Getrennt, aber doch irgendwie zusammen: Am Bremer Marktplatz bilden Kirche, Verwaltungs- und Regierungsgebäude ein architektonisches Ensemble. ©picture alliance/dpa

Ich lebe seit vielen Jahren in Italien. Die Katholische Kirche mischt sich hier indirekt noch immer stark in politische Belange ein. Viele Abgeordnete definieren sich explizit als katholisch, weshalb sich zum Beispiel noch keine parlamentarischen Mehrheiten für eingetragene Lebensgemeinschaften oder Homo-Ehen gefunden haben, auch wenn die Bevölkerung mehrheitlich dafür ist. Dabei ist es außer in Einzelfällen nicht einmal so, dass die Kirche eine klare Abstimmungsempfehlung abgäbe, aber die Abgeordneten wissen eben, dass bestimmte Vorschläge von der Kirche nicht gutgeheißen werden, und stimmen folglich dagegen. Aber nicht nur auf der Ebene der Gesetzgebung kann einem der Katholizismus das Leben schwer machen. In einigen Regionen ist es zum Beispiel ein großes Problem, dass viele Frauenärzte aus Gewissensgründen keine Abtreibungen vornehmen und auch die Pille nicht verschreiben. Da wird das gesetzlich verbriefte Recht auf Abtreibung in einigen Fällen de facto außer Kraft gesetzt, weil die Verweigerer nahezu 100 Prozent der Ärzte stellen. Oder man findet zwar einen Arzt, der die Abtreibung vornimmt, aber keine Krankenschwester, die in den Stunden danach dazu bereit ist, mal nach dem Rechten zu gucken.
Gesine Althaus 

Seit fünf Jahren lebe und arbeite ich in den Niederlanden. Ich bin Gynäkologe und war vor meinem Wechsel sechs Jahre lang Chefarzt an der gynäkologischen Abteilung eines katholischen Krankenhauses am Niederrhein. Immer wieder war und ist dort die Einmischung katholischer Autoritäten in die alltägliche gynäkologische Praxis absolut indiskutabel, aber leider trotzdem Teil des beruflichen Alltags, zum Beispiel bei der Pille danach oder bei der Betreuung von Vergewaltigungsopfern. Man muss sich als Klinikchef wirklich mit den Ansichten alter, sexualitätsunkundiger katholischer Würdenträger auseinandersetzen, etwa denen von Kardinal Meißner. Männer wie er werden hier in den Niederlanden übrigens als Mastodonten bezeichnet. Leider gibt es nach wie vor in Deutschland eine eigene Arbeitsgesetzgebung für kirchliche Unternehmen, sodass selbst Grundrechte wie freie Meinungsäußerung und das Leben mit einem wie auch immer gearteten volljährigen einwilligenden Partner hahnebüchenerweise immer wieder von kirchlichen Arbeitgebern mit Füßen getreten werden dürfen. Wenn ich einem Holländer so etwas erzähle, schüttelt der nur entsetzt den Kopf. Gott sei Dank gibt es dies alles in den Niederlanden nicht. Hier gibt es keine vom Staat eingezogene Kirchensteuer, keine Arbeitsgesetzgebung für kirchliche Betriebe und fast keine konfessionellen Träger von sozialen Einrichtungen. Am Tag der deutschen Einheit sah man in den deutschen Nachrichten wichtige Politiker bei der Messe. So etwas wäre hier, zum Beispiel beim Koninginnedag/Koningsdag absolut undenkbar.
Peter Bernhard von Tongelen

Mexiko. In diesem Land bin ich aufgewachsen, hier lebe ich seit 1969. Staat und Kirche sind streng getrennt, obwohl Mexiko ein sehr katholisches Land ist. Die staatliche Schulerziehung ist rein weltlich. Die Deutsche Schule in Mexiko-Stadt bot nach deutschem Muster Religionsunterricht an, der aber außerhalb des Schulgeländes stattfinden musste, und den wir als Schüler schon damals als unnütz, weltfremd, ja, albern und sinnlos empfanden. Ein Blödsinn wie die vom Staat einzutreibende Kirchensteuer? Undenkbar. Alle Religionsgemeinschaften müssen sich ihre Mittel durch Spenden selbst eintreiben.
Birgid Mueller H.