Ich komme aus einer sehr liebevollen, aber komplett unchristlichen Familie. Mein Vater ist Heavy-Metal-Gitarrist, meine Mutter freischaffende Künstlerin. Es ist schon einige Jahre her, dass wir uns Weihnachten in die Kirche verirrt haben. Wir feiern de facto nicht die Geburt Jesu Christi, sondern ein fröhliches Familienfest mit Alkohol für die Älteren und Geschenken für die Jüngeren. Nur zwei Verwandte sind irgendwie spirituell – mein Vater schamanisch, meine Tante meditiert und praktiziert Yoga. Auch die meisten meiner Freunde sind Nichtchristen.

Doch dann überkam mich als Zwölfjähriger beim Lesen von Harry Potter zum ersten mal die Angst vor dem Tod: Was, wenn ich plötzlich aus dem Leben gerissen werde? Was, wenn Himmel und Hölle real sind? Mit solchen Fragen im Kopf ging ich zum evangelischen Konfirmandenunterricht. Ich wollte lernen, was es mit Jesus und Gott auf sich hat.

Die ernüchternde Bilanz: Es gab eine Menge Feiertage, die meine Familie nicht feierte, eine Schöpfungsgeschichte, die allem widersprach, was ich in der Schule lernte, und langweilige Gottesdienste mit vielen alten Menschen. Wenn ich an Jesus glaube und ein guter Mensch bin, komme ich in den Himmel, brachte man mir bei. Am Ende wurde ich getauft und konfirmiert. Überzeugt hat mich das nicht.

Nach dem Abitur habe ich ein Studium angefangen und wieder abgebrochen, eine Work&Travel-Reise in Australien und Asien gemacht, anschließend ein neues Studium begonnen. Im Bücherregal standen dabei die Bibel und ein Büchlein, das mir Jesus Freaks auf einem Festival in die Hand gedrückt hatten: Man lebt nur einmal von William McDonald.

Als ich mich zum ersten Mal verliebte, war mir sofort klar, dass das nicht bloß eine biochemische Reaktion ist, sondern ein Geschenk Gottes. Ich las das Buch von William McDonald und warf ich mich vollständig vor meinem Erlöser Jesus Christus nieder.

Danach fand ich immer wieder die richtigen Leute und Bücher, als hätte mich jemand geführt. Ich erkannte das Böse, fastete und erwachte durch den Heiligen Geist. Es fühlte sich an wie eine Injektion mit unendlicher Liebe. Seitdem ist das Johannes-Evangelium nicht bloß eine Schrift, sondern Nahrung für meine Seele. Ich erkannte die Wahrheit der katholischen Lehre und spürte ein starkes Verlangen danach, der von Petrus gegründeten Kirche beizutreten und die Sakramente zu empfangen.

Meiner Meinung nach ist das Christentum in einer Krise, weil die meisten Christen – auch Pfarrer und Pastoren – nicht wirklich an Jesus glauben. Natürlich hat das Zölibat im 21. Jahrhundert nichts mehr verloren und Frauen müssen in der Katholischen Kirche endlich gleichberechtigt sein. Doch gleichzeitig muss die Kirche bis zur Rückkehr von Jesus standhaft die Wahrheit verkünden, gerade dann, wenn Sünde als Tugend gilt und Jesu Worte als nicht mehr zeitgemäß. Sonst wird sie in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Der Autor schreibt unter einem Pseudonym. Sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt.

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