Im vorigen Jahr war ich zum ersten Mal im nördlichen Ostpreußen, das ja seit fast 70 Jahren russisches Staatsgebiet ist. Mein Eindruck war derselbe wie in allen anderen Ländern, die ich besucht habe: Die Menschen wollen ein kleines privates Glück mit bescheidenem Wohlstand und in Frieden leben. Der Zweite Weltkrieg, der "große vaterländische Krieg", steckt den Russen noch tief in den Knochen. Viele der alten deutschen Gebäude sind runtergekommen. Aber die Krieger-Ehrenmale sind überall gepflegt, frisch gestrichen, manchmal naiv bemalt; auch im kleinsten Dorf. Es sind nie die normalen Menschen, die Feindschaft mit den Menschen anderer Völker wollen. Es sind immer die Regierenden, leider sehr oft unterstützt von Medien, die versuchen, die Notwendigkeit einer Gegnerschaft glaubhaft zu machen. Aber das schaffen sie heute nicht mehr so leicht. Etwas anderes als friedliche Nachbarschaft mit Russland dürfen wir nicht mehr zulassen!
Kommentar von E.Haerter

Ich war als Schweizer Unternehmer in der ganzen Welt unterwegs. Vor einiger Zeit verkaufte ich meine Firma, aber bis heute pflege ich den Kontakt zu Freunden in der ganzen Welt. 
Auch in den USA, Russland oder China. 
Ich habe die Russen als äußerst warmherzige, liebevolle Menschen kennengelernt. Nach einigen Monaten Anpassungs- und Kennenlernzeit haben die meisten Verträge problemlos abgewickelt werden können. Gab es ein Problem, sind wir hingeflogen und haben es vor Ort geregelt.
 Heute sprechen die Russen mir, dem Schweizer gegenüber, von großen Irritationen gegenüber der EU-Politik. Sie verstehen nicht, wieso Russland für alles verantwortlich gemacht wird, was in der Ukraine falsch läuft.
 Von Deutschland sind sie enttäuscht. Deutschland könne sich ein wenig dankbarer gegenüber Russland zeigen, finden sie. Geschäftlich orientieren sie sich nun nach China. Aufgrund meiner Kontakte dort habe ich einige russische Firmen mit chinesischen zusammengebracht.
Kommentar von Desilusio

Ich lebe vier bis fünf Monate im Jahr bei meiner Lebensgefährtin in Wolgograd. Zu Putin stand sie immer in Opposition. Den eigenen Nachrichten, hat sie immer betont, dürfe man nicht trauen. Das wüssten die Russen schon aus Sowjetunion-Zeiten. Allerdings liest sie unsere Zeitungen und ist über die Berichterstattung in Deutschland entsetzt. "Wissen denn die Deutschen genauso, dass man diesen Berichten nicht glauben darf?" Sie lacht, wenn sich Besserwisser über ihr Land äußern, dass diese, wenn überhaupt, aus den internationalen Oasen Moskau und Petersburg kennen. Unsere Freunde in Wolgograd kritisieren einhellig die Einmischungen der USA in der Ukraine, die Unterstützung antirussischer Faschisten in Kiew und deren Kriegsverbrechen im Donbass. Nur zwei unserer Freunde beklagen sich über die russische Politik. Russland, finden sie, setze sich mit ähnlich imperialistischen Mitteln über den Willen der Völker hinweg wie die USA. Sowohl in Russland wie in der Ukraine erkennen Sie einen nationalen Sog, der die Völker spalte. Die Nachricht: "Du kannst nur für oder gegen uns sein." Politik kann aber den tiefen russischen Freundschaften nichts anhaben.
Kommentar von Berlino10

Weil meine Frau Russin ist, habe ich selbst Kontakt zu vielen Russen. Meine Schwiegermutter hat eine sehr prorussische Einstellung. Ich vermeide es, mit ihr über Politik zu sprechen. Ihrer Ansicht nach macht Russland ohnehin alles besser. An Silvester fiebert sie der Rede von Putin entgegen und feiert. Ich glaube, sie ist davon geprägt, in der Sowjetunion groß geworden zu sein. Und wieso sollte ich versuchen, ihre Meinung zu ändern. Sie ist ja glücklich damit. Die Freunde meiner Frau (sie ist 27 und ihre Freunde sind etwa im gleichen Alter) sind da aufgeklärter – aufgeklärt genug, um zu verstehen, dass wir als Individuen nicht für die Krise verantwortlich sind und auch nichts an ihr ändern können. Ich denke, dass eine Freundschaft, die eine solche Zeit nicht übersteht, keine richtige Freundschaft war. Wer etwas sensibel ist, merkt, wie weit er mit dem anderen gehen kann. Und dann reizt man diesen Punkt einfach nicht. Kaum jemand gibt gerne das eigene Weltbild auf.
Kommentar von DieMitte

Zusammengestellt von David Schmidt