Ich habe 25 Jahre lang geraucht, zuletzt bis zu drei Schachteln am Tag. Zwei Wochen vor meinem 40. Geburtstag habe ich mir eine E-Zigarette und damit ein neues Leben gekauft. Bis dahin hatte ich schon etliche Versuche unternommen, den Zigaretten den Rücken zu kehren. Das von vielen Bekannten propagierte "einfach so aufhören" funktionierte bei mir nicht. Auch Nikotinlutschtabletten, Pflaster und Kaugummi halfen nicht länger als ein paar Tage. Spätestens zwei Wochen nach einem Rauchstopp hatte ich wieder eine Schachtel Zigaretten in der Tasche.

Dabei ging es mir als Raucher eigentlich ganz gut. Ja, den Husten am Morgen betrachtete ich argwöhnisch, und wenn ich bei der Arbeit in den vierten Stock wollte, musste ich im zweiten Stock nach Luft schnappen. Die Anzahl der Zigaretten war es, die mir zu schaffen machte. Jeden Tag 60 Stück – das konnte auf Dauer nicht gut gehen.

Ende 2011 las ich dann das erste Mal von der E-Zigarette und wurde neugierig. Nachdem ich mich ausführlich im Internet informiert hatte, kam ich zu dem Schluss: Versuchen kann ich es ja mal.

Die Umstellung war, nun ja, interessant. Die ersten Züge an der E-Zigarette brachten mich zum Husten. Meine Lunge war verbrannten Tabak gewöhnt, aber nicht aromatisierten, lauwarmen Dampf. Nach kurzer Zeit war das allerdings kein Problem mehr. Schwierig war eher die Gewöhnung an den Geschmack: Jede Flüssigkeit schmeckte irgendwie süßlich, reines Tabakaroma gibt es nach wie vor nicht. Ich versuchte, das Beste daraus zu machen und wählte meine Lieblingsaromen: Erdbeere und Honigmelone.

Bereits zwei Wochen nach der Umstellung auf die E-Zigarette bemerkte ich, dass mein allmorgendlicher Husten verschwunden war. Auch mein Schnarchen ging, zur Freude meiner Ehefrau, auf ein erträgliches Maß zurück. Weitere drei Wochen später konnte ich wieder Treppen steigen, ohne außer Atem zu geraten.

Eine Riesenüberraschung erlebte ich knapp einen Monat später: Am Mittagstisch kam mir der Geschmack der Kartoffeln seltsam vor und ich fragte meine Frau, ob mit ihnen alles in Ordnung sei. Sie probierte von meinem Teller, schaute mich an und sagte: "Die Kartoffeln schmecken so, wie sie sollen. Herzlich Willkommen im Land des Geschmacks!" Sie hatte recht: Jahrelanges Rauchen hatte meine Geruchs- und Geschmackssinne betäubt, jetzt erholten sie sich langsam wieder. Das hatte nicht nur Vorteile, wie ich in der Kassenschlange im Supermarkt bemerkte.

Ja, durch die E-Zigarette nehme ich immer noch einige ungesunde Stoffe zu mir, aber nicht mehr die knapp 9.600 chemischen Verbindungen, die bis heute im Tabakrauch gefunden wurden. Für mich zählt: Ich schade mir viel weniger und anderen gar nicht mehr. Ich bin jedenfalls bei der E-Zigarette geblieben. Ein Jahr nach dem Umstieg habe ich sogar das Sportabzeichen abgelegt.

Haben Sie auch schon versucht, mit dem Rauchen aufzuhören? Erzählen Sie uns von Ihrem Erfolg, falls Sie es geschafft haben, erzählen Sie uns von Ihrem Scheitern, wenn es nicht geklappt hat. Entweder im Kommentarbereich zu diesem Artikel oder per Email an leseraufruf@zeit.de, Betreff "Rauchen". Eine Auswahl der Einsendungen werden wir in den kommenden Wochen veröffentlichen.