Nicht nur Literaturkenner wissen: Heute ist Welttag des Buches. Was uns dazu veranlasste, unseren Lesern auf Facebook folgende Fragen zu stellen:

1. Welches Buch müssen Sie unbedingt noch lesen, bevor Sie sterben?
2. Welches Buch bekommen Sie nicht zu Ende gelesen und warum?
3. Welches Buch wird Sie immer begleiten?

Der Hinweis darauf, dass heute auch Welttag des Bieres sei, weshalb man – hihi – heute wohl kaum zum Lesen käme, wurde zwar mehrfach erteilt, dennoch beteiligten sich mehrere Hundert Leser an unserem Aufruf. Massive Übereinstimmungen gab es bei Frage 1: Offenbar gibt es so etwas wie einen sozialen Druck, die Klassiker der Weltliteratur lesen zu müssen – und weil es sich dabei um eine Pflicht handelt, schiebt man die Lektüre schon ein ganzes Leben lang vor sich her. Aus diesem Zwiespalt erklärt sich auch, warum Titel wie Krieg und Frieden oder Ulysses sowohl als Antwort auf Frage eins als auch Frage zwei genannt wurden. Was übrigens auch den Kommentatoren nicht verborgen blieb und zu Reaktionen wie diesen führte: "Zu Frage 1: Jetzt wohl Ulysses. Dieses Buch wurde hier zu oft unter 2. genannt, um ignoriert zu bleiben von meinem Hang zur Selbstgeißelung." Im Folgenden eine Auswahl der Antworten in einer Mischung aus besonders häufig genannten und überraschenden Titeln, und im Fall von Frage zwei, eine Auswahl abhängig von der Aussagekraft der Begründung ("langweilig" war uns als Grund zu langweilig).

1. Welches Buch müssen Sie unbedingt noch lesen, bevor Sie sterben?
Koran – Bibel – James Joyce, Ulysses – Leo Tolstoi, Krieg und Frieden – "zu viele" – Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit – "die restlichen von Joseph Conrad" (welche wären das wohl?) – Jules Verne, Reise zum Mittelpunkt der Erde – "Das letzte Buch von G.R.R. Martin (Game of Thrones), sobald er damit fertig ist" – Karl Marx, Das Kapital – Hilary Mantel, Wolf Hall – Evan Thompson, Mind in Life – "alle Bücher von Terry Pratchett" – Joachim Fest, Hitler: Eine Biographie – David Foster Wallace, Unendlicher Spaß – Stephen W. Hawking, Eine kurze Geschichte der Zeit – Günter Grass, Die Blechtrommel – Victor Hugo, Der Glöckner von Notre-Dame ("aber dieses Mal mitsamt den langatmigen Schilderungen über die Pariser Atmosphäre, die ich übersprungen hab, als ich 16 war") – "den Roman, den ich geschrieben haben werde" – Udo Ulfkotte, Gekaufte Journalisten (verbunden mit einem Dank an die ZEIT-ONLINE-Redaktion für die Inspiration zu diesem Lesestoff, was wir zwar nicht nachvollziehen können, aber aus Transparenzgründen nicht verschweigen wollen)


2. Welches Buch bekommen Sie nicht zu Ende gelesen und warum?

  • James Joyce, Ulysses – meistens ohne Nennung der Gründe, oder auch "aus den bekannten Gründen", die uns nicht bekannt sind, aber Ihnen vielleicht.
  • James Joyce, Finnegans Wake – "Da hat der Autor ja auch gesagt, dass er 20 Jahre gebraucht habe, um das Buch zu schreiben und verdammt sein möchte, wenn es jemand schneller LESEN kann."
  • David Foster Wallace, Unendlicher Spaß – "Das Buch hat zwar fantastische Kritiken, aber jetzt mal im Ernst. Gefühlt 15 Seiten lange Beschreibungen von Tennistrainingstechniken. Vielleicht probiere ich es nochmal irgendwann, unfertige Bücher machen mich wahnsinnig."
  • Hermann Hesse – mehrfach mit Zusatz "alles von" ohne Spezifizierung von Gründen
  • J.R.R. Tolkien, Herr der Ringe – "Ich war 8 und hab nach der Hälfte aufgeben. Keine Ahnung, ob es an meiner Fantasy-Abneigung oder an meinem Alter lag" – "Ich entdecke immer wieder etwas Neues und kann mich darin verlieren."
  • Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon – "Aus Angst, das Ende lässt mich unzufrieden zurück."
  • Die Bibel – "Weil ich mich irgendwann nicht mehr erinnern konnte, warum ich angefangen hatte, sie zu lesen" – "Weil ich etwas gegen Logikfehler habe."
  • Wilhelm Raabe, Stopfkuchen – "Und das, obwohl ich eine Klausur drüber schreiben musste."
  • Thomas Mann, Der Zauberberg – "Weil Mynheer Peeperkorn als ‚deus ex machina’ nach 400 Seiten einfach zeigt, wie nicht durchdacht und unstrukturiert dieser Roman von Anfang an war."
  • Leo Tolstoi, Krieg und Frieden – "Schon als Schüler, und das ist schon lange her, hatte ich mir in den Kopf gesetzt, Tolstois Krieg und Frieden lesen zu wollen. Nach wenigen Seiten war ich jedoch von den russischen Namen so verwirrt, dass ich nicht mehr unterscheiden konnte, wer welche Person ist."
  • Robert Jordan, Das Rad der Zeit – "Weil sich jedesmal, wenn ich mich dem Mammutzyklus von 15 Bänden mit knapp 12.000 Seiten widme, binnen kürzester Zeit ganz viele andere Bücher bei mir stapeln, die ich unmöglich ignorieren kann. Und wenn ich dann wieder einsteigen will, kann ich die Hälfte der Figuren nicht mehr auseinanderhalten. Außerdem hat Robert Jordan offensichtlich ab Band Acht die Lust verloren, wie sollte es mir da besser gehen?"

3. Welches Buch wird Sie immer begleiten?
Charlotte Brontë, Jane Eyre – J. D. Salinger, Der Fänger im Roggen – die Kinderbücher von Astrid Lindgren (Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga) – Johann Wolfgang von Goethe, Die Leiden des jungen Werthers – Markus Zusak, Die Bücherdiebin ("das letzte Geschenk meiner Großmutter vor ihrem unerwartet plötzlichem Tod") – Henry Winterfeld, Caius ist ein Dummkopf – George Orwell, 1984 – Karl Ove Knausgård, Mein Kampf – Michael Ende, Die unendliche Geschichte – Joanne K. Rowling, Harry Potter ("In der 2. Klasse angefangen und bin mit den Charakteren groß geworden") – Brigitte Reimann, Franziska LinkerhandHarper Lee, Wer die Nachtigall stört – Otfried Preußler, Das kleine Gespenst – Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz – Thomas Mann, Die Buddenbrooks – Alan Alexander Milne, Pu der Bär, denn: "Alles andere mag schön sein; nötig ist es nicht mehr"