZON etwas fehlen! Ich habe mich oft gefragt, was das Ganze überhaupt soll.

Jetzt wünsche ich mir mal einen Russen!

Herzlich,

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Zusammenstellung: David Schmidt