Kommentatoren, die regelmäßig oder massiv gegen die Netiquette verstoßen, müssen mit Sperrung ihres Nutzerprofils rechnen. Tatsächlich wissen viele Leser bereits, warum ihr Profil gesperrt wurde, wenn sie uns kontaktieren und um Wiederfreischaltung bitten. Grundsätzlich begrüßen wir Nachfragen durchaus, weil manchmal erst im Austausch klar wird, dass wir zu hart geurteilt haben oder ein Missverständnis vorlag. Oft kommt es in der Folge zu einer Wiederfreischaltung des Profils. Manchmal aber auch nicht. Meistens dann nicht, wenn Kommentatoren eines der folgenden Argumente nennen, um sich zu rehabilitieren.

Alter
Manche Leser glauben, das Erreichen eines bestimmten Alters führe zu Unantastbarkeit. Allein der Umstand, schon so lange auf der Welt zu sein, legitimiert zur Einforderung von Respekt und Demut. Dass man auch im Alter immer noch etwas Neues lernen kann, empfinden Vertreter dieser Haltung nicht als positiv, sondern als Beleidigung: "Unerhört, in meinem ganzen Leben bin ich noch nicht so behandelt worden!" Oder sie kokettieren mit altersbedingtem Realitätsverlust: "Ich lerne doch nicht mehr, was ihr jungen Leute unter politischer Korrektheit versteht, habt Nachsicht." Wer mit dem Alter argumentiert, bringt auch gern folgenden Insiderspruch aus der ZEIT-Welt an: "Wenn die Gräfin wüsste, wie Sie hier mit mir umspringen, sie würde sich im Grab umdrehen."

Kein Student mehr
Die Aussage "Ich bin doch kein Student (mehr)!" ist nicht als Anspielung auf das Alter zu verstehen, sondern als Distinktionsmerkmal zur Abgrenzung vom Moderationsteam. Viele der Moderatoren sind nämlich studentische Mitarbeiter, was die dilettantische und von Ahnungslosigkeit geprägte Qualität ihrer Arbeit erklärt. Wie katastrophal das Moderationsteam arbeitet, erkennt aber nur, wer selber kein Student mehr ist. Und weil wir grundsätzlich erst einmal annehmen, dass alle Kommentatoren Studenten sind, behandeln wir sie natürlich auch erst dann mit dem gebührenden Respekt, wenn sie den Studentenstatus überwunden haben und uns entsprechend darüber in Kenntnis setzen.

Titel
Ich bin Doktor, Professor, Experte für, im Beirat von, Ex-Ehrenvorsitzender des Verbandes aus Kommentarbereichen Vertriebener... Wer qua Titel etwas darstellt, hat ansonsten nichts in die Waagschale zu werfen und hinterlässt besonders bei Menschen, die selber irgendwann fast ihre Promotion abgeschlossen hätten, schon mal im Ausschuss von irgendwas saßen, Experten für fast alles sind oder über einen Adelstitel unterster Schublade verfügen, nichts als keinen Eindruck.

ZEIT-Abonnement
"Wenn Sie mein Profil nicht sofort wieder freischalten, kündige ich mein Abonnement." Wer diese Drohung ausspricht, ist sich oft nicht sicher, ob die Zeitungskrise für Erpressungsversuche ausgeprägt genug ist, und verleiht ihr deshalb noch durch folgende Zusätze Nachdruck: "Und ich rufe meine Freunde dazu auf, Sie nicht mehr zu lesen", "Ich schreibe einen Beschwerdebrief an Helmut Schmidt", "Ich schaue für Sie in die Zukunft: da sind keine Leser mehr". Interessanterweise wissen einige Vertreter dieses Beschwerde-Typus nicht, dass man ein Abo erst einmal abgeschlossen haben muss, bevor man es kündigen kann.

Die anderen
"Der andere hat aber angefangen!" Genau, kleiner Otto, die Leni hat dir ein Sandbackförmchen weggenommen (weil du alle hattest und sie keins), da musstest du ihr natürlich eins mit dem Schaufelchen über den Kopf ziehen. Dass sie dir daraufhin den Bagger um die Ohren gehauen hat, das haben die Erzieher leider nicht gesehen, sondern nur die Sache mit der Schaufel, und deshalb musst jetzt du auf der stillen Treppe sitzen und nicht Leni – wer den Abenteuerspielplatz Kommentarbereich betritt, muss stark genug sein, folgende Erkenntnis auszuhalten: Alles, was Sie tun, ist Initiator oder Bestandteil einer Handlungskette.

Wenn Sie eine Moderationsentscheidung hinterfragen wollen, wenden Sie sich bitte per E-Mail an community@zeit.de.